Griechenland steht vor einer sozialen und humanitären Katastrophe

28. Februar 2017 / Aktualisiert: 10. Oktober 2017 / Aufrufe: 3.663

Die Verschuldung Griechenlands reißt nicht nur wirtschaftliche Wunden und die Bürger des Landes stehen vor einer sozialen und humanitären Katastrophe.

Die britische Zeitung „Independent“ berichtete jüngst, die von der griechischen Verschuldung geöffnete Wunde sei nicht nur wirtschaftlicher Natur. Wie der Redakteur schreibt, bekommen das durch die Krise verursachte Leiden die anfälligsten Gruppen der Bevölkerung zu spüren, einschließlich der alten Menschen.

Die Besorgnis in Griechenland verlängert sich, wie in einer Erklärung Deutschlands Wirtschaftsminister Jens Spahn in Erinnerung rief, der eine Einigung mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) für möglich hält, die keine Erleichterung der griechischen Verschuldung fordert, damit – wie er meinte – die Gläubiger keine Verluste bezüglich ihrer Kredite erleiden.

Krise in Griechenland trifft nicht die Schuldigen, sondern die Schwachen

Der IWF will, dass eine Erleichterung der griechischen Verschuldung erfolgt, Deutschland stellt sich dem jedoch entgegen. Das Thema in Zusammenhang mit der bestgeeigneten Form einer Entlastung der Verschuldung Griechenlands ist nicht nur technisch. Es ist auch kein Thema, das mit der gerechten Behandlung verschiedener Mitgliedstaaten der Eurozone zu tun hat. Es ist nicht einmal ein Thema bezüglich der Zukunft der Eurozone oder selbst auch der Wirtschaft allgemein. Zwar zählt alles, eine Sache zählt jedoch mehr, und das ist das humanitäre Problem für die Griechen, die mit einer gesellschaftlichen und menschlichen Katastrophe konfrontiert sind, betont die Zeitung.

Die griechische Wirtschaft ist in den letzten zehn Jahren um mehr als ein Viertel geschrumpft. Der Schmerz der Krise ist deutlich genug sichtbar, jedoch nicht gleichmäßig verteilt. Die Rentner sehen, wie ihr Einkommen sich um die Hälfte und in manchen Fällen noch mehr verringert hat. Die Gesundheitsdienste stehen unter einem ungeheuren Druck, wobei bestimmte Medikamente inzwischen nicht mehr verfügbar sind. Die Arbeitslosigkeit beträgt offiziell 23% und die Jugendarbeitslosigkeit tangiert die doppelte Quote. Für die jungen Leute, die Glück haben und gebildet sind, ist ein Weg des Entkommens, nach England oder Deutschland auszuwandern, wo es Arbeit gibt. Für die Älteren, die weniger Glück haben, gibt es dagegen keinen anderen Ausweg als – häufig auf die Wohltätigkeit gestützt – über die Runden zu kommen. Natürlich existierte ein großes Missmanagement der griechischen Wirtschaft, aber diejenigen, die sie schlecht handhabten, sind nicht die selben, die nun getroffen werden.

Das Tragische ist, dass es ein übliches Vorgehen gibt, das wirtschaftlichen Schwierigkeiten begegnende Länder für einen Neustart ihrer Wirtschaft befolgen können. Dies umfasst für gewöhnlich drei Dinge: Erleichterung der Verschuldung, Abwertung der Währung und strukturelle Reformen. Griechenland hat begonnen, Reformen vorzunehmen, die beiden ersten Optionen sind jedoch nicht verfügbar. In irgend einer Phase wird aber eine Erleichterung der Verschuldung erfolgen müssen, und viele glauben, es werde auch eine Abwertung geben müssen. Die Besorgnis geht derweilen weiter und verwundet am meisten jene, die weniger stark sind um dies zu ertragen, betont der Redakteur.

(Quelle: Imerisia)

  1. Kleoni
    28. Februar 2017, 08:06 | #1

    das Schlimme ist, dass nicht nur die griechische Bevölkerung leidet, die gut ausgebildeten Fachkräfte auswandern müssen, da in Griechenland der Zukunft beraubt, sondern dass auch griechische Arbeitgeber, ebenso wie Investoren und Günstlinge der jeweiligen Regierungen die Situation schamlos zu ihren Gunsten ausnutzen und sich bereichern. Dass ehrliche Bürger durch Steuern und Abgaben so belastet werden, dass ihr einziger Ausweg die Flucht in die Schwarzarbeit ist oder ihren Firmensitz nach Bulgarien zu verlegen.

  2. Toto Maier
    28. Februar 2017, 09:44 | #2

    Jens Spahn ist nicht Wirtschaftsminister

  3. Herbert Fein
    28. Februar 2017, 12:31 | #3

    Auf den Punkt gebracht: Wenn es Griechenland nicht endlich gelingt, eine grundlegende Verwaltungs- und Strukturreform zu machen, kann es keine Besserung geben. Da würde derzeit ein Schuldenerlass überhaupt nichts nützen. Die aktuelle, unfähige, kommunistisch- rechtspopulistische Regierung würde sogar für ihr fatales Missmanagement belohnt.
    Tsipras, der eigentlich der große Hoffnungsträger der kleinen Leute und des Mittelstands war, hat diese nun schamlos ins Verderben gestürzt und zwar schlimmer als anderen, unseligen Regierungen vorher. Arbeitsplätze können nur geschaffen werden durch Investitionen in aussichtsreiche Wirtschaftsfelder. Griechenland hätte dafür eigentlich viele Voraussetzungen, wenn es für Investoren klare und verlässliche Bedingungen schaffen würde:
    Schnelle Genehmigungen für Firmengründungen, schnelle Baugenehmigungen, klare und sichere Garantien für Steuern und Abgaben in den nächsten 5-10 Jahren etc. Dann würden auch die Bedingungen für den Verbleib im Euro rapide steigen und sowohl bei Deutschland und der EU die Chancen für einen Schuldenerlass. Die aktuelle Regierung will es einfach nicht wahrhaben, dass sie die Voraussetzungen für einen Schuldenerlass schaffen muss und derzeit niemand Lust hat, schlechtem Geld von gutes Geld hinterher zu werfen. Das griechische Volk muss endlich die Regierung vom Acker jagen.

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