Griechenlands Verschuldung stieg auf 188 Prozent des BIP

25. August 2016 / Aufrufe: 1.200
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Griechenlands öffentliche Verschuldung kletterte Ende Juni 2016 auf 188 Prozent des Bruttosozialprodukts des Landes.

Nach auch der Freigabe der Tranche der 7,5 Mrd. Euro, die den Abschluss der ersten Bewertung besiegelte, „kletterte“ die öffentliche Verschuldung Griechenlands Ende Juni 2016 auf knapp über 328 Mrd. Euro bzw. 188% der Bruttosozialprodukts des Landes.

Es wird erwartet, dass die griechische Verschuldung, deren Umstrukturierung sich in diesen Tagen auf dem Tisch der Diskussionen auf Technokraten-Ebene befindet und wahrscheinlich im September mit der Umsetzung kurzfristiger Maßnahmen „fest gemacht“ werden wird, noch weiter ansteigen wird, da – wahrscheinlich im September – mit der Teilrate von 2,8 Mrd. Euro, aber auch ungefähr 6 Mrd. Euro nach der Vollendung der zweiten Bewertung gerechnet wird.

ESM hält über 2/3 der griechischen Verschuldung

Jedenfalls befindet die griechische Verschuldung sich inzwischen zu ihrem größten Anteil in den Händen der offiziellen Gläubiger des Landes – hauptsächlich in Europa und sekundär beim IWF – und außerhalb des Marktes. Gemäß den Angaben der zentralen Rechnungsstelle des Staates hält der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) ungefähr 69% der griechischen Verschuldung, während im Durchschnitt 79,6% der Verschuldung erst in mehr als 5 Jahren fällig werden.

Aufzeigend ist, dass die letzten Kredite von ESM und IWF für die Tranche der 7,5 Mrd. Euro Fälligkeitsdaten ab 2034 bis 2059 haben. Bei kurzfristigen Krediten, also Krediten, die der Fiskus mittels der Träger der Zentralregierung aufnimmt um seine Liquidität zu stärken, zeigen diese einen Anstieg auf 12,1 Mrd. Euro, gegenüber ungefähr 11 Mrd. Euro, die Ende März 2016 verzeichnet worden waren. Gleichzeitig geht aus den Angaben hervor, dass für fällig gewordene Bürgschaften 647,3 Mio. Euro gezahlt wurden, wovon sich 609 Mio. Euro auf Kredite der Griechischen Eisenbahnbetriebe (OSE) beziehen.

Verteilung der öffentlichen Verschuldung Griechenlands Ende Juni 2016 (in Mrd. €)

Europäischer Stabilitätsmechanismus (ESM) 225,9
Obligationen, kurzfristige Titel 74.5
Kurzfristige Kredite (Repos) 12,1
Spezielle und zwischenstaatliche Kredite 7,2
Sonstige 8.4

Verschuldung Griechenlands Ende des 2. Quartals 2016

Aus dem Bericht über die Entwicklung der Verschuldung der Zentralverwaltung Griechenlands für Ende Juni 2016 geht spezieller hervor:

  1. Die Verschuldung stieg Ende Juni 2016 auf 328,3 Mrd. Euro, gegenüber 321 Mrd. Euro, die Ende März 2016 verzeichnet worden waren.
  2. Die Kassenbestände des Fiskus gestalteten sich auf 3,1 Mrd. Euro, gegenüber 2,1 Mrd. Euro Ende März 2016. (Anmerkung: Diese fiktive Liquidität ist natürlich allein das Resultat logistischer Alchemie und speziell des formlosen Zahlungsstopps im Inland, siehe auch Fiskus in Griechenland schuldet Privatsektor über 7 Mrd Euro.)
  3. Die Höhe der Kreditbürgschaften des Staates erreichte 13,8 Mrd. Euro und lag leicht über den Niveaus von 13,7 Mrd. Euro am Ende des ersten Quartals 2016.
  4. Der handelbare Teil der Verschuldung reduzierte sich leicht auf 22,7% der Gesamtverschuldung (von 23,2% Ende März 2016), während der nicht handelbare Teil der Verschuldung von 76,8% auf 77,3% anstieg.
  5. Der Teil der Verschuldung mit einem variablen Zinssatz wuchs von 68,7% auf
    69,1% an, während der einer festen Verzinsung unterliegende Teil der
    Verschuldung sich von 31,3% auf 30,9% reduzierte. Ziel der anstehenden
    Umstrukturierung der Verschuldung Griechenlands bleibt auch die Handhabung
    des Zinsrisikos wegen der hohen Exposition mit variablen Zinssätzen.
  6. Ein Anteil der Verschuldung von 79,6% hat langfristigen Charakter, wird also in mehr als fünf Jahren auslaufen, 10,1% sind mittelfristigen Charakters mit Fälligkeiten in zwischen 1 – 5 Jahren und der kurzfristige Anteil mit Fälligkeiten von bis zu 1 Jahr entspricht einem Anteil von 10,24% der öffentlichen Verschuldung.

(Quelle: Imerisia)

  1. Kleoni
    25. August 2016, 08:17 | #1

    Schulden mit neuen Schulden decken ist wirtschaftliche Besatzung auf ewige Zeiten – Varoufakis wurde als Phantast beschimpft und belacht, aber er hatte mehr als recht mit seinen Prognosen.

  2. White Tower
    25. August 2016, 09:32 | #2

    Tatsächlich ist es egal wie hoch die Verschuldung Griechenlands ist. Wer kann der kehrt dem Land wirtschaftlich den Rücken … Firmen und Fahrzeuge im benachbarten Ausland anmelden … Bankkonten ebenso und eine starke Abwanderung ins Ausland. Niemand möchte der Ninja Gesellschaft angehören (No income, no job, no assets)

  3. windjob
    25. August 2016, 14:26 | #3

    Es wird immer deutlicher, wie gut Varoufakis ist und wie schlecht Tsipras beraten war, ihn gehen zu lassen. Sicher wäre es für die Griechen hart gewesen, einen zeitweiligen Grexit zu verkraften, aber ist es jetzt besser? Auf jeden Fall hätte bei einer kontrollierten Staatsinsolvenz, wie es Varoufakis wohl vor hatte, Schäuble in die Röhre geschaut und seine schwarze Null abschreiben können. Ich habe immer noch die Hoffnung, dass Varoufakis zurück kommt.

  4. Ronald
    25. August 2016, 22:47 | #4

    Varoufakis war für den grexit und Schäuble wollte ihn verhindern? Bitte diesen informativen Blog etwas sorgfältiger verfolgen: Warum Schäuble Griechenland aus der Eurozone drängen will

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