Griechenlands Studenten wollen keine Unternehmer werden

16. November 2016 / Aufrufe: 903

Die Studenten in Griechenland möchten in ihrer Mehrzahl direkt nach Abschluss ihres Studiums vorzugsweise in kleinen Unternehmen arbeiten und keine Unternehmer werden.

Ein ärmlicher Unternehmergeist beherrscht die Studenten der griechischen Universitäten, die mit der Vollendung ihrer ihre Studien hoffen, als Angestellte – vorzugsweise bei einem kleinen Unternehmen – Arbeit zu finden. Parallel geben immer mehr den „Traum“ von einer beruflichen Rehabilitierung auf dem öffentlichen Sektor auf.

Diese Fakten ergeben sich aus einer internationalen Untersuchung, die in 50 Ländern und an 1.000 Universitäten unter Teilnahme von 122.000 Studenten durchgeführt wurde.

Griechische Studenten wollen sich erst später selbständig machen

Die Untersuchung, die Griechenland unterhalb der halben Quote des internationalen Durchschnittswerts unternehmerischer Absicht platziert, wird am 19 November 2016 während der Dauer der Tagung „Die Kultur des Unternehmertums in der Bildung“ präsentiert werden, den der Workshop der Abteilung für balkanische, slawische und östliche Studiengänge der Universität Makedoniens veranstaltet.

Für Griechenland erfolgte die Untersuchung an einem Muster pre- und postgradualer Studenten an 11 Universitäten. Auf Basis der Befunde der Untersuchung und ihrem Vergleich mit den Resultaten des internationalen Berichts, der die Ergebnisse aus 50 Ländern zusammenträgt, stellen die Koordinatorin für Griechenland, Prof. Katerina Sarri, und die promovierte Forscherin Dr. Stavroula Laspita fest:

  • Griechenland liegt unter der Hälfte des internationalen Mittelwerts unternehmerischer Absichten direkt nach dem Studium (Griechenland 4% – internationaler Durchschnitt: 8,8%). Jedoch befindet es sich auf den selben Niveaus mit den übrigen Ländern des europäischen Südens (Portugal, Spanien, Italien).
  • Die Studenten wünschen in ihrer Mehrheit direkt nach dem Abschluss ihres Studiums als Angestellte in – vorzugsweise in dieser Reihenfolge – kleinen, mittleren und großen Unternehmen zu arbeiten. Ihre Absicht, Unternehmer zu werden, herrscht dagegen als Option fünf Jahre nach Abschluss ihres Studiums vor. Die Absicht der Studenten, auf dem öffentlichen Sektor beruflich habilitiert zu werden, ist im Vergleich zur Vergangenheit erheblich zurück gegangen.
  • Der Beitrag der Universität wird als signifikant positiv bewertet. 41,1% der Studenten erachten, die Universität inspiriere sie, neue unternehmerische Ideen zu entwickeln, 36% der Studenten schätzen ein, an ihrer Universität existiere ein günstiges Klima, damit jemand Unternehmer wird, und 55,1% der Studenten glauben, die an der Universität in Themen des Unternehmertums erhaltenen Kenntnisse stärkten ihre Fähigkeit, unternehmerische Gelegenheiten zu finden.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

  1. White Tower
    16. November 2016, 07:48 | #1

    Es handelt sich absolut nicht um “ärmlichen Unternehmergeist“, sondern um pure Vernunft.
    … unter den Rahmenbedingungen die in Griechenland seit Jahren herrschen und welche sich zurzeit noch verschlechtern kann man “jedermann“ von der Gründung eines Unternehmen in Griechenland im Augenblick abzuraten. Niemand möchte / sollte arbeiteten um sich zu verschulden und zu verarmen und genau das passiert beim Grossteil der ohnehin geringen Unternehmensgründer Griechenlands im Moment.

  2. GR-Block
    16. November 2016, 17:42 | #2

    Offensichtlich spielt in einer globalisierten Welt der Unterschied zwischen Äpfeln und Birnen nur noch eine marginale Rolle. Noch immer hält GR in Sachen Selbständigkeit den Europarekord. Jeder dritte Beschäftigte ist selbständig oder Unternehmer. Akademische Berufe wie Mediziner, Anwälte, Steuerberater, Architekten … werden nach wie vor so schnell wie möglich selbständig. Anders ist es sicherlich bei den investitionsintensiven Unternehmen. Naturwissenschaftler und Ingenieure brauchen Kredite, um innovative Start-ups zu gründen. Da die Kredite aber (nicht nur) seit sechs Jahren lediglich in westeuropäische Großunternehmen fließen, macht es Sinn, hier abzuwarten. Überhaupt fördert die EU (und dazu gehört v.a. Athen) keine Hightech-Gründer in Griechenland. Es war für Gründer schon früher einfacher, sich in Nischenmärkte zu etablieren (z. B. durch KMUs im Tourismus), wo sie alteingesessenen EU-Konzernen keine Konkurrenz sind. Insofern gehört GR natürlich in die Gruppe der südeuropäischen „Schweinestaaten“, denn alle diese Staaten dürfen keine Konkurrenzen aufbauen. Kredite gibt es nur, wenn man mit einem alteingesessenen westeuropäischen „Investor“ kooperiert. Und ohne Kredite wollen die jungen Akademiker selbstverständlich bevorzugt angestellt werden, und zwar bei den Kollaborateuren.
    Dass man sich nicht beim Staat bewerben möchte, liegt natürlich daran, dass die Wahrscheinlichkeit, sich dort eine Karriere aufzubauen, zurzeit gegen Null geht. Der griechische Staat schrumpft und bietet größtenteils nur befristete Arbeitsverträge. Wer aber daraus schließt, die Griechen wollten sich nicht an Universitäten, Schulen, Krankenhäusern oder Staatsunternehmen beruflich etablieren („habilitieren“ ist das falsche Wort), muss ein Idiot oder Populist sein. GR unterhält laut der OECD immer noch den kleinsten Staat (öffentliche Verwaltungsangestellte pro Kopf der Bevölkerung) aller EU-Länder. Sobald das Land umstrukturiert und modernisiert ist, wird es seinen Staat auf EU-Standard verdoppeln und wieder feste Stellen anbieten. Dann wird auch der Run auf diese Stellen wieder offenkundig werden.

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