Warum es zu Grexit und Griechenlands Staatsbankrott kommen wird

10. Dezember 2016 / Aktualisiert: 09. Oktober 2017 / Aufrufe: 4.554

Die Capital Economics vertritt, Griechenland werde früher oder später aus der Eurozone ausscheiden und den Staatsbankrott erklären müssen.

In einer Analyse in Zusammenhang mit dem am 05 Dezember 2016 gefassten Beschluss der Eurogruppe bezüglich der Verschuldung Griechenlands schätzt die Capital Economics ein, die genehmigten kurzfristigen Maßnahmen stellen keine wirkliche Erleichterung der Verschuldung des Landes dar.

Ihre leitende Volkswirtin für Europa, Jennifer McKeown, warnt, die Verschuldung Griechenlands werde trotz der Maßnahmen außerordentlich untragbar bleiben, und charakterisiert die Einschätzung des ESM bezüglich einer Reduzierung der Verschuldung bis 2060 als sehr optimistisch. Die Capital Economics beharrt sogar auf ihrer Ansicht, früher oder später werde der Grexit stattfinden und Griechenland den Bankrott erklären.

Griechenlands Verschuldung bleibt nicht tragfähig

Parallel schlägt sie die Alarmglocke bezüglich eines dritten Programms. „Die Eurogruppe machte gewisse Fortschritte, bleibt jedoch resolut gegen einen von Griechenland benötigten Schuldenerlass. Und nachdem der IWF immer noch unwillig ist, sich an dem Programm zu beteiligen, verlängert sich die Gefahr, dass dieses zusammenrechen wird„, führt sie in ihrer Analyse charakteristisch an.

In Zusammenhang mit den kurzfristigen Maßnahmen bezüglich der Verschuldung betont sie, deren Größe, aber auch durchschnittliche „Reifung“ bleiben unverändert. „Die Zurücknahme der Anhebung des – 11,3 Mrd. Euro der griechischen Kredite betreffenden – Zinsspielraums um 200 Basispunkte wird der griechischen Regierung eine Ersparnis von 226 Mio. Euro bzw. ungefähr 0,2% des heutigen BIP einbringen. Diese Einsparung wird jedoch nicht vor Mitte des Jahrzehnts 2020 eintreten„, lautet es in der Analyse der Capital Economics.

Insgesamt erscheint die Behauptung des ESM, die Maßnahmen werden die Verschuldung bis 2060 um 20% reduzieren, als außerordentlich optimistisch und basiert wahrscheinlich auf der Einschätzung, die Bekanntgabe werde eine Reaktion der Finanzmärkte hervorrufen. Bisher sind die Märkte jedoch nicht überzeugt worden, führt McKeown weiter an.

Selbst wenn diese Maßnahmen der Reduzierung der Analogie der Verschuldung um 20% dienen sollten, wird letztere im Verhältnis zu dem Basisszenarium ihres – wie von dem IWF im Mai angeführten – Anstiegs auf 250% bis 2060 außerordentlich untragfähig bleiben„, ruft die Volkswirtin in Erinnerung. Sie persönlich führt darauf zum Teil den Umstand zurück, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) immer noch nicht über seine Beteiligung an dem Programm entschieden hat.

Griechenland aufdiktierte Überschüsse sind unerreichbar

Was die Zielvorgabe für den – von der Eurogruppe erneut bestätigten – Primärüberschuss von 3,5% betrifft, ruft die Capital Economics die Position des IWF in Erinnerung, dass diese Vorgabe unerreichbar sei. „Es ist fast sicher, dass der IWF Recht hat. Derartige Überschüsse sind ungewöhnlich und erscheinen mit dem lang anhaltenden schwachen wirtschaftlichen Klima in Griechenland als gegeben besonders unerreichbar„, lautet es in der Analyse.

Sollten die europäischen Gläubiger – wie ihre letzten Erklärungen zeigen – auf der Beibehaltung dieser Zielvorgabe bestehen, wird dann der IWF vertreten, dass zusätzliche langfristige Austeritäts-Maßnahmen aktiviert werden müssen, betont die Capital Economics.

Die griechische Regierung beharrt darauf, dies sei nicht akzeptabel, Sie strengt sich sogar an, bereits vereinbarte Reformen umzusetzen, um die verzögerte zweite Bewertung des Programms zum Abschluss zu bringen – was eine notwendige, jedoch nicht ausreichende Voraussetzung ist, damit die EZB griechische Anleihen aufzukaufen beginnt.

Grexit und Staatsbankrott sind eine Frage der Zeit

All dies bedeutet, dass noch ein weiter Weg zu bewältigen ist, damit die Unterstützung des IWF sichergestellt wird, die wiederum nötig ist, damit der weitere Beitrag Deutschlands zu dem griechischen Programm gewährleistet wird, folgert die Volkswirtin.

Und nachdem die Schuldenschnitte ausgeschlossen worden sind, bleiben wir bei unserer Ansicht, dass Griechenland früher oder später aus der Eurozone ausscheiden und den Staatsbankrott erklären wird„, endet die Capital Economics.

(Quelle: Imerisia)

  1. windjob
    10. Dezember 2016, 08:08 | #1

    Was soll man da sagen. Dies wird nun seit Jahren herbeigeredet wobei ich langsam zu der Einstellung komme der Grexit wäre, angesichts der heutigen Situation, für Griechenland doch die bessere Lösung gewesen und Varoufakis hätte dies gewupt.
    Kein Mensch weiss wie es mit dem Euro weitergeht. Für mich war es die schlechteste Entscheidung und hätte man in Deutschland ein Referendum abgehalten, ich bin sicher wir hätten immer noch die Mark. Die EU ist kurz vor der Mauer gegen die sie gefahren wird. Hauptdarsteller sind Merkel, Schäuble und Co. Aber anscheinend begreifen sie es trotz der schlechten Wahl- und Umfrageergebnisse nicht.

  2. Kleoni
    10. Dezember 2016, 08:55 | #2

    wenn das Volk bis auf den letzten Cent verblutet ist, dann überlässt man es dem eigenen Schicksal. Das Unwort des Jahres ist für mich auf Europa bezogen: Entsolidarisierung.

  3. fishman
    10. Dezember 2016, 11:28 | #3

    Erschreckend ist zu sehen, daß die politischen Akteure wider besseres Wissen, sich einer realistischen Lösung widersetzen und die wahren Gründe für ihre Haltung verschweigen. Die Völker, die Zahler und Bürgen werden nicht aufgeklärt was vor sich geht. Und das in der heutigen Zeit, wo sich jeder, der in der Lage ist zu verstehen, die notwendigen Infos aus dem Netz besorgen kann. Das resultiert dann in den „überraschenden Wahlausgängen“. Diese True News und Infos werden dann von den Eliten umgedeutet in Fakes und Verschwörung und Populismus. Sie sollten lieber aus dem Netz verschwinden bevor diese die „Bevölkerungen“ und die „Demokratie“ unterwandern und beiflussen können. Spannende Zeiten voraus!

  4. Heinrich Brüning
    10. Dezember 2016, 14:00 | #4

    Genau ein solches Ereignis muss unbedingt vermieden werden. Würden die Griechen pleite gehen und aufs dem Euro ausscheiden würde das für Schuldner wie Gläubiger verheerende Wirkung haben. Die Griechen als Schuldner würden mit einer neuen Drachme weder Öl noch Arzneimittel oder sonst etwas aus dem Ausland importieren können, die Menschen würden verhungern und die Inflation in ungeahnte Höhen schiessen. Es würde eine massive Verarmung und Verelendung der Griechen eintreten. Zum zweiten können die Gläubiger auf die Schulden nicht verzichten, weil sonst die Banken der Gläubiger pleite gehen. Es wird mit den etablieren Parteien wie Pasok oder ND wie gehabt so weitergehen. Alternativen gibt es keine. Weder für die Griechen noch für die Europäer. Es ist ein klares Schuldner / Gläubiger-Verhältnis. Nicht mehr und auch nicht weniger.

  5. GR-Block
    10. Dezember 2016, 14:35 | #5

    Nach dem Ökonomen Yanis Varoufakis hat GR schon mit dem ersten Memorandum 2010 seinen Staatsbankrott offiziell erklärt. Die EU hatte damals die Chance ergriffen und Herrn Papandreou eingeredet, er brauche den Staatsbankrott nicht zuzugeben, wenn er den EU-Partnern hilft, faule Kredite in ihren Ländern nach GR zu transferieren, um sie später abzuschreiben. Allerdings wusste Papandreou nicht, welches Ausmaß an Veruntreuung die Kollegen vorbereiteten.
    Jetzt, nachdem die Transaktionen fast vollständig durchgekommen sind, ohne dass die 500 Mio rebellierten, steht GR wieder da, wo es schon 2010 stand. Nur gibt es heute wenig Hoffnung, noch weitere Geldmengen zu veruntreuen. Deshalb gibt es keinen Grund mehr, GR vom GREXIT abzuhalten.
    Damals, als die Griechen offen über einen Austritt nachdachten, deshalb die Athener EU in einen Panikzustand geriet und unkontrolliert das eigene Volk besudelte, um von den massiven Fehlern der EU abzulenken, damals standen 28 Regierungschefs auf, fletschten die Zähne und drohten: „Wehe ihr verlasst die EU! Wir würden euch zermalmen.“
    Jetzt, nachdem UK seinen Hut genommen hat, sind die bissigen Hunde zahnlos geworden. Jetzt hat GR mehr politischen Freiraum, deshalb hätte man es wie UK lieber draußen. Und prinzipiell ist es egal, ob drinnen oder draußen. Die schwere Zeit ist vorbei, eine Generation wurde verheizt. Jetzt wird es (ganz) langsam wieder aufwärts gehen, für zukünftige Generation.

    Allerdings, es gibt einen guten Grund in der EU zu bleiben. Es geht darum, die Verursacher der Katastrophe zur Rechenschaft zu ziehen, sie aus den Ämtern zu mobben. Tsipras kann jetzt mit viel mehr politischem Gewicht die EU an GRs Ansprüche anpassen und würde dabei andere Länder hinter sich sammeln können, die ähnliche Ansprüche haben. Die Europäer wollen keine „Union“ mit Frau Merkel als Vorsitzende. Sie wollen ihre Kulturen, ihre Lebensweisen, ihre Art von Wohlstand pflegen dürfen. Das Ideal „deutscher Untertan“ gilt nur für durch und durch industrialisierte Gesellschaften, ist aber für freie Gesellschaften keine Alternative. Wir wollen wieder eine „Europäische Wirtschaftsgemeinschaft“ werden! Dagegen ist das Konzept eines einzigen Marktes vorerst gescheitert. Aber egal ob getrennte Märkte oder ein einziger Markt. Europa bleibt nur dann ohne Kriege stabil, wenn es den Wohlstand aus dem internen Wettbewerb heraus nimmt und geografisch gleichverteilt. Das heißt in der Konsequenz:
    Allein D und UK müssen zusammen etwa 7 Mio Arbeitsplätze an die Nachbarländer abgeben, ganz unabhängig von ihrer Mitgliedschaft. Sie waren die Profiteure des sog. „Single European Market“ und müssen folglich in Zukunft weniger profitieren.
    Solange die größten Schmiergeldquellen Europas ihre Korruption aus D und UK ungehindert exportieren, um den Wettbewerb zu torpedieren, wird sich nicht viel ändern. Das aber lässt sich nur innerhalb der EU abschaffen.
    EINE Alternative für die EU gibt es allerdings doch. Vorreiter ist UK …

  6. Hansi
    10. Dezember 2016, 18:28 | #6

    Vor etwa 15 Jahren war Griechenland noch nicht im Euro, sondern hatte eine ziemlich weiche Währung. Trotzdem konnten die Griechen damals ihre Öl- / Gasrechnung bezahlen und ausländische Medikamente importieren.
    Die massive Verarmung gibt es doch schon, auch ohne Grexit, vielleicht nicht auf dem flachen Land und in den Touristenzentren, aber wer kein einnahmeenträchtiges Geschäftsmodell hat, der ist jetzt schon bitterarm in Griechenland.

  7. Thomas
    13. Dezember 2016, 15:55 | #7

    Wenn Griechenland pleite geht, dann sind naturgemäß auch die Staatsanleihen nichts mehr wert. UND dann sind die Derivate, die auf diesen Staatsanleihen beruhen, die Staatsanleihen dienen da quasi als Sicherheit, auch nichts mehr wert und genau DAS ist das wovor die Finanzwelt sich fürchtet. Eine eigene Währung ist da halt kontraproduktiv, da sie, wie z.B. Island es gezeigt hat, sich vom Joch der Finanzmafia abschüttelt!

  8. windjob
    13. Dezember 2016, 19:50 | #8

    … und Herr Schäuble schaut ins Ofenrohr und kann seine schwarze Null streichen.

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