Junge Leute in Griechenland trauen der Politik nicht

15. März 2017 / Aktualisiert: 10. Oktober 2017 / Aufrufe: 837

92 Prozent der jungen Leute in Griechenland haben kein Vertrauen in die Politik und 47 Prozent sind pessimistisch.

92% der jungen Leute in Griechenland und 66% ihrer Alterskollegen in Deutschland haben kein Vertrauen in die Politik. Fast 4 von 10 jungen Griechen tangieren die Möglichkeit eines Ausscheidens des Landes aus der Europäischen Union (Grexit) nicht negativ, während gerade einmal 9% der Deutschen diese Haltung bezüglich ihres eigenen Landes teilen.

Die jungen Leute in Griechenland sind zu einem Anteil von 47% bezüglich ihrer Zukunft pessimistisch – jedoch optimistischer als die Franzosen und Italiener. Sowohl in Griechenland als auch in Italien machen sich einer von zwei jungen Leuten besonders um ihre berufliche Zukunft Sorgen, während sie sich in Österreich und in der Schweiz sehr viel weniger sorgen. Dem Thema der Aufnahme von Flüchtlingen wird von den jungen Leuten Europas mit positiver Stimmung begegnet, sogar auch in den Ländern, in denen es eine hohe Arbeitslosigkeit gibt.

Gestiegene Bereitschaft zur Anpassung an neue Situationen

Die vorstehenden Befunde, die aus der paneuropäischen Untersuchung „Generation What“ über die Wünsche der jungen Leute herrühren, die im nächsten Monat veröffentlicht werden soll, präsentierte zu Beginn der Arbeiten des 2. griechisch-deutschen Jugendforums die Vertreterin des deutschen Instituts für soziologische Untersuchungen „SINUS Akademie“, Dr. Gabriele Schambach.

Frau Schambach führte an, dass die Realität für die jungen Leute in Griechenland und in Deutschland sich reichlich unterscheidet, die Notwendigkeit der Tangierung jedoch gemeinsam sei. „Kein junger Mensch möchte, dass wir zu ihm sprechen, wie jener redet, jedoch müssen wir diverse Dinge zu tangieren versuchen, unterschiedliche junge Laute erreichen, analog zu ihrer Lebenswelt mit ihnen sprechen„, betonte sie. Außerdem unterscheiden sich – wie sie erklärte – die Interessen der jungen Leute und ihre Bedürfnisse, so wie sie sich innerhalb des soziologischen Umfelds gestalten, in dem sie leben, signifikant. „2012 stellte für manche das Thema, im Mainstream zu liegen, eine Beschimpfung dar, 2017 dagegen nicht, da festgestellt wird, dass eine viel größere Bereitschaft der jungen Leute zur Anpassung an neue Situationen existiert„, merkte sie an.

In Griechenland ist die Familie Stütze und … Hemmschuh

Die Nachdenklichkeit bezüglich der Zukunft beschäftigt sowohl die griechischen als auch die deutschen jungen Leute, jedoch unterscheidet sich die Weise, auf welche sie den gemeinsamen Problemen begegnen, und spezieller die Weise, auf die sie die – in diesem Moment in Griechenland große – Intensität der Probleme abfangen können, führte der Assistenzprofessor für den Studiengang Europäische Studien an der Universität Makedoniens, Giorgos Voskopoulos, an.

Für die Griechen hat die Familie eine große Bedeutung, was eine sowohl positive als auch negative Lesart hat„, merkte er an und erklärte, Griechenland, aber im weiteren Umfang auch die Gesellschaften im Süden haben eine unterschiedliche Struktur und familieninterne Regeln, die zu Entscheidungen führen, die sich häufig als falsch erweisen. „Die Eltern mischen sich ein, was ihre Kinder studieren werden, häufig treiben sie die Kinder dazu, das zu werden, was jene hätten werden wollen, manchmal agieren sie als Tyrannen„, sagte er. Dies hat – wie er erklärte – zur Folge, dass die Familie in einem großen Grad die Zukunft der Kinder bestimmt.

Auf der Gegenseite merkte er an, dass die Familie die Struktur ist, die den jungen Leuten hilft, unter Umständen einer Krise schwierigen Situationen zu begegnen. „Wenn die Gesellschaft nicht – mit allem Negativen – traditionell wäre, hätte das Land auf Ebene des Zusammenhalts der Gesellschaft möglicherweise ein anderes Schicksal gehabt. Das als überholt Geltende half, dass der Zusammenhalt der Gesellschaft und der jungen Menschen erhalten bleibt„, merkte Herr Voskopoulos an.

Was die Beschäftigung der jungen Leute in Griechenland betrifft, äußerte der Professor die Ansicht, objektiv über überqualifizierte Fertigkeiten verfügende junge Leute finden hauptsächlich wegen eines schlechten, nicht produktiven Konjunkturmodells keine Arbeit, das hauptsächlich konsumbasiert war und in der Krise zusammenbrach. Weiter betonte er, „ein Bildungssystem, dass in der 3. Klasse des Oberstufen-Gymnasiums die jungen Leute zwingt, 50 bis 100 Seiten am Tag auswendig zu lernen […], nicht die Fertigkeiten der Personen entwickelt, kein essentiell Wissen erzeugendes System, sondern ein steriles Verfahren ist, aus dem die jungen Leute nicht kultivierter hervorgehen und auf Ebene der Bildung nachhinken„.

(Quelle: Imrisia)

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