Gläubiger drohen Griechenland mit Bail-in

1. Februar 2017 / Aufrufe: 1.703

In ihren Bemühungen, Griechenland zur Ergreifung immer neuer Maßnahmen zu zwingen, drohen die Gläubiger nun sogar auch mit einem Schnitt der Bankguthaben!

Der Kessel rund um Griechenland wird enger und inzwischen nehmen die Drohungen seiner europäischen … „Partner“ bezüglich einer neuen finanziellen Strangulierung zu, wenn das Land nicht ihren absurden Forderungen nach einer sofortigen gesetzlichen Festschreibung eines neuen Pakets belastender fiskalischer und struktureller Maßnahmen für 2018 und die nachfolgenden Jahre nachgibt.

Die Deutschen und die übrigen Gläubiger verstärken ihre Anstrengungen, Griechenland zu erpressen, und gelangen dabei mittlerweile an dem Punkt an, Szenarien seines Ausscheidens aus dem Euro zu „flüstern“, falls ihren Ansichten nicht stattgegeben wird. Und all dies trotz des Umstands, dass der griechische Staatshaushalt des Jahres 2016 mit einem Primärüberschuss von 2% des BIP bzw. 3,5 Mrd. Euro abzuschließen scheint, der damit um 2,6 – 2,7 Mrd. höher als von dem Memorandum vorgesehen sein wird!

Griechenland erfährt offene Drohungen und Erpressungen

Die von der Regierung Deutschlands angeleiteten sogenannten … „Institutionen“ bemühen sich mittlerweile, ähnliche Verhältnisse mit denen zu schaffen, die in Griechenland im ersten Halbjahr 2015 herrschten, um die wie auch immer gearteten von griechischer Seite geleisteten Widerstände gegen ihre Bemühungen zu beugen, das Land zur Ergreifung neuer Maßnahmen zu verpflichten. Sie geben sich nicht mit den bisherigen Zugeständnissen der griechischen Regierung zufrieden und verlangen noch größere, um den Abschluss der zweiten „Bewertung“ des Memorandums III zu gestatten.

Die von den Gläubigern aufgefahrenen Geschütze sind die bekannten Androhungen des Ausscheidens aus der Eurozone (Grexit) und sogar auch der „Beschneidung“ (Bail-in) der Bankguthaben! Parallel teilen sie mit, dass die Beteiligung des internationalen Währungsfonds (IWF) an dem griechischen Programm nicht verhandelbar ist.

Die Beratungen zwischen Regierung und Gläubigern gehen hinter den Kulissen weiter, wobei die griechische Seite – die inzwischen offen Drohungen und Erpressungen erfährt – Informationen zufolge mittlerweile bereit zu sein scheint, eine Senkung des (allerdings nur Arbeitnehmern, Rentnern und neuerdings auch hauptberuflichen Landwirten gewährten!) Einkommensteuerfreibetrags auf ein Niveau von 6.000 – 7.000 Euro zu akzeptieren, damit nach 2018 zusätzliche Einnahmen in Höhe von ungefähr 2 Mrd. Euro geschöpft werden.

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg enthüllte, akzeptierte Griechenlands Finanzminister Evklidis Tsakalotos in seinem Schreiben an die Vertreter der Gläubiger in der vergangenen Woche angesichts der bevorstehenden Eurogruppe, für das Jahr 2018 zusätzliche Maßnahmen mit einem Volumen von 550 Mio. Euro zu verhängen, und gestand die Verzögerungen bei der Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen ein, wobei er anerkannte, dass das gerade einmal 1/3 der memorandischen Verpflichtungen realisiert worden ist.

Ohne den IWF bekommt Griechenland kein Geld mehr

Die von dem griechischen Finanzminister Evklidis Tsakalotos vorgeschlagenen Maßnahmen wurden jedoch als für die Deckung der geschätzten fiskalischen Lücke des Jahres 2018 unzulänglich beurteilt. Somit soll die griechische Regierung inzwischen ein Gesamtpaket mit Maßnahmen mit einem Volumen von 2,5 Mrd. Euro diskutieren – gegenüber 4,5 Mrd. Euro, die der IWF fordert.

Klaus Regling, Direktor des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM), schraubte derweilen vorgestern die Töne weiter hoch und versuchte, gleichzeitig sowohl die griechische Seite als auch den IWF unter Druck zu setzen. Spezieller erklärte er, Griechenland werde eine neue Kredit-Tranche nur erhalten, sofern der IWF sich an dem Programm beteiligt. Weiter merkte er an, die Beteiligung des IWF könnte auch nicht finanzierender Natur sein, jedoch sei sein Know-how erforderlich.

(Quelle: dikaiologitika.gr, Autor: Jorgos Palaitsakis)

  1. Kleoni
    1. Februar 2017, 09:55 | #1

    Wäre GR damals den Ratschlägen von Hr. Varoufakis gefolgt, dann würde Griechenland heute freier sein und müsste nicht endgültig auf den finalen Dolchstich warten.

  2. windjob
    1. Februar 2017, 11:04 | #2

    Was Herrn Schäuble und die deutsche Regierung betrifft, sollte Griechenland mal etwas ruhiger sein. Die jetzige Merkel Regierung tut zur Zeit alles nicht mehr an die Macht zu kommen. Dann ist auch Schäuble weg. Mit Schulz wird es hoffentlich etwas komoder zugehen.
    Insgesamt halte ich das Verhalten der EU und Deutschlands für untragbar. Diese Leute sollten sich schämen und ich schäme mich Deutscher zu sein. Es wird Zeit, dass dieser Neoliberalismus aufhört und die Macht der Banken und Geldmärkte beschnitten wird.

  3. Konstantin
    1. Februar 2017, 23:27 | #3

    Das wird nie aufhören mit ständig neuen Forderungen seitens der Gläubiger. Man verdient doch gut an dem maroden Griechenland, weswegen sollten Gläubiger diese gute Einnahmequelle versiegen lassen? Ein Aufschwung ist doch von denen gar nicht gewollt.
    Raus aus dem Euro und Staatspleite erklären, dann wird erst mal alles sehr schlimm werden, jedoch geht es dann nur noch aufwärts. Belässt man es dabei, die Gläubiger zu bedienen und sich ewig neu epressen zu lassen, kann es nie aufwärts gehen.

  4. KretaHans
    2. Februar 2017, 10:35 | #4

    Griechenland bräuchte endlich einen starken Regierungschef; dann Flirt mit Putin und Trump und die EU (einschl. EURO-Zone) würde sehr schnell einen Schuldenschnitt aktzeptieren; denn einen 2. Brexit kann sich Frau Merkel nicht mehr leisten, denn dann flieg die EU sowieso auseinander.

Kommentare sind geschlossen