Chicken Game zwischen Griechenland und Gläubigern

4. Februar 2017 / Aktualisiert: 04. Februar 2017 / Aufrufe: 728

Reuters charakterisiert die Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Gläubigern als Feiglingsspiel und vertritt, ein Bankrott des Landes nütze letztendlich niemandem.

Griechenland und die sogenannten Institutionen spielen das Chicken Game: Wer wird „kuschen“, damit es nicht zum Staatsbankrott kommt?

Die Agentur Reuters legt die Einschätzung dar, ein eventueller Bankrott Griechenlands sei letztendlich für niemanden von Vorteil, und betont, die zentrale Frage bleibe eine: nämlich, wer als erster nachgeben wird. Konkret wird in dem Artikel angeführt:

Griechenland wird weiter in einem Chaos, jedoch nicht am Abgrund stehen

Wem nützt es, wenn Griechenland pleite geht? Weder seinen Gläubigern noch seiner beunruhigten Regierung. Dies ist der beste Grund um zu hoffen, dass die angespannten Verhandlungen darüber, ob das Land die nächste Tranche der 86-Mrd.-Euro-Rettung wert ist, freundschaftlich enden wird, bevor von Griechenland im Juli 2017 die Begleichung von Verbindlichkeiten in Höhe von ungefähr 6 Mrd. Euro gefordert werden wird. Behält der Rationalismus die Oberhand, wird Griechenland sich zwar weiterhin in einem Chaos, aber nicht am Rand des Abgrunds befinden.

Der Grund, aus dem die Verhandlungen des Landes über einen dermaßen großen Zeitraum hingezogen worden sind, liegt darin, dass alle Seiten irrational sind, jede auf ihre Weise. Deutschland – de facto „Anführer“ der Gläubiger – weigert sich, einen Schritt voranzuschreiten, außer wenn der Internationale Währungsfonds das selbe tut – auch, wenn Letzterer immer weniger auf dem Tisch anbietet. Der IWF selbst beharrt darauf, die SYRIZA-Regierung leiste „toxische“ Zusagen, um der Zielvorgabe bezüglich eines Primärüberschusses von 3,5% des Brutto-Inlandsprodukts zu entsprechen. Und die SYRIZA weigert sich, generöse Renten zu kürzen oder den Einkommensteuerfreibetrag zu senken.

Die Frage ist, wer als erster nachgeben werden wird. Gibt der IWF nach, wird er als schwach erscheinen, wenn er jedoch das Programm verlässt, wird es so aussehen, als ob er sich nicht für Europa interessiert. Deutschland wiederum würde von seinem Parlament (Bundestag) eine neue Genehmigung für einen neuen Rettungsplan für Griechenland erhalten müssen – was angesichts der anstehenden Wahlen ein besonders schwieriges Unterfangen ist.

Damit wird der nächste Zug der SYRIZA überlassen. Empfindet Premierminister Alexis Tsipras tatsächlich, die Gläubiger verlangen zu viel, kann er Neuwahlen ausrufen. Dies könnte jedoch die gegnerische Partei der Nea Dimokratia an die Macht bringen, die eventuell die Gläubiger davon überzeugen können würde, in ihrer Haltung „weicher“ zu werden. Ebenso könnte aber eine neue Regierung auch genau die selben Probleme „erben“.

Finanzmärkte zeigen sich relativ „locker“

Die Investoren rechnen nicht mit dem Schlimmsten. Die 10-jährigen Anleihen des griechischen Fiskus haben bei ihrer Rendite einen Unterschied von 7,1 Prozentpunkten im Verhältnis zu ihren deutschen Äquivalenten: Diese Differenz ist sogar noch geringer als in fast den gesamten beiden letzten Jahren. Die relativ lockere Haltung des Markts wird gerechtfertigt werden, wenn die SYRIZA nachgeben oder von der Macht abtreten wird – was die beiden wahrscheinlichen Szenarien sind.

Griechenland könnte in jedem Fall einen unmittelbaren Bankrott vermeiden. Jedoch stellt für ein Land, dem der IWF „für etliche Jahrzehnte“ zweistellige Arbeitslosenquoten voraussagt, jede wie auch immer geartete kurzfristige Lösung keine große Erleichterung dar.

(Quelle: Imerisia)

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