Die beiden Seiten des Unternehmertums in Griechenland

7. Februar 2017 / Aufrufe: 1.618

Zwei jüngst in Griechenland eingeleitete Unternehmensverkäufe zweigen zwei völlig verschiedene Seiten griechischen Unternehmertums.

Der Januar 2017 brachte einige positive Nachrichten über die Wirtschaft Griechenlands: zwei griechische Gesellschaften befinden sich vor dem Verkauf an große ausländische Konzerne, was zeigt, dass ein gewisses Investitionsinteresse an dem Land besteht.

Die zum Verkauf anstehenden Gesellschaften sind sogar zufällig auf dem selben Sektor (Transportwesen) tätig, während der angegebene Preis ähnlich ist, 43 Millionen Euro für die eine und 45 Millionen Euro für die andere. Hier hören die gemeinsamen Punkte jedoch auf. Die beiden Gesellschaften stellen zwei diametral gegensätzliche Seiten des Unternehmertums in Griechenland dar.

Privatisierung der TRAINOSE kostet Steuerzahler 750 Mio. Euro

Im ersten Fall geht es um die TRAINOSE, eine Gesellschaft, die alle Charakteristika des Unternehmertums des Staates enthält. Die TRAINOSE wurde Ende 2005 gegründet, als die Verwaltung des Netzes der Eisenbahnlinien (die bei der OSE verblieb) von dem Betrieb der Züge für die Personen- und Güterbeförderung (welcher der TRAINOSE angetragen wurden) getrennt wurde. Das neue öffentliche Unternehmen (DEKO) erhielt die monopolistische Position bei den Schienentransporten aufrecht und bezog parallel signifikante Subventionen vom Staat, die sich heute auf 50 Millionen Euro jährlich belaufen und 40% ihrer Einnahmen entsprechen. Trotz dieser Vorteile schrieb die TRAINOSE bis 2010 jedes Jahr Verluste von 200 Millionen Euro, bei einem Jahresumsatz von gerade einmal 100 Millionen Euro, hatte also für jeden eingenommen Euro Kosten von 3 Euro.

Diese Verluste waren Resultat einer ungeheuren Verschwendung und nicht etwa von Investitionen (die Investitionen in das Netz liegen in der Verantwortung der OSE). Es ist charakteristisch, dass laut den Jahresbilanzen der Gesellschaft die durchschnittlichen Personalkosten der TRAINOSE im Jahr 2009 über 60.000 Euro je Beschäftigten betrugen! Die nach 2010 folgende drastische Umstrukturierung erzielte, die Verluste auf Null zu bringen, brachte jedoch keine wesentlichen Gewinne zustande.

Die Sünden der Vergangenheit haben der TRAINOSE aber Verbindlichkeiten an den Fiskus in Höhe von 750 Millionen aufgebürdet, die gestrichen (sprich erlassen) werden müssen, damit ihr Aufkauf durch die italienische Eisenbahngesellschaft vollendet wird. Folglich werden die Steuerzahler die Scherben der überdimensionalen Verschwendung bezahlen, was ungefähr einem Drittel des Aufkommens aus der diesjährigen Immobiliensteuer (ENFIA) entspricht.

Paradebeispiel privaten Unternehmergeists in Griechenland

Der zweite Fall ist die Taxibeat, eine neu entstandene private Gesellschaft, die 2011 gegründet wurde und eine Mobiltelefon-Anwendung schuf, welche die Auffindung und Auswahl von Taxis erleichtert. Die Firma startete in den schwersten Jahren der Krise mit 4 Personen und einer Finanzierung von 40.000 Euro von dem Open Fund, schaffte jedoch, ein Bedürfnis des Marktes zu decken und fährt heute Gewinne ein, hat eine Million User und 15.000 kooperierende Fahrer, während sie mittlerweile 100 Arbeitnehmer beschäftigt.

Zusätzlich stellte sie eine Finanzierung von ausländischen Investment-Funds sicher und expandierte ins Ausland, wo sie in Perus Hauptstadt Lima eine führende Position inne hat. Wenn die Gerüchte stimmen, wird sie schließlich an die deutsche Daimler verkauft werden, und zwar zu einem Preis, der das Sechsfache der 7 Millionen beträgt, welche die Geldgeber der Firma insgesamt investiert haben.

Parteiklüngel, Vetternwirtschaft und Rent-Seeking

Die Lehren aus diesem Vergleich sind drei.

Erstens neigt – da die TRAINOSE keine Ausnahme darstellt – das staatliche Unternehmertum zu Parteilichkeit, Vetternwirtschaft und „Rent-Seeking“, und diese Phänomene werden sich in Zukunft wiederholen (das Ministerium für Infrastrukturen hat bereits die Gründung einer neuen staatlichen Eisenbahngesellschaft verlangt). Folglich vermögen die staatlichen Firmen nicht nur nicht die übrige Wirtschaft zu „ziehen“, sondern haben auch riesige Kosten für die Steuerzahler. Die Privatisierungen sind die einzige Lösung, gegebenenfalls mit gewissen Subventionen und regulierenden Interventionen, damit die Erbringung von Diensten von öffentlichem Interesse sichergestellt wird (wie beispielsweise die Bedienung einer unrentablen Strecke im Transportwesen).

Zweitens, das extrovertierte private Unternehmertum hat die Möglichkeit, zur Dampfmaschine des wirtschaftlichen Aufschwungs zu werden, indem es Produkte entwickelt, die einen Mehrwert und Arbeitsplätze schaffen.

Drittens ist es unmöglich, vorab vorauszusehen, welche Produkte Erfolg haben werden und auf welchen Märkten. Wer hätte sich vorgestellt, dass eine Firma für „Taxi-Suche“ heute für dutzende Millionen Euro verkauft wird? Oder dass sie das ferne Peru erobern könnte?

Ziel der Regierung hat also die Schaffung einer unternehmerischen Umgebung zu sein, die das Experimentieren und die Risiko-Übernahme durch den privaten Sektor begünstigt anstatt auf einer statischen Auffassung staatlichen Unternehmertums zu basieren, das mit den bekannten Pathogenesen belastet ist.

(Quelle: protagon.gr, Autor: Manolis Galenianos, Wirtschaftsprofessor an der Universität Royal Holloway in London)

  1. karnapas
    7. Februar 2017, 15:44 | #1

    Parteiklüngel, Vetternwirtschaft und Rent-Seeking sind natürlich zu bekämpfen. Andererseits sehe ich Bereiche, die z.T. in die Hand / Lenkung des Staates gehören: u.a. Energie, Wohnungsbau, Transport und Verkehr. Was z.B. die DEUTSCHE BAHN in D nach dem Börsengang abliefert, ist ausschliesslich Profit- und Renomeedenken. Schnelle Züge fahren durchs Land, die halten aber kaum mehr. ‚Unprofitable‘ Strecken und kleinere Haltestellen werden abgeschafft, der Regional- und Nahverkehr vernachlässigt. Jüterbog – Berlin (45 Minuten Fahrzeit) heute morgen: 60 Minuten Verspätung. Und das ist der neue Standard nach der (begonnenen) Privatisierung bei der DEUTSCHEn BAHN!

  2. Franz K.
    7. Februar 2017, 21:58 | #2

    Was für ein Unsinn! Weshalb sollten staatliche Betriebe weniger rentabel sein als Privatunternehmen? Es gibt genügend Beispiele aus Deutschland, z.B. Wasserprivatisierung Berlin, Deutsche Bahn, Post, Telekom usw. wo es genau umgekehrt lief, da waren die Staatsbetriebe sowohl für den Kunden attraktiver als auch in der Gesamtrechnung „wirtschaftlicher“. In Griechenland ist das Problem ganz einfach die Vetternwirtschaft und Korruption und diese Strukturen werden mit der Privatisierung nicht verschwinden, im Gegenteil, der Filz aus Politik und Privatwirtschaft bleibt erhalten und wird sogar noch legalisiert, denn mögliche Gewinne fließen dann ganz legal in private Taschen …

  3. Ronald
    18. Februar 2017, 04:19 | #3

    „Ziel der Regierung hat also die Schaffung einer unternehmerischen Umgebung zu sein, die das Experimentieren und die Risiko-Übernahme durch den privaten Sektor begünstigt …“ Ganz genau! Ich habe vor 4 Wochen ein Unternehmen angemeldet. Das kostete 20 € und dauerte 10 Minuten. So viel zum Thema „deutsche Bürokratie“.

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