In Griechenland werden tausende Immobilien verschenkt

15. September 2016 / Aufrufe: 1.184
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In Griechenland schlagen immer mehr Bürger Erbschaften aus und schenken ihre Immobilien praktisch dem Fiskus.

Die Bewegung „ich erbe nicht“ hat in Griechenland in letzter Zeit beachtliche Dimensionen angenommen, da tausende Bürger unter der Last der Überbesteuerung keine (ihnen per Erbschaft zufallende) Immobilie besitzen wollen.

Wie die griechische Zeitung „Ethnos“ enthüllt, war vor dem Jahr 2000 die Ausschlagung einer Erbschaft ein seltenes Phänomen, speziell in Zusammenhang mit den Immobilien. Inzwischen neigt sie jedoch zur Regel zu werden, wenn man berücksichtigt, dass abgesehen von der ENFIA und den anderen Steuern alle Eigentümer von Immobilien in nächster Zeit aufgefordert sein werden, je Immobilie und unabhängig von deren Wert ungefähr 1.000 Euro zu bezahlen.

Juristen raten zur Erbschaftsannahme mit Privileg der Inventarerrichtung

In ganz Griechenland werden inzwischen die Amtsgerichte alltäglich von Menschen überschwemmt, die kommen um einen Antrag auf Erbschaftsausschlagung zu stellen und ihre Immobilie praktisch dem Fiskus zu … schenken. Laut der griechischen Zeitung „To Ethnos“ werden allein in Attika ungefähr 200 Anträge in der Woche eingereicht, was sich in 10.000 bis 12.000 Anträgen im Jahr ausdrückt. In Thessaloniki geht es um ungefähr 5.000 Immobilien und in Patras um über 1.600.

Vor nur drei Jahren und mit der Erhöhung der Steuern und der gleichzeitigen Verhängung der ENFIA war die Anzahl der Immobilien, welche die Bürger zu erben ausschlugen, nur fast halb so hoch, während das Andauern der Krise und die Erhöhung der Steuern auf allen Ebenen die Anzahl der Anträge auf Erbausschlagung verdoppelten.

Notare und Rechtsanwälte raten jedenfalls allen Bürgern, die eine Immobilie erben, mit dem Privileg der Bestandsaufnahme (Inventarerrichtung) zur Annahme einer Erbschaft zu schreiten. Gemäß diesem hat der Erbe das Recht, innerhalb von vier Monaten, nachdem ihm der Nachlass an ihn bekannt gemacht wurde, mit dem Privileg der Inventarerrichtung  zur Annahme der Erbschaft zu schreiten und damit seine Haftung für die Verbindlichkeiten des Nachlasses bis zu dessen Aktiva, also bis zum Gesamtwert der Erbschaft zu beschränken.

Ergänzend sei angemerkt, dass in Griechenland im Regelfall eine Erbschaft als stillschweigend angenommen gilt, wenn sie innerhalb von vier Monaten ab dem Versterben des Erblassers nicht explizit und in der gesetzlich vorgesehenen Form ausgeschlagen wird. Handelt es sich bei den Erben um Personen, die dauerhaft im Ausland ansässig sind, verlängert besagte Frist sich auf 12 Monate.

(Quelle: Imerisia)

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