Die Hälfte der Haushalte in Griechenland lebt von Renten

27. Januar 2017 / Aufrufe: 1.730

Rund die Hälfte der Haushalte in Griechenland hält sich mit der Rente der Großmutter und des Großvaters über Wasser.

Eine von dem Institut für Studien der GSEBEE durchgeführte Untersuchung beschreibt die Unheil verkündenden Aussichten der griechischen Wirtschaft. Es wird ein Pessimismus bezüglich des wirtschaftlichen Kurses der griechischen Haushalte verzeichnet, da 73,5% der Befragten einschätzen, dass ihre wirtschaftliche Lage sich verschlimmern werden wird.

Nur 5,1% nehmen dagegen an, ihre wirtschaftliche Position werde sich verbessern. Fast 2/3 der Haushalte (65,3%) sind zu Kürzungen gezwungen, um das Notwendige für die Lebensführung sicherzustellen. Aufzeigend für die ausgedehnte Einkommensunsicherheit in Griechenland ist der Umstand, dass im Fall einer eventuellen außerordentlichen Notwendigkeit zur Zahlung von 500 Euro 15,8% erklären, diese nicht tätigen können zu werden, während 51,4% diese Ausgabe mit großer Schwierigkeit decken würden.

Jeder dritte Haushalt in Griechenland hat wenigstens 1 Arbeitslosen

Im Zweig der Arbeitslosigkeit und Beschäftigung zeigt die Untersuchung, dass ungefähr 1,1 Mio. Bürger arbeitslos sind und 32% der Haushalte in Griechenland wenigstens einen Arbeitslosen haben. Weiter zeigt sich, dass über 400.000 Haushalte irgendein Mitglied haben, das ins Ausland ausgewandert ist um Arbeit zu finden, welche Anzahl mehr als einer halben Million Bürger entspricht. Ebenfalls erklärt fast die Hälfte der Haushalte (49,2%), irgendeine Rente als Haupteinkommen habend zu überleben.

Detaillierter stellen sich die von der Untersuchung des IME GSEBEE aufgezeigten Fakten über die Einkommen in Griechenland folgendermaßen dar:

  • Mehr als 1 von 3 Haushalten erklären, mit einem jährlichen Familieneinkommen zu leben, das sich auf der niedrigsten Einkommensstufe befindet (37,1% deklarieren ein Jahreseinkommen von insgesamt unter 10.000 Euro).
  • Nur 1,5% der Bevölkerung schaffen, Geld „auf die hohe Kante“ zu legen. Laut den Angaben der AMECO ging 2015 das Netto-Sparvolumen des privaten Sektors um 9,5 Mrd. Euro zurück. In einer jüngeren Studie der Europäischen Zentralbank wird betont, dass die griechischen Haushalte nach Beginn der Krise 35,9% des Wertes ihrer Vermögenselemente verloren haben.
  • 16% der Haushalte erklären, ihre Einkommen reichen nicht aus um ihre Grundbedürfnisse zu decken, welcher Befund zu dem in Griechenland verzeichneten Prozentsatz extremer Armut passt (die auf 40% des durchschnittlichen Einkommens veranschlagt wird, ELSTAT). Gemäß den offiziellen Angaben des Europäischen Amts für Statistik Eurostat (Untersuchung der Einkommen und Lebensbedingungen der Haushalte) sank in Griechenland die Schwelle der relativen Armut von 7.178 Euro im Jahr 2010 auf 4.512 Euro im Jahr 2015, was ein Anzeichen für den Zusammenbruch der mittleren Einkommen ist. Würde die Armutsschwelle des Jahres 2010 als Vergleichsmaß genommen, würde heute ungefähr die Hälfte der griechischen Haushalte als arm gelten.
  • 73,5% rechnen mit einer Verschlimmerung ihrer wirtschaftlichen Lage (nur 5,1% erwarten eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Möglichkeiten).

Arbeitslosigkeit – Beschäftigung in Griechenland

  • 32,6% der Haushalte (also fast 1,1 Millionen Haushalte) haben wenigstens eine arbeitslose Person in der Familie. Der Prozentsatz der Langzeitarbeitslosigkeit tangiert 73,3% der gesamten Anzahl der Arbeitslosen. Von der Gesamtheit der arbeitslosen Mitglieder der Haushalte erhalten nur 9,5% Arbeitslosenhilfe.
  • Mehr als 1 von 5 Haushalten (22,4%) haben ein Mitglied in der Familie, das für weniger Geld als den offiziell festgelegten Mindestlohn von 586 Euro brutto (sprich 490 Euro netto) arbeitet.
  • 9,7% der Haushalte erklären, zumindest ein Mitglied gehabt zu haben, das ins Ausland auswanderte um Arbeit zu finden (dies entspricht mehr als 400.000 Familien). Diese Zahl konvergiert mit den offiziellen Angaben der Statistikbehörden, bei denen die Einschätzung vorliegt, dass seit Beginn der Krise mehr als 500.000 Griechen (427.000 in der Periode 2008 – 2013) auswanderten. Noch beunruhigender ist aber die Aussicht auf eine Fortsetzung des Phänomens, da 42% der Haushalte ernsthaft die Möglichkeit untersuchen würde, ins Ausland abzuwandern, wenn die Voraussetzungen existieren würden, dort eine Arbeit zu finden. Bei den jüngeren Leuten im Alter von 18 – 35 Jahren erreicht dieser Anteil sogar 67,7%.
  • Beständig hoch, aber marginal gesunken ist der Anteil der Haushalte (49,2%), welche die Rente irgendeines Mitglieds als Haupteinkommensquelle angeben. Der kleine Rückgang (gegenüber 52% im Dezember 2014) beruht höchstwahrscheinlich auf der progressiven horizontalen Senkung des Niveaus der Renten.

(Quelle: dikaiologitika.gr, Autor: Vasilis Angelopoulos)

  1. Kleoni
    27. Januar 2017, 08:52 | #1

    Und Hr. Schäuble will DIE Griechen noch mehr bluten lassen, obwohl sie bereits ausgeblutet sind. Das ist die schlimmste (Wirtschafts-) Besatzung, die ein Volk seit dem 2. Weltkrieg erleiden musste.

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