Aufblühen der „Kofferberufe“ in Griechenland

18. September 2016 / Aufrufe: 972
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Die horrende Überbesteuerung und Belastung der Kleinunternehmen in Griechenland treibt immer mehr Gewerbetreibende und Selbständige in die Schattenwirtschaft.

In Griechenland müssen immer mehr Gewerbetreibende und Selbständige ihre (meistens Klein- und Mini-) Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen schließen und wandern notgedrungen in die Schattenwirtschaft ab, indem sie ihr Gewerbe mit einem „Köfferchen“ in der Hand ausüben.

Es versteht sich von selbst, dass solche „Patentlösungen“ (die praktisch nichts anderes als eine Form „schwarzen Unternehmertums“ bzw. „selbständiger Schwarzarbeit“ darstellen) nicht nur die Steuerhinterziehung und den Schwarzgeldumlauf anheizen, sondern auch den unlauteren Wettbewerb verschärfen und somit letztendlich noch mehr (Klein-) Unternehmer in die Illegalität drängen.

„Schwarzes“ Unternehmertum ist schwer unter Kontrolle zu bringen

„Ein Phänomen, das gemäß diversen Einschätzungen des Instituts des GSEVEE beunruhigend zunehmende Tendenzen zeigt, ist das nicht angemeldete Unternehmertum. Also Unternehmer, die ihre Bücher schließen, schließen ihre Unternehmen und wechseln auf den ‚formlosen‘ Sektor der Wirtschaft, weil sie (anders) nicht ihren Verpflichtungen zu entsprechen vermögen.

Signifikanten Problemen in Zusammenhang mit diesem Phänomen begegnen die sogenannten „Koffer-Berufe“, wie beispielsweise die Friseure (schätzungsweise 40% dieses Zweigs macht nicht angemeldetes Unternehmertum aus). Es ist anzumerken wert, dass für diese Fälle keine Kontrolle vorgesehen ist und offensichtlich auch keinerlei Kontrolle existiert, und vielleicht ist es auch schwierig, dass es irgendwelche geben wird.

Dies führte der Vorsitzende des Generalverband der Gewerbetreibenden, Handwerker und Kaufleute Griechenlands (GSEVEE), Giorgos Kavvathas, bei einer Konferenz des Arbeitsministeriums mit Thema „Kollektive Verhandlungen im europäischen Gesellschaftsmodell und die Zukunft der Arbeit“ an. Er fuhr fort, bezüglich des Anwachsens der Schattenwirtschaft, die in Griechenland Schätzungen zufolge 35% – 40% des BIP tangiert, müsse Gewicht auf die Ebene der Bekämpfung, des Schatten- und Schwarzhandels und der Ausweitung der Steuer- und Versicherungsbasis gelegt werden.

Arbeitsverhältnisse in Familienbetrieben dürfen nicht zerrüttet werden

Parallel sei, wie Giorgos Kavvathas meinte, die Rolle der sogenannten Sozialpartner zu stärken. „Ein guter Anfang in diese Richtung könnte die Wiederherstellung der kollektiven Verhandlungen sein. Jedoch werden wir uns nicht nur darauf zu beschränken haben. Eventuell könnte ein trilaterales Organ (Regierung – Arbeitgeber – Arbeitnehmer) bei der Gestaltung und Forcierung von Politiken (mit dem Beitrag internationaler Organisation wie der ILO) helfen, jedoch unter der Voraussetzung, dass sie die griechische Realität und deren Besonderheiten wahrnehmen. Was beispielsweise die mithelfenden Mitglieder oder die Helfer in Familienbetrieben betrifft, existiert ein Gewohnheitsrecht, das ihre Arbeitsverhältnisse regelt. Unter den gegenwärtigen Umständen stellt diese eigentümliche Form der Beschäftigung einen signifikanten Faktor des sozialen Zusammenhalts und der Drosselung der Arbeitslosigkeit dar und darf nicht zerrüttet werden.

Ebenfalls sind laut der GSEVEE auch Maßnahmen wie die Ausweitung, die Verfahren und die Voraussetzungen des sogenannten Arbeitscoupons („Ergosimo“) zu untersuchen, während der Vorsitzende auch die Stärkung und den richtigen Betrieb der Kontrollmechanismen als von kritischer Bedeutung charakterisierte.

(Quelle: Imerisia)

  1. GR-Block
    18. September 2016, 09:28 | #1

    Schwarzes Unternehmertum ist schwer unter Kontrolle zu bringen
    Wenn der Feind im Lande steht und den Wohlstand raubt, gehen die Griechen zur Subsistenzwirtschaft über. Das bekam er schon 1941-44 zu spüren (Siehe Wiki: DEGRIGES). Es wird nur noch für die direkte Umgebung produziert und den Eigenbedarf, und mittels Tauschhandel „verkauft“. Das stabilisiert die Volkswirtschaft und senkt die Steuereinnahmen der Athener EU. Ätsch!

  2. Kleoni
    18. September 2016, 10:31 | #2

    egal wer regiert und in Zukunft regieren sollte, die Zeche bezahlen die kleinen Leute, Familien- und Handwerksbetriebe. Um zu Überleben, bleibt nur noch, dem Staat nicht das zu geben, was er fordert, denn das was er fordert und bekommt verteilt er ungerecht von unten nach oben. Nach dem Motto „die süssesten Früchte fressern nur die grossen Tiere …“ Man kann dem Koffergewerbe auch den Namen „Nachbarschaftshilfe“ geben, denn in der Not sind wir eben alle Nachbarn.

  3. ronald
    22. September 2016, 15:19 | #3

    Die Klein- und Miniunternehmen in GR waren überwiegend immer schon Schattenwirtschaft.

  4. GR-Block
    22. September 2016, 19:30 | #4

    Ein Kampf gegen Windmühlen.
    In den hoch industrialisierten Ländern wird die Schattenwirtschaft zu einem großen Teil von Konzernen erwirtschaftet. Deshalb ist dort die Schattenwirtschaft relativ hoch. Schattenwirtschaft D = 351 Mrd. € („The Shadow Economy in Europe 2013“, Friedrich Schneider, Universität Linz)
    Griechische Kleinstunternehmen fliegen meist unter dem Radar, so dass sie nur wenige Steuern zahlen müssen und deshalb lediglich eine geringe Steuerhinterziehung betreiben. Schattenwirtschaft GR=43 Mrd. € (Autor s.o.)

    Ein Vergleich der Prokopf-Schattenwirtschaften nach Friedrich Schneider zeigt:
    D: 4.400 € Schattenwirtschaft pro Kopf
    GR: 3.900 € Schattenwirtschaft pro Kopf

    Anders fällt der Vergleich bei der Schattenwirtschaft pro Unternehmer / Selbständigen aus:
    D: 81.000 € pro Selbständiger
    GR: 37.000 € pro Selbständiger

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