Patienten tragen 1 Drittel der Gesundheitsausgaben in Griechenland

24. Juni 2017 / Aufrufe: 600

Über 35 Prozent der gesamten Gesundheitsaufwendungen in Griechenland werden von den Patienten aus eigener Tasche bestritten.

Laut einer Untersuchung der Deloitte sind die Anteile, welche die griechischen Patienten – Konsumenten für die Gesundheitsaufwendungen aus eigener Tasche zahlen, im Vergleich zu anderen europäischen Ländern erheblich höher.

35,5% der gesamten jährlichen Gesundheitsaufwendungen in Griechenland werden von den Patienten, 59,1% von dem staatlichen Sozialsystem und 3,7% aus privaten Versicherungspolicen gedeckt.

Schrumpfung der Ausgaben in den Krankenhäusern

Gemäß der Untersuchung erfuhr in Griechenland die Gesundheitsbranche während der Periode 2009 – 2015 heftigen Druck, wobei der Rückgang der Gesundheitsaufwendungen insgesamt 40% tangiert. Die Gesundheitsaufwendungen verzeichneten seit 2009 einen kontinuierlichen Rückgang, wobei sie 2014 rund 14,1 Mrd. Euro erreichten. Hauptgrund für den Rückgang stellte der besagten Untersuchung zufolge die signifikante Schrumpfung bei der medizinischen Versorgung durch den Staat und das Sozialversicherungssystem dar.

Der erhebliche Rückgang der Aufwendungen im Gesundheitszweig scheint bei den Krankenhäusern weniger spürbar geworden zu sein, im Gegensatz zu Apotheken und sonstigen Gewerbetreibenden der Branche, die mehr getroffen wurden. Konkret gelangten die sich auf die Krankenhäuser beziehenden Gesamtaufwendungen von 9 Mrd. Euro im Jahr 2009 bei 6,2 Mrd. Euro im Jahr 2015 an und zeigten einen durchschnittlichen jährlichen Rückgang der Größenordnung von 6%, wogegen im selben Moment der Rückgang im Einzelhandel der Branche (Apotheken, medizinische Apparate usw.) und bei den übrigen auf dem Gesundheitssektor tätigen Gewerbetreibenden (private Ärzte, Diagnosezentren) entsprechend 7% und 9% tangierte.

Finanzierung der Gesundheitsaufwendungen in Griechenland

Hinsichtlich der Finanzierung der Gesundheitsausgaben in Griechenland in den letzten Jahren rühren 59,1% aus dem staatlichen Sozialversicherungssystem her, während 35,5% sich auf Ausgaben beziehen, die der Patient – Konsument aus eigener Tasche deckt, welcher Anteil im Verhältnis zu anderen europäischen Ländern (Großbritannien 9,5%, Frankreich 6,7%, Italien 21,7%) um Einiges höher ist.

3,7% der Gesamtaufwendungen ergeben sich schließlich aus privaten Versicherungsverträgen.

Rückgang bei den privaten Krankenhäusern

Was die Situation im Zweig der privaten Krankenhäuser betrifft, zeigt diese nach einer Periode stetigen Wachstums bis 2009 seitdem einen signifikanten Rückgang, und zwar hauptsächlich wegen der Einführung des Systems der (gesetzlich erzwungenen) Rabatte und finanziellen Rückvergütungen (Clawback) an den Fiskus, die ihre Einnahmen schrumpfen ließen.

Anzuführen wert  ist der Umstand, dass sich wegen der Krise, der in Griechenland der private Sektor begegnete, in der Periode 2012 – 2015 eine Tendenz zu Fusionen zu Tage trat, wobei die Anzahl der privaten Krankenhäuser um 6% zurück ging und ihre Größe (Kapazität) um ungefähr 1% zunahm.

Die Mehrzahl der 283 privaten und öffentlichen Krankenhäuser in Griechenland befinden sich in Attika

Die Gesamtzahl der privaten und öffentlichen Krankenhäuser in Griechenland erreicht 283, wobei sich deren überwältigende Mehrzahl in Attika befindet, während der Untersuchung zufolge in den griechischen Krankenhäusern ungefähr 45.900 Kliniken betrieben werden. Auf Basis der internationalen Vergleichsdaten übersteigt jedoch die Verfügbarkeit von Betten die Nachfrage um eine Quote von wenigstens 18%.

Bei den Entwicklungen in der Gesundheitsbranche während des ersten Halbjahrs 2017 werden die Debatten über die Gesetzesvorlage bezüglich der sogenannten primären Gesundheitsversorgung, die Veröffentlichung der Angaben zu den Gesundheitsausgaben des Jahres 2015 – bei denen ein kleiner Anstieg auf 14,7 Mrd. Euro ausgewiesen wird – sowie auch das Interesse internationaler Investoren an unternehmerischen Vereinbarungen betont.

(Quelle: eleftherostypos.gr)

Touristen gehen in Griechenland ein erhebliches (Gesundheits-) Risiko ein

Was die Verfügbarkeit von Krankenhausbetten betrifft, mag in Griechenland statistisch gesehen tatsächlich ein „Überangebot“ bestehen, insbesondere in Bezug auf die real verfügbaren Betten auf Intensivstationen und in Spezialkliniken trifft dies jedoch definitiv nicht zu – zumal ein erheblicher Anteil dieser Kapazitäten nur (noch) auf dem Papier besteht, da die entsprechenden Einrichtungen und Betten nicht zuletzt wegen akuten Personalmangels schon seit vielen Monaten oder gar Jahren „brach“ liegen.

Ein weiteres Thema, das im Rahmen des Griechenland von seinen Gläubigern aufgezwungenen Austerität-Wahns  opportun „unter den Teppich“ gekehrt wird, ist die medizinische Versorgung der alljährlich im Land eintreffenden zig Millionen Urlauber und Touristen. Während sie in Athen bzw. dem Großraum Attika immerhin zumindest auf eine elementare medizinische Grundversorgung hoffen können, ist selbst diese in den meisten populären „touristischen Hochburgen“ schon lange definitiv nicht mehr gewährleistet.

In diesem Zusammenhang sei betont, dass sogar ein – mehr oder weniger teuer bezahlter – privater (Kranken-) Versicherungsschutz letztendlich nicht „mehr“ zu gewährleisten vermag als die lokalen (Infra-) Strukturen zu erbringen in der Lage sind.

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