Bargeld-Schwarzmarkt in Griechenland

12. September 2016 / Aufrufe: 4.478
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Infolge der seit Mitte 2015 bestehenden Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland hat sich ein eigentümlicher Schwarzmarkt für Bargeld entwickelt.

In einem Bericht der Wochenendausgabe der griechischen Zeitung „Vima tis Kyriakis“ ergeht die Rede von einem eigentümlichen „Schwarzmarkt“ für Bargeld, der ab dem Moment der Verhängung der Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland im Sommer 2015 entstanden ist.

Ab dem Augenblick, wo Premierminister Alexis Tsipras gegen Ende Juni 2015 zu der einschlägigen Bekanntmachung schritt, wurden die Gelder der Anleger und Sparer in Griechenland infolge der Kapitalverkehrskontrollen bei den Banken „eingeschlossen“. Damals hatte der Premierminister die Kontrollen im Kapitalverkehr als „kurzes Intermezzo“ bezeichnet, das jedoch mehr als ein Jahr später immer noch spielt.

Wie Bargeld in Griechenland zu einer „Ware“ wurde

Wie die Zeitung „Vima“ berichtet, „kauft“ jemand, der wegen der Einschränkungen im Kapitalverkehr keinen freien Zugriff auf sein bei den Banken liegendes Geld hat, benötigtes Bargeld, indem er es mit Guthaben (sprich bargeldlosen Überweisungen) „bezahlt“. Nur erfolgt die Transaktion nicht über den Nennwert des Bargelds, sondern es wird eine „Provision“ in einer Größenordnung von 5%, 6% oder in manchen Fällen von sogar bis zu 10% berechnet.

Wie es aus Marktquellen lautet, gestalten diese Provisionen sich analog dazu, an wen man gerade gerät und wie dringlich ein Betrag benötigt wird. Damit also jemand beispielsweise einen Betrag von 5.000 Euro in bar in seine Hände bringt, transferiert er im bargeldlosen Bankverkehr 5.250 – 5.500 Euro aus seinen Kontoguthaben auf ein Konto des „Verkäufers“, der ihm im Gegenzug den vereinbarten Betrag in bar aushändigt.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

Ergänzend sei angemerkt, dass gemäß den derzeit geltenden Regelungen in Griechenland Barabhebungen von inländischen Bankkonten auf insgesamt maximal 840 Euro innerhalb von zwei aufeinanderfolgenden Kalenderwochen beschränkt sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob dieses Limit in einer oder mehreren Barabhebungen ausgeschöpft wird. Andererseits ist es aber auch nicht möglich, nicht ausgeschöpfte Beträge auf nachfolgende kalendarische 2-Wochen-Perioden „vorzutragen“.

Dass es auch noch ganz andere Wege zur Umgehung der Kapitalverkehrskontrollen gibt, wurde bereits in dem Beitrag Colpo grosso mit bulgarischen POS in Griechenland geschildert.

  1. windjob
    12. September 2016, 10:16 | #1

    Jetzt komme bitte keiner, dass dies verwundert. Es weiss doch jedes kleine Kind, dass solche Einschränkungen automatisch einen Parallelmarkt entwickeln. Ist wie bei der Flüchtlingsfrage. Die Balkanroute wird geschlossen, also weicht man auf eine neue Route aus. Die einzigen die dies nicht begreifen sind unsere Politiker voran die einschlägig bekannten J., D., S., M., S. diese Aufzählung könnte ich unbegrenzt fortsetzen. Aber Merkel tönt lauthals, das Flüchtlingsproblem ist gelöst. Dann wartet mal was passiert, wenn TR keine Visafreiheit bekommt. Da können sich die Griechen auf den östlichen Inseln warm anziehen.

    Wie soll sich eine Wirtschaft denn entwickeln, wenn Unternehmer nicht in der Lage sind, Rechnungen zu begleichen. Da Ausländer ungehindert auf Ihre ausländischen Konten zugreifen können nutzen sie doch die Chance um zusätzlich Kohle zu machen. Aber unsere Politiker in Deutschland sind ja momentan mehr mit sich selbst beschäftigt und mir ist immer noch nicht klar warum Merkel und Co. vorne dabei sind Griechenland zu dupfen. Vermutlich liegt es an der Tatsache, dass hier die Linken regieren und das darf nicht sein.

  2. HJM
    12. September 2016, 15:03 | #2

    Kein Zweifel, Griechen waren und sind erfindungsreich. Hoffentlich bleibt es so. Allerdings frage ich mich bei dem geschilderten Beispiel, woher der „Verkäufer“ das Bargeld nimmt. Der an ihn bargeldlos zum Zweck des „Kaufs“ überwiesene Bertrag bleibt nach derzeitigem Stand der Dinge doch weitestgehend blockiert. Wird also unter das Kopfkissen gegriffen?

  3. GR-Block
    12. September 2016, 17:18 | #3

    Es gibt allerhand Ausnahmegenehmigungen für den Geldverkehr von Firmen. Wer eine solche hat, kann das Geld für sich arbeiten lassen. Er selber liegt auf der faulen Haut. Auch haben viele griech. (und ausl.) Geschäftsleute Auslandskonten. Die sind von den Beschränkungen ausgenommen. Die können beliebig Geld „verkaufen“. Prinzipiell ist dagegen nichts zu sagen. Das bringt Devisen ins Land.

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