Immobilien in Griechenland werden zu … Steuern

4. August 2016 / Aufrufe: 1.193
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In Griechenland mussten in den letzten Jahren zehntausende Eigentümer ihre Immobilien verkaufen, um Steuern und sonstige Verpflichtungen zu begleichen.

Die dramatische Situation des Immobilienmarkts in Griechenland während der letzten Jahre zeichnet sich in den Fakten ab, die zeigen, dass in der Krise 157.000 Häuser und Wohnungen „verloren“ gingen.

Die besagten Immobilien wurden verkauft, um Steuer- und Kreditverpflichtungen zu begegnen, während zwei Studien einen signifikanten Rückgang im Eigenbesitz befindlichen Wohnraums sowie einen unglaublichen Absturz bei den elterlichen Zuwendungen um 80% verzeichnen.

Griechen trauen sich nicht mehr, Kindern Immobilien zu übereignen

Laut einem Artikel der griechischen Zeitung „Ethnos“ verkaufen die Griechen die in ihrem Besitz befindlichen Immobilien um das Finanzamt zu bezahlen, aber auch um den horrenden Steuern zu entgehen. Wie die letzten Fakten zeigen, ist bezeichnend, dass der Anteil im Eigenbesitz befindlichen Wohnraums in Griechenland von 77,2% im Jahr 2010 auf heute 74% gesunken ist. Dies bedeutet, dass 157.000 Haushalte sogar auch ihr Haus oder ihre Wohnung verkauften, um über die Runden zu kommen.

Beeindruckend ist der Umstand, dass gemäß einer jüngst erfolgten Studie die Griechen keine Transaktionen über elterliche Zuwendungen oder Erbschaften mehr eingehen, wobei sich viele zur Ausschlagung des Vermögens entscheiden, da sie keine Immobilien haben wollen, die infolge der in den letzten Jahren entstandenen Marktsituation praktisch völlig wertlos sind und gleichzeitig mit höchsten Steuern belastet werden.

Inzwischen ist offensichtlich, dass die Eltern sich nicht trauen, eine Immobilie dem Kind oder einem Verwandten von ihnen zu übereignen. Stattdessen ziehen sie vor, ihren Erben die Wahl der Ausschlagung der Erbschaft zu lassen, um sich nicht nur gegen eventuelle bekannte oder unbekannte Forderungen des Fiskus oder Dritter, aber auch die unvorhersehbaren und untragbaren Lasten eines immobilen Vermögens abzusichern„, betont der der griechische Industrieverband (SEB) und merkt dabei an, dass keine statistischen Angaben über die Ausschlagungen (von Erbschaften) existieren, sie jedoch inzwischen einen fast unabdingbaren Zusatz jeder Sterbeurkunde darstellen.

Entwertung der Immobilien schädigt selbigen Staat

Das Paradoxe ist, dass die Entwertung der Immobilien auch selbigen Staat schädigt. Der Grund liegt darin, dass die gefundene „Lösung“ den Verlust steuerlicher Einnahmen aus der gesunden wirtschaftlichen Aktivität auf die Belastung des Besitzes von Immobilien abwälzt, ohne dabei die Besteuerungsfähigkeit der Haushalte und Unternehmen zu berücksichtigen.

Somit sind in Griechenland die Einnahmen des Staates aus Steuern auf Transaktionen, Wertzuwachs von Immobilien usw. parallel zu dem Rückgang der Preise und Transaktionen gesunken. Die einschlägigen Einnahmen sind sehr viel niedriger als die 500 – 700 Mio. Euro, bei sie sich sogar auch in den Epochen bewegten, als die (besteuerungsrelevanten) Einheitswerte nur 1/3 der Marktwerte betrugen. Die 11% der Transaktionssteuer wurden somit damals in der Praxis zu 3% – 4% gemacht, jedoch betrugen die Einnahmen des Fiskus das Zehnfache und erreichten im Jahr 2007 rund 1,1 Mrd. Euro.

(Quelle: Imerisia)

  1. GR-Block
    4. August 2016, 20:23 | #1

    … dass der Anteil im Eigenbesitz befindlichen Wohnraums in Griechenland von 77,2% im Jahr 2010 auf heute 74% gesunken ist.“ – Jetzt greift die „Umstrukturierung“ der nationalen Wirtschaft. Wenn tatsächlich 157000 Haushalte in Zukunft Miete bezahlen müssen, dann entspricht das einem zusätzlichen Mietmarkt von vielleicht 1 Mrd. € jährlich. Für Immobilienmultis also ein lukratives Häppchen. Wenn GR schließlich deutsche Verhältnisse erreicht haben wird (50% Miete), dann wird der Mietmarkt um 10 Mrd gewachsen sein.
    DAS gehört zu den Vereinbarungen der Memoranden. Alles Gequatsche über die Effizienz des Staatsapparates und dessen „Umstrukturierung“ ist Ablenkung.

  2. Kleoni
    4. August 2016, 21:28 | #2

    auch hier wird wieder ganz deutlich: Umverteilung von unten nach oben, damit die 10% Reichen, die jetzt schon 90% des Volksvermögens besitzen, noch reicher werden.

  3. HJM
    4. August 2016, 23:41 | #3

    Das Wachsen des Mietmarktes gehört zu den Vereinbarungen der Memoranden„. Uff! Was man nicht alles so vereinbaren kann … Aus „meinem“ Dorf kenne ich eigentlich nur Geschichten von klammen Mietern, die 1. nicht zahlen, 2. nicht gehen und 3. dann doch plötzlich „weg“ sind. Da schaut dann auch ein „Immobilienmulti“, der in den Startlöchern sitzt, um am Wachsen des unglaublich profitablen griechischen Mietmarktes gebührend teilzunehmen, ganz schön blöd. Dass die jetzige Überbesteuerung in Griechenland nach Jahrzehnten des laissez-faire völlig hirnrissig ist, bitte, wer wollte dem ernsthaft widersprechen?!

  4. LiFe
    6. August 2016, 12:27 | #4

    Ich sehe es so. Wir haben es mit Spekulanten zu tun, die es auf Immobilien, mehr noch auf Böden abgesehen haben. Wie kriegt man die Leute raus aus den Häusern? Ganz einfach. Immobilienbesitzer überbesteuern, bis ihnen das Wasser bis zum Hals steht!

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