Überbesteuerung macht Griechenland zum Königreich der Schwarzarbeit

23. Februar 2017 / Aufrufe: 1.560

Laut einem Artikel in der NYT werden in Griechenland wegen der horrenden Steuern und Abgaben immer mehr Bürger in die Schattenwirtschaft gedrängt.

Wie in einem Artikel in der New York Times (NYT) geschildert wird, ist Griechenland für die EU die Krise, die nie verschwindet, und während für diese Woche eine weitere angespannte Verhandlung mit den Gläubigern programmiert ist, rackert das Land sich ab, sich von der größten Rezession in der Eurozone aufzurappeln.

Der in der Samstagsausgabe (18 Februar 2017) der amerikanischen Zeitung und auf ihrer Website beherbergte Artikel konzentriert sich auf die zigtausend Griechen, die in letzter Zeit ihre Gewerbe abmeldeten – mit dem Resultat, dass sie sich fortan der Schwarzarbeit zuwenden, wie auch der entsprechende Titel der New York Times anführt.

Über 21.000 Gewerbeabmeldungen in nur 2 Monaten

Während die griechische Regierung noch mehr Steuererhöhungen durchsetzt, um den Forderungen (der Gläubiger) nach Austerität zu entsprechen, haben in den beiden letzten Monaten über 21.000 Selbständige und Kleinunternehmen ihre Aktivität eingestellt. Viele von diesen stellen jedoch ihren Betrieb nicht wirklich ein, wird in dem Artikel angemerkt.

Die meisten dieser Menschen fahren darin fort, zu arbeiten„, erklärte gegenüber der New York Times der Buchhalter Dimitris Tsamopoulos und fügte an: „Nun werden sie dies jedoch auf dem Schwarzarbeits-Markt tun. Sie meinen, einen Weg zu brauchen um zu überleben.

Griechenlands Schattenwirtschaft wird auf 20% – 25% geschätzt

Wenige Probleme sind tiefer verwurzelt – oder schwerer zu bekämpfen – als die Schattenwirtschaft, die anscheinend erneut gestärkt wird, da die neuen Austeritäts-Maßnahmen die früher einmal gesetzestreuen Griechen zwingen, in der Schwarzarbeit Zuflucht zu suchen„, schreibt die New York Times und fährt fort: „Der Schwarzarbeits- / Schattenmarkt in Griechenland wird auf 20% – 25% des BIP veranschlagt, da immer mehr aufhören, ihre Einkommen zu deklarieren, um der Zahlung von Steuern zu entgehen, die manchen Einschätzungen zufolge auf bis zu 70% des persönlichen Brutto-Einkommens erhöht worden sind.

Das Herz des Themas ist, dass eine kontinuierlich anwachsende Anzahl von Bürgern und Unternehmen inzwischen einfach nicht mehr über die Mittel verfügt um ihren steigenden steuerlichen Verpflichtungen nachzukommen„, erklärte gegenüber der Zeitung Jens Bastian, Ökonom und Mitglied des Gutachterausschusses der EU, der die vorherigen griechischen Rettungsprogramme beaufsichtigte. Keine anderen Alternativen habend, fährt er fort, „wenden sich Viele der Schattenwirtschaft zu„.

Den neuen Disput zwischen Athen und Gläubigern bezüglich des letzten Programms notierend fügt die New York Times an, „derweilen bemühen Unternehmen und Bürger sich, ihren Verpflichtungen in einer Wirtschaft nachzukommen, die 2015 einen katastrophalen Schock erlitt, als Alexis Tsipras die Kapitalverkehrskontrollen verhängte und Griechenland an den Rand des Ausscheidens aus dem Euro brachte. Trotz des leichten Aufschwungs schrumpfte Griechenlands Wirtschaft im vierten Quartal wieder und brachten viele Griechen dazu, die Versprechungen des Herrn Tsipras bezüglich eines Wachstums zu verhöhnen„.

Überbesteuerung treibt immer mehr Bürger in die Illegalität

Ein grundlegender Part des Konjunkturplans (Griechenlands) ist, mehr Steuern von dem Teil der Bevölkerung beizutreiben, der seit geraumer Zeit Steuern hinterzieht, merkt der Artikel an. Unternehmen und Bürger erklären jedoch, weniger (Geld) für die Entrichtung weiterhin steigender Steuern zu haben, und die Motivation zur Steuervermeidung wird verstärkt. „Mit der Arbeitslosigkeit bei 23% ist die Schattenwirtschaft für manche ein Rettungsring. Andere sehen es als Weg, die Regierung – der sie nicht vertrauen – daran zu hindern, ihr Geld in das schwarze Loch der öffentlichen Verschuldung zu werfen„, berichtet die New York Times und fügt an, dass Elektriker, Klempner, Friseure, Journalisten und viele weitere Selbständige es wagten.

Es ist, als ob man gezwungen wird, illegal zu werden. Natürlich werde ich auf dem Schwarzmarkt weiterarbeiten. Ich muss schließlich über die Runden kommen„, kommentierte einer von Denen, die zu der amerikanischen Zeitung sprachen. Giannis – er akzeptierte der New York Times nur seinen Vornamen zu nennen – sagte noch, er habe eine Firma in Bulgarien eröffnet, wo die Steuer nur 10% beträgt.  „Zehntausende Griechen haben in Bulgarien, Zypern, Luxemburg und anderen Ländern mit niedriger Besteuerung das Selbe getan, um den hohen Steuern in ihrem Heimatland zu entgehen. Das bedeutet jedoch noch weniger Einnahmen für den griechischen Fiskus und die Schaffung eines ungerechten Wettbewerbs für die Unternehmer, die (in Griechenland) Steuern bezahlen„, führt der Artikel der NYT an.

(Quelle: Imerisia)

  1. Habnix
    23. Februar 2017, 11:19 | #1

    Was wird passieren wenn sie das Bargeld abschaffen? Genau das gleiche wie in Griechenland. Es wird einen Schwarzmarkt und Schwarzarbeit geben

  2. Anton
    23. Februar 2017, 15:28 | #2

    Der Artikel in der NYT fasst sehr anschaulich einen staatsrechtlichen Grundsatz zusammen: Die Verpflichtung zur Legalität setzt vor allem voraus, dass es überhaupt möglich sein muss, auch auf legalem Weg existenziell zu überleben. Diese materielle Voraussetzung für einen funktionierenden Rechtstaat wurde in Griechenland Stück für Stück abgebaut, wodurch letztlich eine klare Unterscheidung zwischen Recht und Unrecht immer schwieriger wurde. Will man also einen demokratischen Rechtstaat erhalten, setzt dies auch voraus, die dafür existenziellen materiellen Voraussetzungen zu beachten – auch bei den sog. „Auflagen“ der Gläubiger.

  3. karnapas
    23. Februar 2017, 16:07 | #3

    Der kleine Schuhmacher auf einer kleinen Insel hat keine Chance bei der heutigen Besteuerung. Sein Kollege auf Santorin oder auf Mykonos oder auf dem Festland hat einen ganz anderen Umsatz. Meiner hat seinen Laden dicht gemacht und arbeitet jetzt zuhause. Schwarz.

  4. Theo Langer
    23. Februar 2017, 16:07 | #4

    Das wird ein wahres Schlachtfest, wenn erst einmal die Digitalwährung eingeführt sein wird. Dann werden jene, die vorgesorgt haben bzw. es konnten, mit Gold, bezahlen und der Rest wird sich an den Ruinen bedienen und jegliche Reste der noch vorhandenen hellenischen Statuen abschlagen, um sie gegen Arbeitsleistung zu tauschen.

  5. GR-Block
    24. Februar 2017, 01:54 | #5

    Die Dummheit kennt keine Grenzen. Und solange man mit solchen unrecherchierten Artikeln als Journalist Karriere machen kann, wird in der EU die Dummheit von den Schlauen regiert.

    Die Steuerhinterziehung innerhalb der EU ist bei den meisten Völkern in €/Kopf in etwa gleich. Dagegen unterscheidet sie sich erheblich von Marktsegment zu Marktsegment. Ein rassistischer Vergleich wird hingegen ausschließlich von westeuropäischen Medienökonomen angestellt. Und zwar weil sie neben guter Forschung auch Karriere machen wollen. Das ist so wie mit dem Astronomen im Mittelalter, der Astrologie betreiben muss, um vom Mäzen finanziert zu werden.
    Branchen mit hoher Steuerhinterziehung wie z.B. die Baubranche gibt es in allen Ländern. Dagegen gibt es nur in den Industrieländern sog. Finanzprodukte. Der Finanzmarkt treibt aber das BIP gewaltig in die Höhe, obwohl der Ottonormalverbraucher kaum damit zu tun hat. Typisches Beispiel: LUX hat die zweit geringste relative Steuerhinterziehung (also pro BIP). Tatsächlich ist aber der Luxemburger der absolut größte Steuerhinterzieher noch vor den Skandinaviern.
    Grundsätzlich haben alle Industriestaaten hohe Steuerhinterziehung pro Kopf. GR ist dagegen nur Mittelmaß. Der Grund ist, dass obwohl reiche Länder die Mittel zur Steuerfahndung haben, sie dem Unternehmer gewisse Freiheiten lassen, um sich auf den Weltmärkten durchzusetzen und dadurch Steuereinnahmen zu generieren. So kann es sich der Staat leisten.

    Wer partout in GR die Steuerhinterziehung „senken“ will, der muss das BIP erhöhen. Davon wird übrigens die Steuerhinterziehung pro Kopf auch steigen. Also Schluss mit der Austerität! Der Staat muss wieder anfangen, Militäranlagen zu bauen oder unbefahrene Autobahnen; das macht BIP. Der Privatmensch sollte seine ungewisse Selbständigkeit aufgeben, um lohnabhängig zu werden, seine Immobilien verkaufen, um trotz schlechtem Lohn konsumieren zu können; BIP-BIP. Wenn dann jeder Grieche Miete zahlen muss, dann macht’s BIP-BIP-BIP… und der Immobilienhai freut sich.
    Noch besser ist das Luxemburger Prinzip. Jede Nacht wird zwischen den 4 systemischen Banken GRs per LKW ein Kubikmeter Euroscheine hin und her gefahren und in den Büchern vermerkt. Solche Geldbewegungen bringen zwar keinen Wert, erhöhen aber das BIP um Quadrillionen. Dann darf man die größte Schattenwirtschaft, den höchsten Militärhaushalt, die meisten Staatsschulden haben, und keinen juckt’s.

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