Griechenlands Mittelständler schaffen ihr Geld ins Ausland

29. Oktober 2016 / Aktualisiert: 09. Oktober 2017 / Aufrufe: 1.939

Zahlreiche mittelständische Unternehmen in Griechenland haben ihre Gelder mittlerweile zu Banken in Bulgarien und Rumänien transferiert.

In Bulgarien und Rumänien präsentierten 2015 die Bankguthaben einen signifikanten Anstieg um entsprechend 10% und 8%, und zwar in einem Moment, wo in Griechenland ein neuer „Absturz“ um 23% und damit der größte seit dem Ausbruch der Krise verzeichnet wurde.

Laut der griechischen Zeitung „Kathimerini“ eröffneten dutzende kleine und mittlere griechische Unternehmen Bankkonten in Bulgarien und Rumänien und transferierten ihre Gelder dorthin, um den Betrieb ihrer Unternehmen sicherstellen zu können.

Bankeinlagen in Rumänien und Bulgarien stiegen 2015 um 7 Mrd. Euro

Gemäß der besagten Reportage der „Kathimerini“ stiegen 2015 die Bankguthaben in Rumänien um 4,2 Mrd. Euro und in Bulgarien um 2,8 Mrd. Euro an.

Bankquellen und unternehmerischen Kreisen zufolge zogen hunderte mittelständische (einheimische) Unternehmen – hauptsächlich aus Nordgriechenland, aber auch anderen Regionen wie Thessalien – ihre Guthaben von griechischen Banken ab und eröffneten (neue) Bankkonten in den benachbarten Balkanstaaten.

Eröffnung von Konten in den Balkanstaaten ist ein simples Verfahren

Weiter lautet es: „Die Eröffnung von Konten sowohl in Bulgarien als auch in Rumänien ist ein außerordentlich einfaches Verfahren, da es sich um Mitgliedstaaten der EU handelt und speziell Bulgarien sogar auch (ohne weiteres) mit dem Auto erreichbar ist, während alle Banken Einlagen in Euro akzeptieren. Zusätzlich fanden die mittelständischen Unternehmer leicht die einschlägigen Instruktionen sowohl von Funktionären griechischer Banken, da die inländischen (griechischen) Banken über Tochtergesellschaften in beiden Ländern eine starke Präsenz aufrechterhalten, aber auch mittels spezialisierter Berater. Wegen der Beunruhigung über die Situation in Griechenland transferierten sogar auch Freiberufler und Privatleute Guthaben in benachbarte Balkanländer.

Verlagerung von Geldern zu ausländischen Banken

Es sei angemerkt, dass der Transfer von Geldern nach Rumänien – Bulgarien nicht zu den Tochtergesellschaften der griechischen Banken in diesen Ländern, sondern zu lokalen und ausländischen Banken erfolgte, da allgemein die Angst herrschte, dass ein ‚Unfall‘ in Griechenland Auswirkungen auch auf die dortigen Tochtergesellschaften der griechischen Banken haben würde„, führt die „Kathimerini an.

Nach acht Jahren einer beispiellosen Rezession ist die Schwächung der Position Griechenlands im Verhältnis zu Bulgarien und Rumänien dramatisch. In dem Zeitraum ab 2008 bis Juli 2016 sind die Einlagen bei den griechischen Banken auf fast die Hälfte (-46,1%) gesunken, während sie in dem selben Zeitraum in Bulgarien um 74,2% und in Rumänien um 50,5% gestärkt worden sind.

(Quelle: Imerisia)

  1. White Tower
    29. Oktober 2016, 07:59 | #1

    Kaum ein vernünftig denkender Privat- oder Geschäftsmann vertraut noch einer griechischen Bank.
    Griechische Banken “geniessen“ bereits den Ruf eine “Außenstelle des Finanzamtes“ zu sein, und das bei nahezu null Rechtssicherheit

  2. Oma Else
    29. Oktober 2016, 16:43 | #2

    Verständlich. Wer vertraut Banken, wenn man später an seine Einlagen nicht mehr herankommt, sondern nur ein paar Euro am Tag abgehoben werden können? Also gilt, Bargeld halten oder einer ausländischen Bank vertrauen. Griechenland hat nur dann eine Chance, wieder hoch zu kommen, wenn der Bürger Freiheiten hat und keine Gängelei.

  3. windjob
    29. Oktober 2016, 19:17 | #3

    Es ist ja nicht nur die Rechtsicherheit. Der Fiskus hat freien Zugriff auf die Bankkonten diese sind quasi gläsern. Da würde ich auch kein Geld liegen lassen. Letztendlich liegt die gesamte Schuld wieder mal beim Staat.

  4. LiFe
    29. Oktober 2016, 23:39 | #4

    Der Bankkunde ist völlig enttäuscht von seinem Geldinstitut. Darum wird er Kapital anderweitig parken müssen. Hat er einen Betrieb, umso mehr muss er bessere Bedingungen finden, denn zumindest möchte er mit seinem Geld ungestört Geschäfte tätigen können. Das ist er seinem Betrieb schuldig. Jahrelang haben Banken in Europa Gewinne eingefahren, aber keine Rücklagen gebildet. Es wurde mit Geldern gezockt ohne Rücksicht auf Kunden. Wie die Krise es bewiesen hatte wurden Banken gerettet und Unternehmer konnten Insolvenz melden? Auf welche Seite ist die Politik? Da müssen sich Unternehmer verraten fühlen. Die Sparer sowieso.

  5. malocher
    30. Oktober 2016, 08:31 | #5

    Die Griechen tun gut daran ihr Geld nicht nach Deutschland zu bringen. Deutschland wird in absehbarer das selbe Schicksal erleiden wie die Griechen und Zyprioten – nämlich Bankfeiertage und Enteignung des Sparers.

  6. GR-Block
    30. Oktober 2016, 22:57 | #6

    Die Möglichkeit des Staats, in die Konten zu sehen, ist schon vernünftig, um die Steuerhinterziehung in Schach zu halten. Das tut niemandem weh, außer …
    Allerdings birgt das die Gefahr, dass Reiche ihr Geld in Steuerparadiese bringen, z.B. nach DE (FCI=701,8). Die wichtigsten Steuerparadiese in Europa sind laut „Financial Secrecy Index“ CH, LUX, DE, UK, AU … . GR gehört traditionell zu den Ländern, wo das Verstecken von Geld auf Banken (leider) nicht kultiviert wurde (FCI 37,2 = Steuerhölle).
    Während deutsche Steuerhinterzieher also ihr Geld ins benachbarte Ausland tragen, bringen die Griechen ihr Geld meist nach DE. Die „moralische“ Hetze gegen die CH soll aber davon ablenken. FR und DE kaufen mit viel Schmiergeld CDs von Angestellten Sschweizerischer Banken. Das scheucht die Kunden der Schweizer auf, die sich neue Banken in der Nachbarschaft suchen müssen. Das bringt FR und DE gegenseitig Liquidität.
    Freilich könnte Wolfgang-ein-jeder-kehr-vor-seiner-Tür-Schäuble selbst Terabytes von Paradiesvögeln herausgeben. Das würde aber die Überlegenheit deutscher Fiskalpolitik diskreditieren. Also tritt man nach den „unmoralischen“ Schweizern.

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