Korrigierte Fiskaldaten bescheren Griechenland neuen Schock

24. Oktober 2016 / Aktualisiert: 09. Oktober 2017 / Aufrufe: 1.885

Die rückwirkende Revision der fiskalischen Daten Griechenlands für 2015 schlug ein neues Loch in Höhe von fast einer halben Milliarde Euro in den Haushalt!

Die Statistikbehörde Griechenlands (ELSTAT) schritt zu einer schlechter ausfallenden Revision der fiskalischen Daten für das Jahr 2015, wobei der Primärüberschuss des Jahres 2015 letztendlich um 0,5% des BIP geringer ausfällt als im April 2016 im Rahmen der Bekanntgabe der Daten für die Periode 2012 – 2015 vorgesehen war.

Gemäß der zweiten Bekanntgabe der fiskalischen Daten seitens der ELSTAT an das Statistische Amt der Europäischen Union (Eurostat) im Rahmen des Verfahrens bezüglich eines übermäßigen Defizits erreichte Ende 2015 das Defizit der griechischen Zentralregierung 13,2 Mrd. Euro bzw. 7,5% des BIP. Parallel belief sich die öffentliche Verschuldung auf 311,7 Mrd. Euro bzw. 177,4% des BIP.

Neues „Haushaltsloch“ von fast einer halben Milliarde Euro

Das sich für das vergangene Jahr (2015) ergebende „Loch“ wird somit auf rund 480 Mio. Euro veranschlagt und auch den Primärüberschuss nach unten mitreißen, der für 2015 von zuständigen Funktionären mittlerweile auf 0,2% des BIP anstatt ursprünglich 0,7% des BIP angesetzt wird.

Wie seitens der ELSTAT betont wird, bezieht das konkrete Defizit sich nicht auf die Primärbilanz, die Griechenland den sogenannten Institutionen (sprich Gläubigern des Landes) auf Basis des Programms fiskalischer Angleichung präsentieren wird, da in der zweiten einer Reihe von Ausgaben und Einnahmen auf unterschiedliche Weise begegnet wird (Einnahmen aus Privatisierungen, Transaktionen für die Rekapitalisierung der Banken und Einnahmen aus den Rückzahlungen von Gewinnen aus den griechischen Anleihen, welche die nationalen Zentralbanken der Eurozone inne haben).

Griechenlands BIP sinkt kontinuierlich Jahr für Jahr

Gemäß den von Griechenland an das Statistische Amt der EU (Eurostat) übermittelten Daten stellt sich folgendes Bild dar:

  • Das Defizit der Zentralregierung Ende 2015 betrug 13,3 Mrd. Euro (7,5% des BIP), gegenüber 6,4 Mrd. Euro bzw. 3,6% des BIP Ende 2014. Bei der ersten Bekanntgabe der Daten (April 2016) war das Defizit auf 7,2% des BIP veranschlagt worden.
  • Die öffentliche Verschuldung belief sich Ende 2015 auf 311,7 Mrd. Euro bzw. 177,4% des BIP, gegenüber 319,7 Mrd. Euro (179,7% des BIP) im Jahr 2014. In der ersten Bekanntgabe der Daten war die öffentliche Verschuldung auf 176,9% des BIP eingeschätzt worden.
  • Für das BIP ergibt sich seit 2012, als es 191,2 Mrd. Euro betrug, ein kontinuierlicher Rückgang. 2013 fiel es auf 180,6 Mrd. Euro, 2014 auf 177,9 Mrd. Euro und 2015 auf 175,7 Mrd. Euro.
  • 2015 gab es eine negative Auswirkung auf die Bilanz der Zentralregierung um 7,17 Mrd. Euro aus der Unterstützung der Finanzinstitute.

(Ergänzend sei in Erinnerung gerufen, dass in dem Entwurf des Haushaltsplans 2017 erneute Steuererhöhungen, neue und zusätzliche Abgaben und sonstige Maßnahmen mit einem Volumen von insgesamt fast 5 Mrd. Euro vorgesehen sind!)

(Quelle: Imerisia)

  1. Kleoni
    24. Oktober 2016, 10:55 | #1

    Steuererhöhungen, Arbeitslosigkeit und Niedriglöhne können sich nur negativ auf das BIP auswirken. Anscheinend haben europäische und griechische Politiker alle in Mathematik bei solchen Rechenbeispielen gefehlt oder noch schlimmer, sie haben trotz Nachhilfe von Wirtschaftsexperten die Aufgaben nicht verstehen wollen.

  2. windjob
    25. Oktober 2016, 11:53 | #2

    Wenn ich ein Land auspresse wie eine Zitrone darf ich mich nicht wundern, dass das BIP sinkt. Und wie nun schon mehrfach erwähnt, die Krux an der ganzen Geschichte sind dies prozentualen Vergleiche. Wo waren den unsere Eurostrategen als in der Schule Mathematik unterrichtet wurde. Ausserdem weiss ich aus Erfahrung. Traue keiner Statistik, die du nicht selbst ausgetrickst (gefälscht) hast. Ich habe damit genung leidvolle Erfahrungen gemacht. Es reicht nicht einfach Prozentzahlen zu nennen. Man braucht auch die Basisdaten.

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