90 Prozent der Arbeitslosen in Griechenland ohne Hilfe

20. Dezember 2016 / Aufrufe: 1.824

9 von 10 Arbeitslosen in Griechenland leben am Rand der Gesellschaft, da sie weder Arbeitslosengeld noch sonst eine Beihilfe erhalten.

Die neuen Daten der Nationalen Statistikbehörde (ELSTAT) und des Instituts für Arbeit (INE) der GSEE über die Arbeitslosigkeit in Griechenland sind schockierend: Die Langzeitarbeitslosen, also alle, die 12 Monate oder länger nach Arbeit suchen, stellen 73,8% der Arbeitslosen dar.

Weiter erhalten nur 10% der Arbeitslosen Arbeitslosengeld von dem OAED, während die „erweiterte“ Leistung von 200 Euro im Monat gerade einmal 1,5% der Gesamtheit der Langzeitarbeitslosen erhalten.

Reale Arbeitslosigkeit in Griechenland wird auf über 30% veranschlagt

Wie die griechische Zeitung „Ta Nea“ berichtete, in der die erschütternden Angaben präsentiert wurden, befinden sich in Griechenland neun von zehn Arbeitslosen buchstäblich am Rand der Gesellschaft und erhalten von dem OAED (= das griechische Pendant zur deutschen Bundesagentur für Arbeit) absolut keinerlei Unterstützung, also weder Arbeitslosengeld noch in Form einer bezuschussten Beschäftigung.

Nur 10% der Arbeitslosen erhalten ein „reguläres“ Arbeitslosengeld von dem OAED, während die sogenannte erweiterte Beihilfe (sprich eine Beihilfe nach Auslaufen des gesetzlichen Anspruchs auf Arbeitslosengeld) in Höhe von 200 Euro im Monat gerade einmal 1,5% der Gesamtheit der Langzeitarbeitslosen erhalten.

In Einzelheiten:

  • In den letzten sechs Jahren hat die Arbeitslosigkeit ungefähr 300.000 hoch spezialisierte junge Leute ins Ausland geführt.
  • Jeder (Langzeit-) Arbeitslose ist länger als zweieinhalb Jahre arbeitslos.
  • In 350.000 Familien gibt es kein einziges berufstätiges Mitglied.
  • Die Arbeitslosenquote der Frauen (27,2%) ist erheblich höher als die der Männer.
  • Die höchste Arbeitslosenquote (46,9%) wird bei den jungen Leuten im Alter von 14 – 24 Jahren beobachtet.
  • In den Jahren der beiden Memoranden (2010 – 2014) wurde bei der Anzahl der registrierten Arbeitslosen ein Anstieg um 45% und bei der Anzahl der zum Erhalt von Arbeitslosengeld Berechtigten ein Rückgang um 47% verzeichnet.
  • Die reale Arbeitslosigkeit entzieht dem griechischen Sozialversicherungssystem jährlich mehr als 7 Mrd. Euro.

Gemäß den letzten Daten der Nationalen Statistikbehörde Griechenlands (ELSTAT) belief sich die saisonal korrigierte Arbeitslosenquote im September 2015 auf 23,1%, gegenüber 24,7% im September 2015 und der nach unten revidierten Quote von 23,3% im August 2016. Die Gesamtzahl der Beschäftigten im September 2016 wird auf 3.690.168 Personen veranschlagt. Im selben Monat beliefen sich die (registrierten) Arbeitslosen auf 1.111.490 Personen und die wirtschaftlich inaktive Bevölkerung auf 3.237.622 Personen.

Das INE-GSEE betont, die wie von der ELSTAT ermittelte offizielle Arbeitslosenquote unterschätze deren reale Größe, und unterstreicht, für eine realistischere Tangierung der wirklichen Größe der Arbeitslosigkeit seien zu den Arbeitslosen auch alle hinzuzuzählen, die Arbeit suchen, während der Periode der Untersuchung jedoch nicht verfügbar sind, sowie auch alle, die verfügbar sind, aber nicht nach Arbeit suchen, und ebenfalls die Arbeitnehmer, die unterbeschäftigt sind. Unter diesem Rahmen vertritt das INE-GSEE, dass die Quote der realen Arbeitslosigkeit sich im zweiten Quartal 2016 auf 30,8% belief und damit marginal niedriger als im entsprechenden Quartal des Jahrs 2015 lag, in dem sie 31,7% betrug.

(Quelle: Imerisia)

  1. stromerhannes
    22. Dezember 2016, 13:28 | #1

    Ein Trauerspiel! Wären die Griechenlandhilfen der Bevölkerung und nicht den Banken zugeflossen, sähe es für die beklagenswerten Arbeitslosen dort ganz anders aus. Warum sagt die EU nichts dazu?
    Ironie an: Sollte dieser Zustand andauern, sich seiner Personalpapiere entledigen und als syrischer Flüchtling in Deutschland einfinden. Ironie aus.

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