Griechenlands Bürger sind enttäuscht und wütend

24. September 2016 / Aufrufe: 1.777

Laut einer neueren Meinungsumfrage der Marc im Auftrag des Senders Alpha sind in Griechenland 8 von 10 Bürger über das Werk der Regierung enttäuscht und wütend.

Gemäß einer jüngst durchgeführten Meinungsumfrage beurteilt in Griechenland die Mehrheit der Bürger das Werk der (Koalitions-) Regierung  SYRIZA-ANEL unter Premierminister Alexis Tsipras negativ, wobei die Griechen beunruhigt das Schlimmste befürchten und Zorn und Enttäuschung zum Ausdruck bringen.

Bei der für Rechnung des TV-Senders Alpha durchgeführten Meinungsumfrage der Marc antworteten auf die Frage bezüglich ihrer Haltung gegenüber der Regierung 37,7% „enttäuscht“ und 37,7% „wütend“. Weiter bewerten 83,8% den Kurs der Regierung „negativ“ oder „eher negativ“.

Über 80% der Bürger in Griechenland befürchten … das Schlimmste

Auf die Frage, wie die Dinge sein würden, wenn die Nea Dimokratia (ND) an der Regierung wäre, zeigten die Bürger sich gespalten: 34,6% antworten „besser“, 34,4% meinten „schlimmer“ und 26,1% schätzen ein, die Lage währe ungefähr die selbe. Nach dem sie beherrschenden Gefühl gefragt, antworteten 83,1% „Beunruhigung über das Schlimmste“ und gerade einmal 12% „Hoffnung auf etwas Besseres“.

Was den „Kampf um die Eindrücke“ anlässlich der Internationalen Messe in Thessaloniki (sprich die gehaltenen Reden und Pressekonferenzen der beiden Politiker) betrifft, antworteten auf die Frage, ob sie mit dem Auftritt des Premierministers Alexis Tsipras zufrieden gewesen sein, 72% „nein“ und „eher nicht“, während in Bezug auf Oppositionsführer Kyriakos Mitsotakis 51,4% „nein / eher nicht“ und 31,8% „ja“ / „eher ja“ antworteten. Auf die Frage, wer den besseren Plan habe, sprachen sich 15,2% für Alexis Tsipras und 33,7% für Kyriakos Mitsotakis aus, während 45,9% meinten, „keiner insbesondere“.

Auf die Frage, ob die Bürger mit dem (sowohl im In- als auch Ausland heftig umstrittenen) Verfahren der Vergabe panhellenischer Sendelizenzen an die TV-Sender zufrieden sind, antworteten 76,7% „nein / eher nicht“ und 16,2% „ja / eher ja“, während 74,6% urteilen, Ziel der neuen Lizenzvergabe seien politische Zweckmäßigkeiten gewesen.

Sogar SYRIZA-Wähler rechnen mit Wahlsieg der ND

Hinsichtlich der Wahlabsicht vereinigt die ND 22,3% auf sich, gegenüber 14,8% der SYRIZA. Es folgen Goldene Morgenröte (6,3%). KKE (5,8%), PASOK (4,7%), ANEL und die Zentrums-Union (2,5%), Freiheitskurs (2%), Potami (1,9%), Nationale Einheit (1,2%). Eine andere Partei zu wählen beabsichtigen 5,3%, eine ungültige Stimme abzugeben 7,5%, während 12,9% mit „ich gehe nicht wählen“ und 9,4% mit „ich habe mich nicht entschlossen“ antworteten.

Aus der angestellten Hochrechnung ergeben sich folgende Anteile:

  • Nea Dimokratia (ND): 28,4%
  • SYRIZA: 18,8%
  • Goldene Morgenröte (Chrysi Avgi): 8%
  • Kommunistische Partei Griechenlands (KKE): 7,4%
  • Demokratische Fraktion (sprich PASOK): 6%
  • Unabhängige Hellenen (ANEL): 3,2%
  • Zentrums-Union: 3,2%
  • Freiheitskurs: 2,6%
  • To Potami: 2,4%
  • Nationale Einheit (LAE): 2,3%
  • Andere: 2,6%
  • Unentschlossene: 11,9%

Der parteiliche Zusammenhalt der SYRIZA liegt auf einem besonders niedrigen Niveau, konkret 36,8%, bei der ND erreicht er dagegen 81,6%.

Bezüglich der Aussicht auf einen Wahlsieg vereinigt die Nea Dimokratia 64,9% auf sich, die SYRIZA dagegen nur 15,5%, während 3,8% glauben, eine andere Partei werde gewinnen. Bezeichnenderweise glauben sogar 56% der Wählerschaft der SYRIZA, die ND werde die (nächsten) Wahlen gewinnen.

Auf die Frage, mit wessen Ansichten sie sich identifizieren, sprachen sich

  • 39,5% für keinen der politischen Führer,
  • 21% für Kyriakos Mitsotakis (Nea Dimokratia),
  • 14% für Alexis Tsipras (SYRIZA),
  • 4,6% für Dimitris Koutsoumbas (KKE),
  • 4,4% für Popi Gennimata (PASOK),
  • 3,4% für Nikos Michaliolakos (Goldene Morgenröte),
  • 2,6% für Vasilis Levendis (Zentrums-Union),
  • 2,1% für Panos Kammenos (ANEL),
  • 1,9% für Stavros Theodorakis (Potami) aus.

Die in Rede stehende Demoskopie der Marc wurde landesweit in dem Zeitraum 19 – 21 September 2016 mittels telefonischer Befragungen durchgeführt.

(Quellen: iefimerida.gr, Imerisia)

  1. Wähler
    24. September 2016, 11:12 | #1

    Ehrlich gesagt wundert mich das nicht. Syrza hat viel versprochen und nichts gehalten. Da macht sich beim Wähler Enttäuschung breit. Geradezu grotesk finde ich als Wähler allerdings, wenn nun die griechischen Wähler die ND wählen und meinen, dass es besser wird. Albert Einstein definierte als Wahnsinn, immer das gleiche zu tun und zu hoffen, es würde sich etwas ändern. Mit der ND geht alles weiter wie gehabt. Die Troika bestimmt und die ND spurt und die Griechen leiden. Wahnsinn eben.

  2. Hansi
    26. September 2016, 12:48 | #2

    Die Griechen hatten ja die Wahl, die Syriza-Abspaltung LAE zu wählen, die Tsipras unzulängliche Politik schon recht frühzeitig als solche erkannnt hatte. Nur leider wurde dieser eigentlich bessere Teil der Syriza bei der letzen Wahl nur mit 2.86% gewählt und kam damit nicht mal ins Parlament. Syriza ist ja nur noch eine bessere SPD, schon witzig, die schlechtere SPD (Pasok) hat nur noch 6%. So gesehen haben die Griechen sich wohl eine weitere Runde ND verdient. Sie könnten ja eine Alternative wählen, wollen sie aber offensichtlich nicht. In D ist es auch nicht viel besser, 80% der Deutschen wählen die Merkelparteien CDU-CSU-SPD-Grüne-FDP und werden die in 10 jahren immer noch wählen. Falls sich jemand fragt, wie man auf den Begriff Merkelpartei kommt: alle diese Parteien können in einer Koalition von der Merkel geführt werden, sie sind alle merkelkompatibel.

  3. Kritiker
    29. September 2016, 19:50 | #3

    ‚Wenn Wahlen etwas verändern würden, dann wären sie schon längst verboten!‘ Mit diesem schönen Zitat ist bereits alles gesagt. Die neoliberale Doktrin frißt sich ungehemmter denn je durch die Politik und alle Gesellschaften und hinterläßt nichts als verbrannte Erde. Da Kapital nicht gebunden ist und permanent in Sekundenbruchteilen über den Globus gejagt wird, interessiert man sich auch nicht für Völker, Länder und Kulturen. Wenn Waffengewalt dem Zweck dient, dann wird eben Krieg geführt, um die Rendite zu erhöhen oder einen Markt zu erobern. Wenn ein Staat bereits in westliche Strukturen eingebunden ist, kann man ihn auch nicht mit Waffen angreifen, also hilft nur Propaganda, Erpressung und Nötigung! Schade, das Tsipras das nicht begriffen und entsprechend gehandelt hat. er hätte zum Helden Europas werden können.

    Ich sehe in Griechenland nur noch zwei notwendigeSchritte: eine gesellschaftsübergreifende Solidarisierung und ein breites NEIN gegen alle Parteien durch Verweigerung und Boykott, gewissermaßen eine Restrukturierung des gesamten Parteienapparats mit unabhängigen und frischen Köpfen, sowie einen sofortigen Austritt aus dem Euro nebst Einstellung des Schuldenfrohndienstes. Nicht Griechenland hat dann ein Problem, sondern die vielzitierten und stets im Dunklen agierenden Kapitalseigner, Investoren, Hedge Fonds etc. pp., deren Milliarden sich in Rauch auflösen. Brüssel und Berlin im Panikmodus, weil der Rest des verkommenen Draghi-Banken- und Finanzsystems binnen weniger Tage kollabiert.

    Die Musik spielt schon längst in Russland und Asien. Dort sind die Märkte der Zukunft, dort entstehen die Innovationen. Das angloamerikanische Modell, repräsentiert durch die Pleitestaaten der G7, hat abgewirtschaftet. Wieso nimmt Griechenland überhaupt noch Befehle von Pleitegeiern an? Oder möchte Tsipras den letzten Rest Griechenlands verschenken?

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