Griechenlands Bürger bezahlen Steuern mit Matratzengeld

27. November 2016 / Aufrufe: 2.552

Die privaten Haushalte in Griechenland greifen offensichtlich ihre letzten Barreserven an um ihren steuerlichen Verpflichtungen nachkommen zu können.

Der größte Teil der direkten Steuern, welche in Griechenland die Steuerpflichtigen in den letzten Monaten des Jahres 2016 entweder zur Einkommensteuer oder Immobiliensteuer (ENFIA) entrichteten, wurde mit Abhebungen … aus der Matratze bezahlt.

Dieser Betrag wird auf etwa 5 Mrd. Euro veranschlagt und ist die Summe, um die das wie von der Griechischen Bank verzeichnete auf dem Markt in Umlauf befindliche Geld abnahm.

Matratzengeld fließt nicht in die Wirtschaft, sondern an den Fiskus

Gemäß den einschlägigen Angaben sank die in Griechenland in Umlauf befindliche und nicht auf Bankkonten deponierte Geldmenge gegen Ende Oktober 2016 auf 14,5 Mrd. Euro, gegenüber 20,9 Mrd. Euro im Oktober 2015. Es handelt sich um das Geld, das sich in Schließfächern und unter Matratzen befindet und zusammen mit dem, was die Griechen „in ihrer Tasche“ haben, auf Basis der Verteilung an Banknoten der EZB bei 43,8 Mrd. Euro angelangt.

Der Rückgang der unter Matratzen und in Schließfächern befindlichen Geldmenge um ungefähr 5 Mrd. Euro in den letzten Monaten floss in die Bezahlung der Steuern. Dabei geht es um die Steuern, die nach der Bereinigung der diesjährigen (Einkommen-) Steuererklärungen und der Verrechnung mit den bereits einbehalten Steuern entrichtet wurden. Der laut den Angaben des Finanzministeriums nach der Bereinigung der Steuererklärungen für die natürlichen Personen eingenommene Betrag erreichte 3,7 Mrd. Euro, und wenn auch noch weitere 2,6 Mrd. Euro für die auf die natürlichen Personen entfallende ENFIA hinzugerechnet werden, erreichen die Nettoeinnahmen des Fiskus bis einschließlich Januar 2017 etwa 6,3 Mrd. Euro.

Zu letzteren sei angemerkt, dass von den 2016 auf rund 20 Mrd. Euro veranschlagten Einnahmen aus direkten Steuern ungefähr 70% an der Quelle einbehalten und gerade einmal 30% mit der Abrechnung der Steuererklärungen entrichtet werden.

Steuern verschlingen letzte Liquiditätsreserven der Haushalte

Der in Schließfächern und unter Matratzen befindliche Betrag gestaltete sich Ende Oktober 2016 auf 14,5 Mrd. Euro und ist innerhalb eines Jahres – also seit Oktober 2015 – um 6,5 Mrd. Euro zurückgegangen, nachdem er zuvor den höchsten Stand der letzten Jahre erreicht hatte. Konkret war die außerhalb des Banksystems befindliche Geldmenge 2012, also im Jahr der großen Ungewissheit und der wiederholten Wahlen, auf 22,3 Mrd. Euro hochgeschnellt. Nachdem die Ungewissheit langsam nachzulassen begann, ging dieser Betrag schrittweise zurück und beschränkte sich im November 2014 auf 4 Mrd. Euro.

Nach der Ausrufung der vorgezogenen Neuwahlen für Januar 2015 und in den darauf folgenden Monaten schnellte dieser Betrag auf ein neues Rekordniveau hoch und erreichte im Juni 2015 etwa 22,8 Mrd. Euro. Der Grund war, dass die in jener Periode massenhaft von den Bankkonten abgezogenen Gelder zu Hause und in Schließfächern in Sicherheit gebracht wurden. Mit der Verhängung der Kapitalverkehrskontrollen im Sommer 2015 stabilisierte dieser Betrag sich, da wegen der Beschränkungen die Abflüsse von den Banken aufhörten, ohne dass jedoch dieses Gelder wieder auf die Bankkonten zurückkehrten. Ab Juni 2016, also mit der Bereinigung der diesjährigen Steuererklärungen, begannen sie jeden Monat um 1 Mrd. Euro abzunehmen. Nachdem die auf den Bankkonten verbleibenden Guthaben in den letzten Monaten auf stabilen Niveaus stagnierten, ist mittlerweise offensichtlich, dass die griechischen Haushalte Gelder aus den letzten ihnen verbliebenen Liquiditätsreserven ziehen, die sie in ihren Häusern und den Schließfächern der Banken aufbewahren.

Die jüngste Lockerung der Kapitalkontrollen, die ab Sommer 2016 für die „frisch“ zu den Banken fließenden Gelder mit der Möglichkeit zur Abhebung von 100% des aus dem Ausland kommenden und zu 30% des aus Matratzen und Schließfächern stammenden Betrags erfolgte, half nicht zum Anstieg der von den Griechen bei den Banken geführten Guthaben bei. Grund ist nicht nur der Umstand, dass die Ungewissheit weiterhin über dem Land schwebt. Hauptsächlich liegt es daran, dass die größtenteils über Schließfächer als „neues“ Geld auf die Konten kommenden Beträge fast gleichzeitig wieder abgezogen wurden, damit die Verpflichtungen an Steuern gedeckt werden. Den Angaben über die Spareinlagen der privaten Haushalte bei den Banken zufolge lag somit der Anstieg bei den Einlagen nicht über 500 Mio. Euro und die Guthaben bleiben stabil auf dem historischen Tiefpunkt von 102,2 Mrd. Euro.

(Quelle: forologikanea.gr, basierend auf einem Artikel der Kathimerini)

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