Griechenlands Fiskus nimmt Bankguthaben ins Visier

17. Oktober 2016 / Aufrufe: 2.885

Das Finanzministerium in Griechenland tauft völlig legale Bankguthaben kurzerhand zu Schwarzgeldern um und fordert willkürliche Strafsteuern in Höhe von 50 minimal Prozent.

Das Finanzministerium in Griechenland schickt sich an, Benachrichtigungen an zigtausende (einer anderen Quelle zufolge sogar rund 250.000!) Steuerpflichtige zu verschicken, bei denen Abweichungen zwischen ihren deklarierten Einkommen und ihren Bankguthaben ausfindig gemacht wurden.

Diese Steuerpflichtigen wurden mit der ersten Recherche „erwischt“, die auf Basis des neuen elektronischen Systems zur Analyse und Recherche von Daten durchgeführt wurde. Dieses System enthüllt innerhalb weniger Stunden Steuerpflichtige mit Abweichungen zwischen deklarierten Einkommen und Guthaben, also einem ungerechtfertigten Vermögenszuwachs.

Griechenland erpresst Sparer mit drohender Enteignung

Das besagte System wertet automatisch alle verfügbaren Daten bezüglich sogenannter Primärguthaben des Steuerpflichtigen, aber auch Daten über jede Bewegung in Finanzprodukten wie Anleihen, Aktien, Fonds und anderen ähnlichen Vermögenswerten aus. Im weiteren Verlauf werden diese Daten mit den deklarierten Einkommen abgeglichen, und wenn sich eine Differenz ergibt, werden die Steuerpflichtigen in diesem Fall aufgefordert werden, die Beträge zu rechtfertigen, also gegebenenfalls nachzuweisen ob sie aus Einkommen herrühren, die bereits besteuert oder von der Besteuerung befreit worden sind.

Die Recherche bezieht sich auf Steuererklärungen und Guthaben ab 2000 bis 2012, und alle, die bei der Recherche „erwischt“ wurden, werden eine spezielle Benachrichtigung erhalten. Gemäß der Planung des Finanzministeriums sollen die Benachrichtigungen verschickt werden, sobald die Regelung bezüglich der freiwilligen Enthüllung nicht deklarierter Gelder verabschiedet sein wird. Die Versendung der Benachrichtigungen wird somit als Druckmittel fungieren, damit die Betroffenen sich der Regelung unterwerfen und warmes Geld in die staatlichen Kassen fließt.

Den Steuerpflichtigen, die Gelder in ihrem Besitz haben, die durch ihre Steuererklärungen nicht gerechtfertigt werden, wird die Regelung Informationen zufolge die Möglichkeit bieten, korrigierende Steuererklärungen für vergangene Jahre einzureichen und dabei zu zahlen:

  • Eine Steuer von 50% auf das zusätzlich (nachträglich) deklarierte Einkommen, sofern für den Steuerpflichtigen noch keine Steuerprüfung begonnen hat.
  • Eine Steuer von 55%, sofern die Steuerprüfung bereits begonnen hat, aber noch nicht vollendet worden ist.
  • Eine Steuer von 60%, wenn die Prüfung abgeschlossen worden ist.

Mit der Aufnahme unter die Regelung werden die Steuerpflichtigen ebenfalls von eventuellen strafrechtlichen Haftungen wegen Steuerhinterziehung entlastet.

Die Steuerpflichtigen werden einen Zeitraum von drei Monaten zur Verfügung haben, um den Steuerbehörden die „schwarzen“ Gelder zu enthüllen. Wer sich nicht der Regelung unterwirft und mit einem angeblich ungerechtfertigten Vermögenszuwachs ausfindig gemacht wird, riskiert einen völligen Verlust (sprich die Beschlagnahmung / Konfiszierung) der vermeintlichen „Schwarzgelder“ zu 100% nebst strafrechtlichen Verfolgungen.

Hochrisikozone – wie legale Einkommen zu Schwarzgeld werden

Viele Steuerpflichtige, die mit Differenzen bei ihren Einkommen zu den Bankguthaben ausfindig gemacht werden, werden jedoch die Steuerbehörden aufsuchen müssen um nachzuweisen, dass sie kein Einkommen verschwiegen haben oder es legal nicht deklarierten. Zu diesen zählen unter anderem:

  • Viele Steuerpflichtige, hauptsächlich Unternehmer. Obwohl sie substantiell keine Einkommen verschwiegen, werden sie aufgefordert werden, die Herkunft von Beträgen mit Belegen nachzuweisen, wie beispielsweise über den Verkauf von Aktien oder den Erhalt von Dividenden. Nur dass die Auffindung von Unterlegen nach 15 Jahren in vielen Fällen schwierig oder praktisch unmöglich ist.
  • Tausende Steuerpflichtige, wie beispielsweise Eigentümer von Bauunternehmen, Landwirte und Taxifahrer, deren Einkommen nicht auf Basis des Systems Einnahmen minus Ausgaben, sondern auf Basis fiktiver Veranlagungen und eines Quotienten besteuert wurden. Bei diesen war das in ihren Steuererklärungen erscheinende Einkommen das fiktiv festgestellte und nicht das reale. Und das geschah sogar völlig rechtmäßig. Das Resultat wird sein, dass die Vergleiche der Bewegungen ihrer Bankkonten mit ihren deklarierten Einkommen sie wegen „ungerechtfertigter Bereicherung“ als Steuerhinterzieher charakterisieren.
  • Alle, die Einnahmen aus dem Verkauf von Immobilie haben, die zu einem über dem im Vertrag angeführten Einheitswert angeführten Preis verkauft wurden, und welche Einnahmen inzwischen bereits als „unbekannter Herkunft“ ins Visier genommen werden. Die Beträge aus dem Verkauf von Immobilien wurden weder in der Vergangenheit, aber auch heute nicht als Einkommen charakterisiert, um besteuert zu werden. In der Praxis entging der Verkäufer einer Immobilie mit der Deklaration des unter dem wirklichen Preis liegenden Einheitswertes im Vertrag keinerlei Steuer. Dieser entging mittels der Transaktionssteuer der Käufer. Nun erscheint jedoch der Verkäufer als Steuerhinterzieher und wird aufgefordert, eine Steuer wegen ungerechtfertigter Erhöhung seines Vermögens zu zahlen.
  • Viele junge Paare, die eine Hauptwohnung erwarben, deren Kauf explizit von der Prüfung der Herkunft der Mittel ausgenommen war. Die Gelder wurden in vielen Fällen von den Eltern oder auch sonstigen Verwanden und nahestehenden Personen auf ihre Bankkonten eingezahlt und können nicht durch die Einkommen gerechtfertigt werden, die das Paar deklarierte.

(Quelle: Ethnos)

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