Griechenlands Rentenkassen droht Explosion

29. September 2016 / Aufrufe: 3.056

Trotz rigoroser Kürzungen und Beitragserhöhungen droht den größten gesetzlichen Kassen in Griechenland ohne zusätzliche staatliche Zuschüsse bald das Geld auszugehen.

Die Angaben über die Ausführung des staatlichen Haushaltsplans in Griechenland sind äußerst enthüllend, da sie zeigen, dass den größten Versicherungskassen trotz aller Kürzungen und Beitragserhöhungen bald das Geld ausgehen wird, wenn sie keine zusätzliche staatliche Bezuschussung erhalten.

In Wirklichkeit verbirgt sich hinter den von der Regierung bejubelten angeblichen primären Haushaltsüberschüssen eine Bombe, und damit sie nicht entsichert wird, ist der anfängliche Posten zur Stützung des Sozialversicherungssystems für ein weiteres Jahr nach oben zu revidieren.

Griechenlands Kassen kommen ohne neue Zuschüsse nicht übers Jahr

Dem größten Problem scheint der gesetzliche Versicherungsträger für Gewerbetreibende und Selbständige (OAEE) zu begegnen, da er innerhalb der ersten 8 Monate des Jahres 2016 bereits 85,7% der anfänglich vorgesehenen Mittel (sprich staatlichen Zuschüsse), also 715 Mio. Euro abgerufen hat und damit die Aufwendungen des entsprechenden Vorjahreszeitraums schon um 35 Mio. Euro überstiegen hat.

Vermag der OAEE alle seine Bedürfnisse für die letzten vier Monate des Jahres 2016 mit den 120 Mio. Euro zu decken, die aus dem anfänglichen Posten des Haushaltsplans verbleiben? Offensichtlich nicht. Aufzeigend ist außerdem, dass im vergangenen Jahr anfänglich ebenfalls 834 Mio. Euro – also sie viel wie auch in diesem Jahr – vorgesehen worden waren, die Messlatte zunächst auf 954 Mio. Euro stieg, die Kasse jedoch schließlich 1,004 Mrd. Euro benötigte um ihre Bedürfnisse zu decken.

Sichtbar ist das Problem auch bei der IKA, die 74% der anfänglich für sie vorgesehenen Mittel verbraucht hat und damit bereits 1,640 Mrd. Euro aus dem staatlichen Haushalt erhielt. Was dies bedeutet? Dass die Kasse von den ungefähr 205 Mio. Euro, die sie jeden Monat benötigte, auf 145 Mio. Euro „fallen“ muss – was wohl unmöglich ist. Aufzeigend ist, dass im vergangenen Jahr die „Rechnung“ der IKA an den staatlichen Haushalt von den 2,505 Mrd. Euro der anfänglich vorgesehenen Mittel schließlich bei 2,935 Mrd. Euro angelangte.

Sozialversicherungsträgern in Griechenland brechen die Beiträge weg

Eins der Probleme, denen die Kassen begegnen, ist die außerordentlich niedrige Beitreibungsquote ihrer Beiträge. Faktoren des Sozialversicherungswesens zufolge ist fraglich, ob OAEE und ETAA 50% einnehmen können, während die Lage bei dem „Träger für landwirtschaftliche Versicherungen“ (OGA), wo die Beitreibungsquote 30% nicht übersteigt, noch schlimmer ist.

Auf der einen Seite die wirtschaftliche „Klammheit“ und auf der anderen die Hoffnung auf eine neue Schuldenregulierung – unter „Einfrierung“ der bis Ende des Jahres 2016 entstehenden Verbindlichkeiten – trotz der „roten Karte“ seitens der Gläubiger drohen, im System ein „Loch“ zu öffnen, das allein für dieses Jahr auf 600 Mio. Euro veranschlagt wird, da das Ziel ist, dass die Beitreibungsquote bei 65% – 70% angelangt. Falls sich wiederum das Bild der „Umstürze“ im staatlichen Haushaltsplan und der Entrichtung der Beiträge im kommenden Jahr nicht ändern sollte, wird sich 2017 ein weiteres „Loch“ von 700 Mio. Euro öffnen.

(Quelle: iefimerida.gr)

  1. Moppel
    30. September 2016, 02:34 | #1

    Die Rücklagen der gesetzlichen Sozialversicherungsträger in Griechenland wurden seit eh und je von den jeweiligen Regierungen schamlos geplündert. Im Rahmen der Memoranden, die unverhohlen der Rettung westeuropäischer Banken und Interessen internationaler Spekulanten dienten, sind dann auch noch die letzten Aktiva der Kassen skrupellos „verbrannt“ worden.

    An das anfänglich – sprich bis noch vor drei, vier Jahrzehnten – propagierte Argument, die eingezahlten Beiträge kämen nebst den erwirtschafteten Kapitalerträgen praktisch ausschließlich der eigenen (Alters-) Vorsorge zugute, mag sich inzwischen niemand mehr … „erinnern“. Stattdessen wurde das Modell des „Generationsvertrags“ etabliert: Wer (heutzutage überhaupt noch) Arbeit hat und Geld verdient, finanziert mit seinen Pflicht- / Zwangsbeiträgen nicht etwa die eigenen (zukünftigen) Altersbezüge, sondern die Renten und Pensionen der heutigen Ruheständler – in der Hoffnung, dass die nächsten Generationen sich ebenfalls an diesen „Vertrag“ halten werden.

    Abgesehen davon, dass ein rechtswirksamer Vertragsabschluss mit noch gar nicht existenten Parteien per Definition undenkbar ist: Wie blöd muss jemand sein, um zu glauben, ein Umverteilungs-System, in dem inzwischen bestenfalls noch etwa 3 (obendrein zunehmend Gering-) Verdiener die Bezüge von 2 Ruheständlern zu finanzieren haben (bei einigen Kassen ist die Quote inzwischen sogar unter 1:1 gesunken), sei tragfähig?

    Hinzu kommt: Selbst wenn alle Kassen in Griechenland von heute auf morgen sämtliche Zahlungen einstellen würden, käme das System immer noch nicht aus den „Miesen“ heraus! Warum wohl?

  2. struppi
    3. Oktober 2016, 12:47 | #2

    Das Umlagesystem ist die beste Möglichkeit ein Rentensystem zu finanzieren, weil man dort eben keine bzw. nur wenige Rücklagen braucht. Um darauf zu hoffen, dass das Finanzsystem über Generationen soviel Rendite abwirft, dass neben den Gewinnen für die Versicherung, noch genug für die Altervorsorge übrig bleibt, muss man auch sehr blöd sein.
    Das Umlagesystem muss sich aber an der Wirtschaftsleistung orientieren und darf nicht als Nebenkasse für andere öffentliche Ausgaben benutzt werden (wie bei uns z.b. zur Finanzierung der Wiedervereinigung), dann übersteht es Kriege und jeden Börsencrash.

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