Griechenland läuft in Gefahr, auf Flüchtlingen „sitzen“ zu bleiben

2. Oktober 2016 / Aufrufe: 949

Laut Gerald Knaus wird der Flüchtlingsdeal mit der Türkei zusammenbrechen, wenn nicht endlich auf den Inseln Griechenlands festsitzende Flüchtlinge zurückgeschickt werden.

Gerald Knaus, Inspirator des „Flüchtlings-Deals“ der Europäischen Union mit der Türkei sowie auch formloser Berater der Bundeskanzlerin Merkel in Flüchtlingsthemen, schätzt in einem Interview an die deutsche Zeitung „Die Welt“ ein, „wenn wir nicht endlich schaffen, Flüchtlinge von den griechischen Inseln in die Türkei zurückzuführen, wird die Vereinbarung zwischen EU und Türkei zusammenbrechen„. (Siehe auch: Vater des Flüchtlingsdeals warnt vor dem Kollaps)

Der Österreicher Gerald Knaus, der auch Leiter der Europäischen Stabilitätsinitiative (ESI) ist, warnt, „die EU schickt nicht so viele Bedienstete nach Griechenland, wie für das Verfahren der Untersuchung der Asylanträge erforderlich sind. Auch in diesem Punkt besteht seitens der Europäischen Union Nachholbedarf.

Flüchtlinge erkennen Zerbrechlichkeit des Deals der EU mit der Türkei

Die Europäische Union spielt derzeit russisches Roulette. Solange die Vereinbarung EU – Türkei noch andauert, ist sie ein Geschenk, das von der EU genutzt werden muss„, merkte Gerald Knaus an und betonte weiter, hauptsächlich wegen des „Gefühls fehlender Perspektiven“ kamen im Sommer dieses Jahres (anfänglich) nur 500 Menschen nach Griechenland. „Die Flüchtlinge in der Türkei stellen jedoch die Zerbrechlichkeit der Vereinbarung fest und von Juli bis August (2016)verdoppelte sich ihre Anzahl.“ Die Flüchtlinge merken, dass die Chancen, in Griechenland zu verweilen und dann – sei es auch mit einer gewissen Verzögerung – nach Norden weiterzuziehen, letztendlich doch nicht so gering sind. Dies sei logisch, wenn man bedenkt, dass seit Beginn der Geltung der Vereinbarung EU – Türkei 25.000 Flüchtlinge über die Ägäis nach Griechenland kamen und nur 580 zurückgeführt wurden.

Grundsätzliche Punkte der Vereinbarung funktionieren laut Gerald Knaus mangelhaft. Speziell den Syrern sei inzwischen klar geworden, nicht zur Rückkehr in die Türkei verpflichtet zu werden. Die griechischen Behörden wiederum „boykottieren“ die Rückführung, weil sie – wie im übrigen auch die Menschrechtsorganisationen – urteilen, die Lage für all jene, die in der Türkei nach Asyl streben, sei nicht gut. Ihr Argument ist die Ungewissheit in Hinsicht darauf, ob die Türkei schließlich alle schutzbedürftigen Flüchtlinge in andere Länder schicken wird.

Gerald Knaus meint, die EU schulde, Druck auf Ankara auszuüben, ein glaubwürdiges Asylgewährungsverfahren für die Flüchtlinge zu etablieren, damit es für Athen leichter ist, sie in die Türkei zurückzuschicken.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

  1. windjob
    2. Oktober 2016, 22:28 | #1

    Das war doch abzusehen. Hauptsache unsere Bundeskanzlerin kann verkünden, sie habe die Flüchtlingskrise bewältigt. Es sterben im Mittelmeer ja auch keine Flüchtlinge mehr. Warten wir mal ab was passiert, wenn der Türkei-Deal platzt – und ich bin sicher, dies wird geschehen.

  2. Kleoni
    5. Oktober 2016, 10:28 | #2

    Miloš Zeman, Ministerpräsident Tschechiens, hat ja bereits eine „Lösung“ vorgeschlagen, Griechenland stellt auf unbewohnten Inseln Hotspots auf, bekommt dann prozentualen Schuldenerlass. Wer die Infrastruktur, Ernährung, medizinische Versorgung, von Schulen für die Kinder gar nicht zu sprechen, bezahlen soll ist für ihn wohl selbstverständlich „natürlich Griechenland“. Einen „Archipel Gulag“ auf griechischen Inseln für Flüchtlinge in Griechenland, davon träumen die europäischen Binnenländer doch schon längst, bzw. haben entsprechende Pläne in den Schubladen.

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