Neue Abzocke für Vermieter von Immobilien in Griechenland

9. Dezember 2016 / Aufrufe: 1.211

Das Jahr 2017 beschert Vermietern von Immobilien in Griechenland eine rückwirkende Erhöhungen der Besteuerung ihrer Mieteinnahmen um bis zu über 36 Prozent.

In Griechenland werden 2017 über 2 Millionen Steuerpflichtige aufgefordert sein, um bis zu 36,2% höhere Steuern auf die Einkommen zu entrichten, die sie im Vorjahr (konkret ab dem 01 Januar 2016) aus Mieteinnahmen beziehungsweise allgemein aus Immobilien erwarben.

Grund für diese Entwicklung wird die Anwendung der neuen Steuerskala für Einkommen aus Immobilien sein, in der die Steuersätze von bisher 11% – 33% auf Niveaus von 15% – 44% erhöht worden sind.

Erhöhung der Besteuerung von Mieteinnahmen in Griechenland

Gemäß spezieller dem für die Einkommen des Steuerjahrs 2016 in Kraft gesetzten Paragraphen 7 des Artikels 112 des Gesetzes 4387/2016 steigen rückwirkend für das gesamte Jahr 2016 die Steuersätze für Mieteinnahmen und sonstige Einkommen aus Immobilien:

  • für den Jahreseinkommensteil ab 1 bis 12.000 Euro von 11% auf 15%,
  • für den Jahreseinkommensteil ab 12.001 bis 35.000 Euro von 33% auf 35%,
  • für den Jahreseinkommensteil ab 35.001 Euro und mehr von 33% auf 45%.

„Lifting“ auch bei der Solidaritätsabgabe in Griechenland

Zusätzlich werden gemäß Paragraph 8 des Artikels 112 des Gesetzes 4387/2016 die auf Jahresbasis 12.000 Euro übersteigenden Einkommen des Steuerjahres 2016 (ebenfalls rückwirkend für das gesamte Jahr) und der folgenden Steuerjahre mit einer neuen Skala der Sonder-Solidaritätsabgabe belastet werden, in der ab 2,2% bis 10% gestaffelte Sätze zur Anwendung kommen.

Mit der bis einschließlich für die Einkommen des Jahres 2015 geltenden Skala wurde die Solidaritätsabgabe auf die Summe des persönlichen – realen oder fiktiv festgestellten – persönlichen (Jahres-) Einkommens aus allen Quellen erhoben, sofern dieses insgesamt 12.000 Euro überstieg, und zwar mit einem ab 0,7% bis 6% gestaffelten Satz.

Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass in Griechenland Mieteinnahmen und sonstige Einkommen aus Immobilien unabhängig von der Höhe des gesamten (Jahres-) Einkommens grundsätzlich „eigenständig“ ab dem ersten Euro (also ohne jeglichen Freibetrag) besteuert werden und auch keine steuerliche (Gesamt-) Veranlagung nach dem sogenannten „Günstigkeitsprinzip“ möglich ist. Andererseits werden wie immer geartete (also sogar auch fiktiv festgestellte) Einkommen aus Immobilien immer dann dem Gesamteinkommen hinzugerechnet, wenn daraus höhere Abgaben und Steuern oder / und allgemein ungünstigere Bemessungsgrenzen resultieren.

(Quellen: dikaiologitika.gr, Medienberichte)

  1. White Tower
    9. Dezember 2016, 05:56 | #1

    Dieses Steuersystem ist eine Zumutung für jeden griechischen Steuerzahler … (“es ist eine Krankheit“) … Vermutlich wird man wie bereits neuerdings üblich viele Immobilien um 100€ monatlich (Vertrag) mieten und einen Differenzbetrag einfach bar übergeben … denn dagegen ist das Finanzamt (noch) machtlos

  2. Günter
    9. Dezember 2016, 09:13 | #2

    Wie ist es möglich Gesetze zu erlassen, die eine zurückliegende Wirkung haben? Wie soll man da vernünftig kalkulieren? Wie soll da ein Vertrauen in die Rechtssicherheit entstehen, die in Griechenland eh nicht gegeben scheint. Ich hoffe es findet sich Kläger gegen diese Machenschaften. Ich werde es leider nicht. Mir fehlt es an Kraft und dem Glauben an ein gerechtes Rechtssystem bei einer Klage gegen den griechischen Staat.

  3. Antonios Vassiliadis
    9. Dezember 2016, 16:50 | #3

    Neu erlassene Gesetze mit rückwirkender Wirkung sind laut griechischer Verfassung eigentlich illegal und wurden – wenn ich mich nicht irre – bisher auch stets von dem Obersten Gerichtshof Griechenlands, sprich dem „Areopag“, wieder kassiert.
    Falls aber die Geldgeber den „Kaugummi-Effekt“ angewendet und geltendes Recht bis zur Illegalität vergewaltigt haben (siehe Beschaffung der Daten-CDs der deutschen Regierungen unter den Herren Steinbrück und Schäuble), wundert es mich nicht, warum mehr und mehr Europäer die Schnauze voll haben und das Konstrukt Europa in Frage stellen. Aber dazu gehören immer zwei: der Eine, der (zum) Betrug anstiftet, und der Andere, der sich darauf einlässt … . Es wird Zeit, dass Griechenland endlich mal Zähne zeigt.

  4. Thomas iffert
    9. Dezember 2016, 19:54 | #4

    Folgende zahlen sollen mal das steuersytem in griechenland verdeutlichen (selstständiger, verheiratet, mit einem minderjährigen kind:

    – 2012: steuerrückerstattung von 2.000 euro
    – 2013: steuernachzahlung von 2.000 euro
    – 2014: steuernachzalung von 4.000 euro
    – 2015: steuernachzahlung von 9.000 euro
    – 2016: steuernachzahlung von 12.000 euro
    – 2017: steuernachzahlung von 15.000 euro (geschätzt vom steuerberater) und gleichzeitig
    erhöhung der (pflicht-!) beiträge zur sozialversicherung für das jahr 2017 von 4.000 auf 15000 euro.

    Das bedeutet für das jahr 2017 eine belastung von 30.000 euro, bei einem zu versteuernden Einkommen von ca. 40.000 euro.
    Herr tsipras – das tut weh! Unsere existens ist somit akut bedroht!

  5. GR-Block
    9. Dezember 2016, 21:16 | #5

    Tja, solche lustigen Jojo-Effekte hatte schon Samaras eingesetzt, um sein sagenhaftes „+“ zu erzeugen. Er hat kurzfristig Steuergesetze erlassen, die seine Selbstbedienung erlaubten. Wenn der Areopag dann alles zurücksetzte, schuldete das Finanzamt den Steuerzahlern Geld, das aber nicht automatisch mit der nächsten Steuererklärung verrechnet wurde. So warten immer noch viele Kleinunternehmer.
    Herr Tsipras muss jetzt das gleiche Prinzip nutzen, sonst wird – wie schon bei Samaras – Herr Schäuble versuchen, das nächste Paket durchzukriegen. GR fungiert seit 6 Jahren als Geldwaschanlage. Und egal was es wählt, die EU unterstützt das Kapital und setzt sich damit über das Recht hinweg. Kein Wunder, dass das Hass auf die Besatzer erzeugt. Genau wie vor 70 Jahren.
    Die deutsch-französische Mafia ist dabei, die EU zu zerstören, und alle schauen zu.

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