Griechenlands Ausgang aus der Krise ist gefährdet

2. September 2016 / Aufrufe: 1.407
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Rückgang der Exporte, Absturz der Umsätze und die unverändert hohe Arbeitslosigkeit bedrohen den Ausgang der Wirtschaft Griechenlands aus der Rezession.

Der Kurs der Wirtschaft Griechenlands zum Ausgang aus der langjährigen Rezession wird von einer dreifachen „Bombe“ bedroht.

Angesichts eines bevorstehenden schwierigen Winters für die griechische Wirtschaft schaffen der dramatische Rückgang der Exporte, der Absturz der Umsätze und die auf hohen – den höchsten der Eurozone – Niveaus verbleibende Arbeitslosigkeit eine trübe Szenerie.

Gesellschaft und Wirtschaft am Ende der Belastbarkeit

Die Auswirkungen der Kapitalverkehrskontrollen zeigten sich eindeutig aus dem Rückgang bei den Exporten, während die übermäßige Besteuerung der Unternehmen und privaten Haushalte sich im Sinken der Umsätze zeigt, trotz der großen Rückgänge bei den Preisen. Außerdem lässt der Umstand, dass bei den dynamischen Verbrauchern, die Einkäufe tätigen würden, wenn sie könnten, sprich bei den jungen Leuten eine Arbeitslosigkeit von über 50% herrscht, nicht viele Spielräume für einen Aufschwung des Handels.

Die Fakten sind auf jeden Falls äußerst beunruhigend, speziell wenn sie mit jener eigentümlichen Bewegung „ich zahle keine Steuern und Abgaben“ in Kombination gebracht werden. Die Informationen führen an, dass die (neuen) fälligen Verbindlichkeiten an das Finanzamt stabil bei über 1 – 1,2 Mrd. Euro pro Monat liegen und mit geometrischer Genauigkeit bis Ende des Jahres 2016 zu insgesamt 97 – 98 Mrd. Euro geführt werden.

Die Belastbarkeit der griechischen Gesellschaft ist ausgeschöpft, das unter den Matratzen versteckte Geld nimmt signifikant ab und folglich wird es auch in der realen Wirtschaft schwerlich einen Aufschwung geben. Vielleicht am meisten beunruhigend sind aber die Angaben über die griechischen Exporte, da sie zeigen, dass die Firmen sich schwer tun, im Ausland Fuß zu fassen, und zwar entweder, weil ihnen die Liquidität fehlt um zu expandieren, oder weil die griechischen Produkte weniger attraktiv sind.

In Einzelheiten:

Rückgang der Umsätze im Handel um 19%

Laut dem Handels- und Unternehmensverbands Griechenlands (ESEE) bewegte der Rückgang der Umsätze sich im Verhältnis zur Vorjahresperiode bei 19%. Den größten Verlust (40%) verzeichneten die Händler in der Region Arta, während Verluste auch die Handelsmärkte in Volos, Kallithea, Grevena und Agrinio verzeichneten, wo die Umsätze um 30% zurückgingen. Auf der Gegenseite verzeichneten die Händler in Kalamata einen Zuwachs um 5%.

Im historischen Stadtzentrum Athens wiederum gingen die Umsätze um 10% zurück, während auf den übrigen Marktplätzen der Hauptstadt ein Rückgang um bis zu 20% verzeichnet wurde.

Laut der Untersuchung der ESEE erklärten die Händler zu einem Anteil von 75%, die beste Sommerschlussverkaufsperiode sei von 11/07/2016 bis 30/07/2016 gewesen, gefolgt von der Periode ab 01/08/2016 bis zum Ende des Schlussverkaufs. Besagte Entwicklung bringt die Normalisierung der Verteilung des Konsumaufkommens auf die drei Schlussverkaufsperioden zurück, das im vergangenen Jahr wegen der Kapitalverkehrskontrollen und den damit herbeigeführten außerordentlichen Zuständen zerrüttet worden war (Bevorzugung der zweiten Periode 1-15 August).

Bei der Mehrheit der Unternehmen (60%) bewegten sich im diesjährigen Sommerschlussverkauf die Preisnachlässe zwischen 21% und 40%, wogegen in der entsprechenden Vorjahresperiode 2015 der entsprechende Anteil (der Unternehmen) sehr viel niedriger lag (39%).

Exporte im Schatten der Kapitalverkehrskontrollen

Auf 6-Monats-Ebene des Jahres ging der Gesamtwert der griechischen Exporte um 8,1% zurück und sank unter die Grenze von 12 Mrd. Euro (11,8 Mrd. Euro in diesem Jahr gegenüber 12,8 Mrd. Euro des entsprechenden Halbjahrs 2015). Ein Rückgang ergibt sich für die Exporte sogar auch dann, wenn die Mineralölprodukte ausgeklammert werden (minus 1,4% bzw. 119 Mio. Euro gegenüber dem entsprechenden Vorjahreshalbjahr).

Wie der Panhellenische Verband der Exporteure (PSE) anführt, zahlen Griechenlands Exportunternehmen selbst über ein Jahr nach Verhängung der Kapitalverkehrskontrollen weiterhin einen schweren Preis für die fehlende Normalität auf dem Markt. Noch mehr erschwert wird die Lage im übrigen natürlich durch internationale Entwicklungen wie beispielsweise in Großbritannien, welche die Wachstumsaussichten der Eurowirtschaft stoppen, die wiederum den Hauptmarkt für die griechischen Produkte darstellt.

Arbeitslosigkeit in Griechenland bleibt weiterhin sehr hoch

Gemäß den jüngst an die Öffentlichkeit gegebenen Angaben des Europäischen Amts für Statistik (Eurostat) blieb in Griechenland die Arbeitslosigkeit im Mai 2016 im Verhältnis zu April 2016 unverändert bei 23%.

In der Eurozone und der „EU der 28“ blieb die Arbeitslosigkeit im Juli 2016 im Verhältnis zum Juni 2016 stabil bei entsprechend 10,1% und 8,6%. Insgesamt wurden im Juli 2016 in der EU 21,063 Millionen Arbeitslose und in der Eurozone 16,3 Millionen Arbeitslose verzeichnet.

(Quelle: Imerisia)

  1. Konstantin
    3. September 2016, 14:41 | #1

    Nun ja, es hat doch nicht wirklich jemand erwartet, dass Griechenland mit den Politikern, ständigen Steuererhöhungen und Sozialkürzungen wirklich einen Schritt nach vorne kommen würde. Für das Wirtschaftsunternehmen EU läuft es allerdings glänzend. Binnenmärkte werden im Süden zerstört und der Westen macht mehr Umsatz.

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