Griechenland streicht Witwenrenten

8. Oktober 2016 / Aktualisiert: 09. Oktober 2017 / Aufrufe: 3.958

Das neue Versicherungsgesetz in Griechenland führt zu rigorosen Kürzungen und in vielen Fällen sogar der völligen Streichung sogenannter Renten wegen Todes.

Um die von dem neuen Versicherungsgesetz („Lex Katrougkalos“) in Griechenland vorgesehenen Bestimmungen umzusetzen, bereitet das Arbeitsministerium einen Runderlass vor, der die sogenannten Witwenrenten praktisch „abschafft“.

Wie die griechische Zeitung „Eleftheros Typos“ berichtet, ergibt sich dies, da die Einschränkungen nicht nur altersbezogen sind, weil das Gesetz vorsieht, dass fortan eine lebenslange Witwenrente nur noch die überlebenden Ehepartner erhalten, die das 55 Lebensjahr vollendet haben, aber auch Beschränkungen bei dem Betrag der Rente gesetzt werden, der sich bis hin zu sogar nur 30 Euro im Monat für all jene reduzieren kann, die nach dem neuen Gesetz rentenbezugsberechtigt und zukünftig auch eine Witwenrente zugesprochen bekommen werden.

Neues Rentensystem in Griechenland führt zu noch mehr Altersarmut

Mit dem alten System, das in Griechenland für alle galt, die bis zum 12/05/2016 eine Rente wegen Todes bekamen, erhält der überlebende Ehepartner unabhängig von seinem Alter 70% der Rente des Verstorbenen und nach drei Jahren beschränkt der Betrag sich auf 50%, sofern der Überlebende selbst pensioniert wird oder arbeitet und sozialversichert ist.

Mit dem neuen System werden gemäß dem Schema des Runderlasses die Rentner oder Beschäftigten, die nach dem 13/05/2016, sprich dem Inkrafttreten der Lex Katrougkalos zum Erhalt einer Witwenrente berechtigt werden, folgende Bezüge erhalten:

– 50% der Rente des Verstorbenen für drei Jahre, und wenn sie nach Ablauf der drei Jahre unter 55 Jahre alt sind, wird die Rente für immer eingestellt. Beispielsweise wird ein(e) 46 Jahre alter Versicherte(r) oder auch Arbeitslose(r) bis zum Alter von 49 eine Witwenrente beziehen und danach gar nichts mehr.

– 50% der Rente, die der Verstorbene bezog oder bezogen haben würde, und wenn der Berechtigte (überlebende Ehepartner) innerhalb der drei Jahre der ersten Rentenzahlung sein 55 Lebensjahr vollendet, wird die Rente mit Verstreichen der drei Jahre ausgesetzt, im Alter von 67 Jahren jedoch wieder gewährt. Wenn jedoch der Überlebende mit 67 auch eine eigene Rente erhält, wird er dann 25% anstatt 50% der Witwenrente bekommen.

Beispielsweise wird ein Berechtigter mit einem Anspruch auf eine Rente wegen Todes nach dem 13/05/2016 bei einem Ausgangsbetrag von 600 Euro drei Jahre lang 300 Euro erhalten, und wenn er innerhalb der drei Jahre sein 55 Lebensjahr vollendet, wird die Rente nach Ablauf der drei Jahre ausgesetzt und ihm mit 67 wieder gewährt werden. Bezieht der Berechtigte mit 67 auch eine eigene Rente, werden dann aus den 300 Euro nur noch 150 Euro. Erhält er mit 67 keine eigene Rente, weil er nicht die erforderlichen Versicherungszeiten zusammenbringt, und bekommt die (Alters-) Beihilfe der OGA, also 360 Euro im Monat zuerkannt, läuft er allerdings in Gefahr, die 360 Euro der OGA zu verlieren, wenn er sich für die (wieder aktivierte) Witwenrente entscheidet !!! Und dies, weil in dem Regelwerk der OGA vorgesehen ist, dass der Betrag der Sozialrente oder -beihilfe ab dem Moment gestrichen wird, wo der Rentner auch eine zweite Rente aus jeglichem Anlass bezieht. In diesem Fall wird er in Gefahr laufen, die 360 Euro zu verlieren und mit 150 Euro zu verbleiben. (Anmerkung: Hier besteht offensichtlich ein logischer Widerspruch, der – sofern nicht auf einem Missverständnis beruhend – hoffentlich baldigst beseitigt werden wird.)

– 50% der Rente des Verstorbenen für vorerst drei Jahre, sofern der Berechtigte über 55 Jahre alt ist. Wenn er jedoch nach Ablauf der drei Jahre arbeitet oder eine eigene Rente bezieht, wird die (Witwen-) Rente auf 25% beschränkt. (Anderenfalls werden die anfänglichen 50% weitergezahlt, solange die entsprechenden Voraussetzungen bestehen.)

– Wenn beide Ehepartner nach Inkrafttreten der Lex Katrougkalos pensioniert werden und beispielsweise der eine 500 Euro und der andere 600 Euro beziehen, wird im Fall des Ablebens eines der beiden Eheleute die Witwenrente um 50% reduziert sein, jedoch nach vorherigem Abzug des Betrags der sogenannten nationalen Rente (sprich Grundrente) von 384 Euro, weil das Gesetz und der in Vorbereitung befindliche Runderlass vorsehen, dass bei Zusammentreffen von zwei (Grund-) Renten nur die eine gezahlt wird.

(Quelle: Imerisia)

  1. Athanasios Sakellariou
    20. Oktober 2016, 21:24 | #1

    Sehr interessanter Artikel. Habe bis heute (Antragstellung März 2011) immer noch keine Rente. Jetzt scheint ein wenig Bewegung reinzukommen. Habe einen Vertrauensmann in GR gebeten, für mich tätig zu werden, da ich in Deutschland bin und nicht mehr reisen kann. Ja, GR blutet die Rentner aus. Jeder sollte glücklich sein, wenn er sich mit diesem System nicht auseinandersetzen muss. Danke für diesen Bericht!

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