Mitfünfziger in Griechenland ohne Arbeit und Rente

7. September 2016 / Aufrufe: 2.584
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In Griechenland bleiben immer mehr Arbeitnehmer im Alter von über 55 Jahren ohne Arbeit, aber auch ohne Aussicht auf eine Altersrente.

Arbeitnehmer im Alter von über 55 Jahren bleiben in Griechenland nach der Anhebung der Altersgrenzen für den Renteneintritt ohne Rente, aber auch außerhalb des Arbeitsmarkts – was zum Resultat hat, dass in dieser Altersgruppe die Arbeitslosen inzwischen mehr sind als Jene, die auf dem privaten Sektor beschäftigt und bei der IKA sozialversichert sind!

Das Ausmaß der Beschäftigungskrise bei den Mitfünfzigern in Griechenland enthüllen die Vergleichsdaten von IKA und OAED für die Periode 2011 – 2015.

Anstieg der Arbeitslosigkeit bei über 55-Jährigen um 74,60%

Auf Basis der Angaben zählten im Jahr 2015 die Beschäftigten / bei der IKA Versicherten im Alter von über 55 Jahren 121.751 und die Arbeitslosen 148.158 (Verhältnis von Versicherten zu Arbeitslosen 0,82), im Gegensatz zu den anderen Altersgruppen (unter 40 Jahren und 30 – 54 Jahre), in denen die Versicherten trotz des Anstiegs der Arbeitslosigkeit arithmetisch die beim OAED registrierten Arbeitslosen übersteigen. Konkret:

Die Beschäftigten / bei der IKA Versicherten im Alter von unter 30 Jahren zählten im Jahr 2015 insgesamt 367.548 und die Arbeitslosen 247.693 (Verhältnis von 1,48), gegenüber 393.322 und 226.454 Anfang des Jahres 2011 (Verhältnis von 1,73). Die Beschäftigten nahmen also um 25.774 (-6,55%) ab und die Arbeitslosen um 21.239 (+9,37%) zu – mit dem Resultat, dass sich das Verhältnis von Versicherten zu Arbeitslosen zwar verschlechterte, ohne dass jedoch die Arbeitslosen mehr als die Beschäftigten sind.

Die Anzahl der Beschäftigten im Alter von 30 – 54 Jahren stieg 2015 im Verhältnis zu 2011 um 25.807 (+2,24%) Personen und erreichte 1.177.741 (gegenüber 1.151.934), während die Anzahl der Arbeitslosen um 146.930 (+28,10%) auf 699.907 Personen (gegenüber 522.977) anstieg, womit trotz dieser heftigen Bewegung im Vergleich zu anderen Altersgruppen ein besseres Verhältnis (1,76) aufrecht erhalten wurde, auch wenn es im Vergleich zu 2011 (2,20) schlechter ist.

In der selben Periode stieg die Anzahl der Beschäftigten im Alter von über 55 Jahren um nur 8,83%, der Arbeitslosen dagegen um 74,60% an, was die höchste Quote des Anstiegs der Arbeitslosigkeit darstellt, da zwischen 2011 und 2015 die beim OAED registrierten Arbeitslosen um 27,74% (+146.930 Personen) zunahmen.

Negative Aussichten

Den Ausschluss der in einem höheren Alter befindlichen Arbeitnehmer von dem Arbeitsmarkt aus Kostengründen und wegen fehlender Politik für ein aktives Altern in Griechenland bestätigt eine neuere internationale Untersuchung der Randstad, die Griechenland auf den vorletzten Platz bringt – zusammen mit den Teilnehmern aus der Slowakei und Ungarn, die ihre Aussichten auf Beschäftigung für beschränkt halten.

In Griechenland glauben nur 24%, der Arbeitgeber habe aktive Politiken um Menschen im Alter von über 55 Jahren anzuziehen und zu behalten, während 76% der Griechen annehmen, für ältere Beschäftigte sei es schwerer, sich neue Fertigkeiten anzueignen. Auf internationalem Niveau erreicht der entsprechende Anteil 44% und nahe bei 50% liegt er nur in Großbritannien, Schweden und Deutschland.

Anreize für … Entlassungen

Die Mitfünfziger mögen auf dem privaten Sektor eine aussterbende Spezies darstellen, sind jedoch die ersten auf den Listen der Interessenten für ein freiwilliges Ausscheiden, wovon in der Regel Banken und öffentliche Unternehmen und Organismen Gebrauch machen um das Personal und die Lohnkosten einzuschränken.

Ein jüngstes Beispiel gaben die TRAINOSE und der panhellenische Verband der Eisenbahner mit dem Unternehmens-Tarifvertrag, den sie am 04 August unterzeichneten und vorsahen, dass im Fall der Entlassung Beschäftigter im Alter von über 50 Jahren die Gesellschaft die gesamten Kosten für deren Selbstversicherung bis zu ihrem Renteneintritt sowie auch für die Anerkennung des Wehrdienstes (sprich Nachzahlung entsprechender Beiträge) für all jene übernimmt, die diese Versicherungszeiten benötigen um die Voraussetzungen für ihre Pensionierung zu erfüllen..

Schutz älterer Arbeitnehmer ist Vergangenheit

Der entsprechende Mindestschutz, den die vorherigen Regierungen all den Arbeitnehmern im Alter von über 55 Jahren gewährt hatten, die entlassen wurden, gehört der Vergangenheit an. Gemäß dem einschlägigen Gesetz 3996 konnten die Versicherten der IKA, die im Alter von 55 bis 64 Jahren waren und entlassen wurden, zu einer Selbstversicherung schreiten, und zwar unabhängig davon, ob es sich um Einzel- oder Massenentlassungen handelt, sofern sie wenigstens 4.500 Versicherungstage oder 15 Versicherungsjahre realisiert hatten.

Konkret war der Arbeitgeber, der sie entlassen hatte, dazu verpflichtet, sich an den Kosten der Selbstversicherung mit einem Anteil von 50% für Versicherte im Alter von 55 bis 60 Jahren und für einen Zeitraum bis zur Erfüllung sowohl der Altersgrenze als auch der erforderlichen Versicherungstage für den Bezug einer ungekürzten Altersrente und für Versicherte im Alter von 60 bis 64 Jahren sogar mit 80% zu beteiligen …

(Quelle: Imerisia, Autor: Giorgos Gatos)

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