Selbständige in Griechenland sollen ausgerottet werden

13. Mai 2017 / Aufrufe: 2.363

Warum in Griechenland Freiberufler und Selbständige ausgerottet werden sollen.

Die absurde Belastung der Freiberufler (und allgemein der Selbständigen) in Griechenland ist nicht nur einnahmeorientiert. Allem voran zielt sie auf die Reduzierung des großen Anteils der Selbständigen ab – der derzeit (noch) der größte in der gesamten Europäischen Union ist.

Und somit beschränken die beruflichen Optionen sich mittlerweile auf zwei Richtungen …

Selbständigkeit in Griechenland „stinkt“ den Gläubigern

Die Wirtschaftsstudenten lernen ab dem ersten Studienjahr, dass eins der hauptsächlichen strukturellen Probleme der griechischen Wirtschaft die große Anzahl der Selbständigen ist. Und sie lernen nichts Falsches. Griechenland hat den größten Anteil Selbständiger aller Länder der Europäischen Union. In Griechenland tangiert der Anteil der selbständigen Beschäftigung 32% der aktiven Bevölkerung. Der Durchschnittswert in Europa ist 15%. Und je moderner eine Wirtschaft ist, um so geringere Selbständigkeits-Quoten präsentiert sie allgemein. Eine hohe Selbständigkeit haben außer Griechenland auch Italien, das sich wegen seiner Steuerhinterziehung hervortut, sowie ebenfalls Portugal und Rumänien. Die niedrigsten Selbständigkeitsquoten werden dagegen in Dänemark und Luxemburg verzeichnet.

Dies ist der Hauptgrund, aus dem die Freiberufler nun wirtschaftlich ausgerottet werden. Ihre wirtschaftliche Aktivität gilt als Zuchtstätte der Steuerhinterziehung und Brutkasten der Schattenwirtschaft. Wenn die Gläubiger Griechenlands hohe (Sozialversicherungs-) Beiträge und einen unerträglichen Steuersatz durchsetzen, nehmen sie dabei vorweg, dass (noch) „Speck“ existiert, zugleich wollen sie aber auch die Freiberufler in andere Aktivitäten drängen. Sollen sie doch einfach Arbeitnehmer werden oder Schirm-Gesellschaften gründen um sich beruflich gemeinsam unterzubringen. Hauptsache, sie laufen nicht dort draußen herum, anarchisch, unkontrolliert, Steuern hinterziehend.

Freiberufler und Selbständige in Griechenland sollen … aussterben

Und die Regierung? Sorgt sie sich nicht um die politischen Kosten? Ok, es ist nicht ihre erste Priorität, die Verluste bei Ärzten, Rechtsanwälten Ingenieuren – also Freiberuflern – zu minimieren, die so wie so nicht ihrem Publikum angehören. Die anderen, sprich jene, die volkstümlichere Berufe ausüben, haben bereits ihre Weise gefunden um zu überleben. Der Klempner wird leichter als der Rechtsanwalt der „Zange“ entwischen. Wie auch immer, die Wahl-Klientel der Regierung sind jedenfalls die öffentlichen Bediensteten und – sekundär – die Rentner. Die Freiberufler werden bald nicht mehr so frei oder so selbständig sein. Jedenfalls ist ausgeschlossen, dass sie gleichzeitig sowohl frei als auch selbständig sind.

Nun gut, aber wird denn nicht die Nea Dimokratia (an die Regierung) kommen um die Dinge wieder zurechtzurücken? Also mal ehrlich, ich denke nicht, dass Sie an diese Naivität glauben. Das System wird bleiben wie es ist und die Eigenschaft des Freiberuflers wird unrentabel bis unerschwinglich sein, außer man verdient riesige Beträge oder will Schwarzgeld waschen.

In der Realität beobachten wir eine Bemühung um eine – gewaltsame – Änderung des Modells, nach dem Griechenlands Wirtschaft funktioniert. Und leider sind wir überhaupt nicht sicher, wohin genau wir geführt werden. Niemand kann sich sicher sein. Möglicherweise reduzieren wir tatsächlich imposant die Selbständigkeits-Quote, dabei die Aktivität in Angestellten- oder Gesellschafts-Schemata umlenkend. Auf der anderen Seite reduzieren wir möglicherweise aber die Selbständigen und steigern die – wirklichen und fiktiven – Arbeitslosen, dabei noch mehr Aktivitäten in das Zwielicht der Schattenwirtschaft führend.

Das einzig Sichere ist, dass das (Wirtschafts-) Modell sich ändert. Der „Freiberufler“ beginnt allmählich von dem (Berufs-) Auswahlmenü (insbesondere) der jungen Leute gestrichen zu werden. Was bleibt? Angestellter oder Unternehmer zu werden. Und natürlich die sichere und effiziente Lösung des … Schlitzohrs.

(Quelle: protagon.gr, Autor: Kostas Giannakidis)

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