Kleindienstleister in Griechenland werfen das Handtuch

11. Oktober 2016 / Aufrufe: 2.758

Infolge der irrwitzigen Überbesteuerung sehen in Griechenland zahllose Kleindienstleister und sogenannte Selbständige keinen anderen Ausweg mehr als ihr Gewerbe abzumelden.

Bei den Finanzämtern in Griechenland wird in diesen Tagen ein Andrang ähnlich wie in den letzten Jahren jeweils zum Jahresende beobachtet, wenn sich zigtausende Fahrzeughalter sputen, ihre Fahrzeuge „abzumelden“.

Diesmal geht es jedoch um die sogenannten „Blokakides“ (Plural von „Blokakias“, siehe auch Die unsichtbaren Arbeitnehmer in Griechenland), also Jene, die – im Wesentlichen meistens nur mit einem (Dienstleistungs-) Quittungsblöckchen (= „μπλοκάκι / Blokaki“) ausgerüstet – als mehr oder weniger „selbständige“ (Klein-) Dienstleister tätig sind und die absurden finanziellen Belastungen einfach nicht mehr zu stemmen vermögen.

„Nebenverdienstler“ werden in Griechenland doppelt bestraft

Die ab Anfang 2017 geltende trübe „Landschaft“ rund um das System der (Sozial-) Versicherungsabgaben hat zu noch größerer Beunruhigung und zu noch längeren Schlangen bei den Registerstellen der Finanzämter geführt.

Laut capital.gr sind die Belastungen der „Blöckchen“, denen die „Blokakides“ mit der Abmeldung ihres (Klein-) Gewerbes entgehen:

  • Jährliche Gewerbeabgabe in Höhe von 650 Euro, die unabhängig davon erhoben wird, ob der Steuerpflichtige ein Einkommen aus seinem „Blöckchen“ hat oder nicht.
  • Erhebung von (Zwangs-) Beiträgen zur gesetzlichen Sozialversicherung mit einem Satz von ungefähr 27% auf das Nettoeinkommen, das der Beschäftigte mit seinem „Blöckchen“ hat. Selbst auch im Fall, wo das Einkommen des Steuerpflichtigen mit dem „Blöckchen“ praktisch Null beträgt, wird die Mindestabgabe in Höhe von monatlich 131 Euro erhoben.
    (Es ist anzumerken, dass sich für Steuerpflichtige, die (parallel) auch ein Einkommen aus abhängiger Beschäftigung hatten, eine signifikante Mehrbelastung ergibt. Rührt das Einkommen allerdings nur von einem „Blöckchen“ her, ergibt sich wegen geringerer Versicherungsbeiträge fallweise sogar eine gewisse Entlastung.)
  • Besteuerung des Einkommens mit einem Satz von 22% ab dem ersten Euro des Einkommens, während speziell für die Arbeitnehmer, die (parallel) auch ein „Blöckchen“ (sprich „Gewerbe“) angemeldet haben, abgesehen von den (zusätzlichen) Pflichtbeiträgen zur gesetzlichen Sozialversicherung die Einkommensteuer mit einem Satz von bis zu sogar 45% veranschlagt wird. Dies geschieht, weil fortan das Einkommen aus einem „Blöckchen“ für die Arbeitnehmer mit dem Einkommen aus einem abhängigen Arbeitsverhältnis zusammengerechnet und insgesamt mit der Steuerskala für Arbeitnehmer besteuert wird.

Belastung des Einkommens tangieren bis zu 80%!

Ein Arbeitnehmer mit einem Jahreseinkommen aus abhängiger Arbeit in Höhe von 20.000 Euro hat auch ein „Blöckchen“ (angemeldet), mit dem er ein Netto-Jahreseinkommen in Höhe von 10.000 Euro erzielt. Auf Basis der Besteuerungsskala des vergangenen Jahres und der Befreiung des Einkommens aus dem „Blöckchen“ von Sozialversicherungsabgaben entrichtete er Steuern, Solidaritätsabgabe und Gewerbeabgabe in Höhe von insgesamt 5.970 Euro.

Für das selbe Einkommen wird er in diesem aufgefordert sein, Einkommensteuer, Gewerbeabgabe, Solidaritätsabgabe und Versicherungsbreiträge für das Einkommen aus dem „Blöckchen“ in Höhe von insgesamt 9.521 Euro, also 3.661 Euro mehr abzuführen. Der größte Teil der Erhöhung beruht auf der Erhebung von Versicherungsbeiträgen in Höhe von 2.696 Euro auf das 10.000 Euro betragende Einkommen aus dem „Blöckchen“.

Werden auch noch die Steuern (Einkommensteuer, Gewerbeabgabe und gegebenenfalls zu entrichtende Steuervorauszahlung) hinzugerechnet, erreicht die Belastung des Einkommens durch die doppelten Versicherungsabgaben und die Steuern fallweise bis zu 80%. Wozu und mit welchen Folgen all dies führt, dürfte sich von selbst verstehen (siehe auch Aufblühen der „Kofferberufe“ in Griechenland).

(Quellen: Imerisia, capital.gr, dikaiologitika.gr, Medienberichte)

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