2017 bringt in Griechenland neue Teuerungswelle

28. Dezember 2016 / Aufrufe: 3.224

Mit dem Jahreswechsel werden in Griechenland infolge einer Flut neuer Steuererhöhungen und Abgaben unter anderem Kraftstoffe, Zigaretten, Kaffee, Telefon erheblich teurer.

Das Jahr 2017 bringt in Griechenland eine neue Welle von Steuern und Preiserhöhungen bei Basisprodukten und Dienstleistungen und Millionen Griechen werden sich mit ernsthaften zusätzlichen Belastungen konfrontiert sehen, die ihr Leben noch schwerer machen.

Konkret kommen ab dem 01 Januar 2017 Maßnahmen zur Umsetzung, die sogar auch schon bereits im Mai vergangenen Jahres im Rahmen der Vereinbarungen mit der Troika verabschiedet worden sind. Eine „Atempause“ wurde nur den Bewohnern der besonders von dem Flüchtlingsproblem heimgesuchten griechischen Inseln gewährt, da die vorgesehene Erhöhung der Mehrwertsteuer für ein Jahr ausgesetzt wurde.

Steuerzahler in Griechenland sollen weitere 4,3 Mrd. Euro aufbringen

Konkret ist im Rahmen der ab Anfang 2017 in Griechenland einsetzenden neuen Steuerwelle unter anderem vorgesehen:

[1] Erneute Steuererhöhungen bei Treibstoffen: Ab dem 01 Januar 2017 wird die Sonderverbrauchssteuer auf Benzin um 3 Cent pro Liter von 0,67 auf 0,70 Euro je Liter und auf Diesel um 8 Cent pro Liter von 0,33 auf 0,41 Euro je Liter steigen. Die Sonderverbrauchsteuer auf Autogas wiederum steigt um 10 Cent pro Liter von 0,33 auf 0,43 Euro pro Liter.

[2] Erneute Steuererhöhungen bei Tabakprodukten / Zigaretten: Ab dem 01 Januar 2017 steigen die Sonderverbrauchssteuern auf Zigaretten und sonstige Tabakprodukte. Die den Feinschnitt-Tabak belastende Basis-Verbrauchsteuer wird von 156,70 auf 170 Euro pro Kilo steigen. Die Proportional-Steuer wird von 20% auf 26% des Einzelhandelspreises steigen.
(Anmerkung: Die Steuern und Abgaben speziell auf Zigaretten summieren sich fortan auf sage und schreibe 90% des Einzelhandelspreises!)

[3] Neue Erhöhungen / Steuer bei Kaffee: Sowohl auf importierten als auch im Inland produzierten / weiterverarbeiteten Kaffee wird eine neue Sonderverbrauchsteuer erhoben. Spezieller wird ab dem 01 Januar 2017 eine Sonderverbrauchsteuer auf den Import und die inländische Produktion von Kaffe mit Sätzen von 2 – 3 Euro pro Kilo auf gerösteten Kaffee und mit einem Satz von 4 Euro pro Kilo auf Instant-Kaffee und die Zubereitungen aus Kaffee-Konzentraten, -Destillaten oder -Konzentraten erhoben werden.

[4] Neue Steuer auf E-Zigaretten: Ab dem 01 Januar 2017 wird eine neue Sonderverbrauchsteuer auf die in sogenannten elektronischen Zigaretten verwendeten Flüssigkeiten erhoben. Die Höhe der Steuer wird 10 Cent pro ml Flüssigkeit betragen.

[5] Neue Sonderabgabe auf Festnetz-Telefonie: ab dem 01 Januar 2017 wird eine neue Steuerabgabe mit einem Satz von 5% auf jede monatliche oder zweimonatliche Rechnung über Festnetz-Telekommunikationsgebühren erhoben. Diese Abgabe wird auf die Netto-Telekommunikationsgebühren (vor MwSt.) jeder monatlichen oder zweimonatlichen Rechnung erhoben. Obendrein wird auf diese neue Angabe zusätzlich die MwSt. mit einem Satz von 24% erhoben werden.

[6] Erhöhungen der Mehrwertsteuer auf den Inseln: Mit dem Auslaufen des Jahres 2016 wird die bisher für einige griechische Inseln aufrecht erhaltene Ermäßigung von 30% der Mehrwertsteuer abgeschafft, unter Ausnahme der Inseln, die mit der jüngsten Bekanntmachung des Premierministers für 1 Jahr von dieser Maßnahme ausgenommen wurden. Konkret steigen ab dem 01 Januar 2017 die bisher ermäßigten MwSt.-Sätze ab dem 01 Januar 2017 um 30% auf den Inseln:

  • Amorgos
  • Anafi
  • Dilos
  • Donousa
  • Folegandros
  • Ios
  • Iraklia
  • Kimolos
  • Koufonisia
  • Kythnos
  • Serifos
  • Sikinos
  • Skopelos
  • Thirasia

Werden auch noch die ab 2017 auf breiter Basis geradezu explodierenden Pflichtbeiträge zur gesetzlichen (Zwangs-) Sozialversicherung hinzugerechnet, steigt laut der Europäischen Kommission die Gesamtbelastung der griechischen Steuerzahler von 71,4 Mrd. Euro im Jahr 2016 bis Ende 2018 auf 75,7 Mrd. Euro.

Entwicklung der jährlichen Steuerlast in Griechenland (in Mrd. €)
Steuerlast 2009 - 2018 in Griechenland

(Quelle: Imerisia)

  1. kokkinos vrachos
    1. Januar 2017, 15:44 | #1

    Griechenland ist zu einem Veruchs-Labor der Troika, die Europäische Zentralbank (EZB), der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Europäische Kommission geworden, eine dem europäischen Finanzzentrum genehme Austeritätspolitik an der Peripherie der EU langfristig festzuzurren. Es wird geschaut wie weit kann man durch eine Austeritätspolitik (Sozialabbau, Privatisierung, internationalen Regelwerken und Repression) eine Bevölkerung die unter rapider wachsender sozialer Unsicherheit leidet Gefügigmachen, das es gerade noch so zum Überleben reicht und die verarmte Bevölkerung nicht rebelliert. So ist Griechenland ein Labor für die Unterwerfung unter Regelwerken des Kapitals. Die Pläne liegen auch schon für andere EU-Länder in den Schubladen.
    Sicher ist hingegen, dass die Troika in der Syriza für jegliche Austeritätspolitik einen hervorragenden Partner gefunden hat.

Kommentare sind geschlossen