Griechenland ist eine de facto Kolonie Deutschlands

16. Juni 2017 / Aufrufe: 1.013

Laut einem bei Politico publizierten Artikel ist Griechenland eine de facto Schuldenkolonie und hat keine andere Wahl als den Wünschen seiner Kolonialherren zu gehorchen.

Die Wahrheit ist, dass Europa schon vor langer Zeit aufgehört hat, Griechenland zuzuhören.“ Diese erschreckenden Worte verwendet Politico um zu beschreiben, was bei der Verhandlung zwischen der griechischen Regierung und den Gläubigern des Landes herrscht.

Der in der europäischen Ausgabe der amerikanischen Zeitschrift veröffentlichte Artikel begegnet mit einem ironischen Ton dem griechischen Premierminister Alexis Tsipras und seiner Bemühung, das Thema der Einigung vor die Gipfelkonferenz zu bringen, falls bei der Eurogruppe am 15 Juni 2017 keine Lösung gefunden wird.

Tsipras hat in Europa mehr Spott als Respekt gewonnen

Die Zeitschrift verharrt bei Wolfgang Schäubles Äußerungen bezüglich der Anrufe des griechischen Premierministers bei Angela Merkel. „Bisher haben ihm diese seine Bemühungen speziell in Deutschland mehr Spott anstatt Respekt verschafft„, merkt die Zeitschrift in einem Artikel mit Titel „Warum Griechenland Deutschlands de facto Kolonie ist“ an. Der Ton des Textes ist von beleidigend für den griechischen Premierminister bis hin zu schockierend in Hinsicht auf das, was „kommt“.

Armer Alexis Tsipras. Tagelang hängt der griechische Staatsführer an den Telefonen und versucht, die bestmöglichen Bedingungen für sein Land sicherzustellen. Bisher hat er mit seinen Bemühungen speziell in Deutschland mehr den Hohn als den Respekt gewonnen„, schreibt der Redakteur Matthew Karnitsching. Die Tage, in denen der Grexit Nervosität auf den Märkten verursachte, sind vorbei, wird in dem Artikel angemerkt und ergänzt, es sei wahrscheinlicher, dass eine Bezugnahme auf Griechenland einen ausdruckslosen Blick, wenn nicht gar ein Gähnen hervorruft.

Mit der weit weg von den Händen der Finanzmärkte und den Tresoren der EZB und Europas angesiedelten Verschuldung vermag Athen mittlerweile das internationale Finanzsystem nicht mehr zu erschüttern.“ Herr Tsipras – führt Politico an – hat das erst nach seiner Wahl im Jahr 2015 begriffen. Er wurde mit der Versprechung gewählt, den größten Teil der von den Gläubigern aufgezwungenen Austerität zu kippen, und führte ein Referendum durch, danach kam jedoch die Realität. „Mit dem Zusammenbruch des griechischen Systems, dem Ausscheiden aus der Eurozone und einer noch traurigeren Zukunft als die Gegenwart konfrontiert, wurde er gezwungenermaßen überzeugt.

Seitdem hat Tsipras sich in einem hohen Grad an die Forderungen der Gläubiger nach weiteren Kürzungen und Reformen gehalten. Berlin und seine Partner begegneten seinen gelegentlichen Widerstandsausbrüchen mit simpler Geduld. Sie wussten, dass der griechische Führer letztendlich keine andere Wahl haben würde als zu gehorchen„, berichtet Politico und notiert, dass sie damit wieder und wieder richtig lagen, und führt als jüngstes Beispiel an, dass Herr Tsipras die Kürzungen bei den Renten durchdrückte, was früher unvorstellbar war.

Griechenland ist eine de facto Schuldenkolonie

Seit dem Beginn der Krise war ein Teil der deutschen Strategie im griechischen Thema, den Fortschritt nicht sehr leicht zu machen. Obwohl die deutschen Amtsträger dies nicht öffentlich eingestehen werden, war die exemplarische Abstrafung Griechenlands immer ein Teil ihres Plans, merkt Politico an.

Und das zahlte sich aus, fährt der Artikel fort. Griechenland wurde in ganz Europa zu einem Synonym für wirtschaftliche Unzulänglichkeit. Die Amtsträger in anderen Hauptstädten beziehen sich auf Athen als einen unterhaltsamen, unbußfertigen Verwandten. Niemand möchte wie Griechenland werden.

Griechenland ist eine de facto Schuldenkolonie„, äußerte gegenüber Politico der polnische Außenminister Witold Waszczykowski, die Abgeneigtheit seines Landes erklärend, dem Euro beizutreten, und fügte an: „Wir wollen dieses Szenarium nicht wiederholen.

Tsipras hat keine andere Wahl als zu gehorchen

Griechenland hofft immer noch, schließlich das zu bekommen, was es wünscht, notiert Politico und bezieht sich auf die Weigerung des Internationalen Währungsfonds (IWF), sich ohne eine Erleichterung der Verschuldung an dem Programm zu beteiligen. Parallel wird der Vorschlag von Christine Lagarde angeführt, dass der Fonds ohne wirtschaftliche Beteiligung in das Programm einsteigt, bis die Europäer das Thema der Erleichterung der Verschuldung klären.

Wenn dies letztendlich geschieht, dann nur nach den deutschen Wahlen. Derweilen hat Tsipras keine andere Wahl als den Wünschen seiner ‚Kolonialherren‘ zu gehorchen„, schließt der Artikel.

(Quellen: eleftherostypos.gr, politico.eu)

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