Griechenland: Löhne Bulgariens und Steuern Schwedens!

23. Oktober 2016 / Aufrufe: 1.342

Das einzige der Regierung Griechenlands vertraute Rezept ist, kontinuierlich die direkten und indirekten Steuern zu erhöhen.

Jüngst gestand in Griechenland der stellvertretende Finanzminister Giorgos Chouliarakis im Parlament ein, „es besteht keinerlei Zweifel, dass die steuerliche Belastung der konsequenten und ehrbaren Haushalte und Unternehmen tatsächlich groß ist, und das birgt Gefahren„.

Vorgestern erklärte ein anderer Minister, nämlich Tryfon Alexiadis (ebenfalls stellvertretender Finanzminister), er treibe eine Regelung voran, damit die Bürger Immobilien an den Staat abtreten können, wenn sie die Erbschaftssteuer nicht zu bezahlen vermögen!

Perfektes Rezept für eine Katastrophe – 36 Steuergesetze in 15 Jahren

Ebenfalls vorgestern wurde seitens der griechischen Botschaft in Sofia (Bulgarien) bekannt, dass jeden Tag 12 bis 13 Griechen eine bulgarische Steuer-ID erwerben, während rund 15.000 Unternehmen ihren Sitz von Griechenland in das Nachbarland verlegt haben, offensichtlich um der überdimensionalen Besteuerung zu entgehen.

Natürlich ist es nicht nötig, dass die Minister das eingestehen, was die griechischen Bürger und die Unternehmen durchleben, die unter diesen widrigen Umständen zu überleben versuchen. Die Überbesteuerung hat inzwischen jede Grenze überschritten, womit sie das Überleben der konsequenten Unternehmen grenzwertig macht und tausende private Haushalte in extreme Situationen führt.

Das einzige der Regierung vertraute Rezept ist, kontinuierlich die direkten und indirekten Steuern mit der Folge zu erhöhen, dass das bereits geschundene verfügbare Einkommen erstickend beschränkt wird. Ein Rezept, das nicht nur nicht den Aufschwung herbeiführt, sondern dagegen zur Flucht der Unternehmen führt. Mit einem Steuersystem, das sich alle Nase lang ändert – bezeichnend ist, dass in den letzten 15 Jahren 36 Steuergesetze verabschiedet wurden! -, wird kein ernsthafter Investor in das Land kommen.

Überbesteuerung fördert Unternehmensflucht und Steuerhinterziehung

Es ist kein Zufall, dass alle Unternehmen, die dies vermögen, ihren Sitz in Länder mit niedrigeren Steuersätzen verlegen, und dass alle, die es können, darin fortfahren, auf jede mögliche Weise Steuerhinterziehung zu betreiben.

Auf der einen Seite Löhne, die nicht einmal die minimale Überlebensgrenze decken, auf der anderen Seite eine überdimensionale Besteuerung sogar auch für die jungen Leute mit den Quittungsblöckchen, die zu überleben versuchen um nicht auswandern zu müssen. Also das perfekte Rezept für eine Katastrophe. Löhne Bulgariens und Steuern Schwedens!

Im übrigen und zur Stunde, wo die griechische Gesellschaft ächzt, hat die Regierung natürlich zu ihrem ersten Ziel den Kampf gegen die „Verflechtung“ erkoren, mit jedem lauteren und unlauteren Mittel …

(Quelle: To Vima)

  1. Uli
    23. Oktober 2016, 06:25 | #1

    Der griechische Staat bestraft mit solchen Machenschaften auch diejenigen, die ihren steuerlichen Verpflichtungen stets korrekt nachgekommen sind. Übrigens: Was nützt die Übertragung von Immobilien an den Staat dem Steueraufkommen, wenn die Immobilien so gut wie unverkäuflich sind …

    • holgaa
      25. Oktober 2016, 15:54 | #2

      … die Frage ist nicht, was nützt es … sondern WEM nutzt es?!

  2. Anton
    23. Oktober 2016, 15:33 | #3

    Zwar geht der Beitrag von grundsätzlich wichtigen ökonomischen Zusammenhängen aus. Mit solcher Steuerpolitik ist sicher kein Aufschwung möglich. Aber ist dieser denn überhaupt gewollt? Das wird immer wieder behauptet. Aber richtig ist: So kann es nicht funktionieren. Was so funktioniert, ist allerdings die dauerhafte Abhängigkeit von den Gläubigern. Die haben allerdings mittlerweile ein riesen Problem. Laut IWF hat sie die Verschuldung (privat und staatlich, ohne Banken) seit 2000 faktisch verdoppelt und beträgt weltweit mittlerweile 152 Billionen US-Dollar oder 225 Prozent der jährlich Wirtschaftsleistung. Da sind die Schulden Griechenlands nur ein Randproblem. Dies sollten allerdings auch die maßgeblichen griechischen Politiker begreifen. Sie können nicht so weitermachen, ohne am Ende immer tiefer im Morast zu versinken. Alternativen wären deshalb wichtig. Sonst bleibt es bei Illusionen und beim Klagen darüber, dass das, was sein könnte, eben nicht geschieht.

  3. LiFe
    23. Oktober 2016, 20:20 | #4

    Junge Menschen können nur verzweifeln, wenn sie arbeiten gehen wollen und Geld auf die Seite legen möchten, um später studieren zu können. Ein junger Mensch in Griechenland kann seine Zukunft nicht planen. Nicht mal Eltern können ihre Kinder unterstützen. Das ist traurig! Dabei wäre es der Staat, der am Ende profitieren würde.

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