Griechenland: Varoufakis hatte Recht!

2. August 2016 / Aufrufe: 5.300
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Leider sehr spät erweist sich, dass der Wirtschaftswissenschaftler und Griechenlands ehemalige Finanzminister Yanis Varoufakis in Bezug auf den IWF recht hatte!

Der Bericht einer internen Dienststelle des Internationalen Währungsfonds (IWF) enthüllte, dass der selbige Fonds zu der Schlussfolgerung gelangte, „bei der Umstrukturierung der griechischen Verschuldung begingen wir einen Fehler„.

Wenn auch – respektive zu – spät gibt all dies dem renommierten Wirtschaftswissenschaftler und ehemaligen Finanzminister Griechenlands, Yanis Varoufakis, bezüglich der Machenschaften des IWF vollumfänglich recht!

Von Lagarde blockierter Bericht dokumentiert die Fehler des IWF

Der jüngst auch offiziell an die Öffentlichkeit gegebene Bericht der unabhängigen Bewertungsstelle des Fonds (Independent Evaluation Office- ΙΕΟ) stellt eine Selbstkritik bezüglich der Fehler dar, die der Internationale Währungsfonds bei dem ersten Memorandum, sprich dem ersten Finanzierungsprogramm für Griechenland beging. (Ergänzend sei angemerkt, dass besagter Bericht schon vor geraumer Zeit partiell „durchsickerte“, jedoch von IWF-Chefin Christine Lagarde persönlich, die sich inzwischen auch vor der französischen Justiz zu verantworten hat, bisher zweckdienlich zurückgehalten wurde.)

Wie sehr unterschiedliche Situationen hätte Griechenland durchlebt, wenn im Frühjahr 2010 – also damals, als es zum ersten Mal mit den Memoranden Bekanntschaft machte – der Internationale Währungsfonds nicht die Finanzierung für Griechenland „abgenickt“ hätte, ohne dass mittels einer tapferen parallelen Umschuldung die Tragfähigkeit der Verschuldung Griechenlands sichergestellt worden war?

Diese riesige Frage stellt die Essenz des Berichts der unabhängigen Bewertungsstelle dar, in dem auch die falschen Züge des Fonds bei der Handhabung der griechischen Krise angemerkt werden. An verschiedenen Stellen des Berichts wird hervorgehoben, die große Lehre, die der Fonds aus der griechischen Krise erteilt bekam, bestehe darin, sich nicht mit den Europäern arrangiert gedurft zu haben, als der IWF feststellte, dass der Verschuldung nicht ohne eine mutige Umschuldung zu begegnen war. Also damals, als die Europäische Kommission, die Europäische Zentralbank (EZB) und gewisse Regierungen der Eurozone sich aus wirtschaftlichen, technischen, rechtlichen und politischen Gründen einer eventuellen Umstrukturierung der öffentlichen Verschuldung Griechenlands senkrecht entgegen stellten.

Varoufakis hatte von Anfang an Recht!

Etwas in unserem Gedächtnis zurückblätternd werden wir uns daran erinnern, dass Yanis Varoufakis, als er (Finanz-) Minister war, mit all diesen („Institutionen“) verhandelte. Es war genau der selbe Zeitraum, in dem viele Massenmedien mit überhaupt nicht „gnädigen“ Charakterisierungen berichteten, „muss Varoufakis das Ministerium verlassen, weil er ständig auf Reisen ist und sich niemals in seinem Büro befindet?„. Ebenfalls gab es viele Stimmen, laut denen „dieser Typ, der an Bruce Willis erinnern möchte, nicht vermag ist, die Verhandlungen (mit den Gläubigern Griechenlands) zu koordinieren„.

Wie sich diese Vorwürfe ergaben? Weil Varoufakis erklärt hatte, der IWF, die EZB und die Kommission hätten Griechenland von 2010 bis 2014 einem „Waterboarding“ unterzogen, und dass sie mit den Maßnahmen, die sie Griechenland aufzwangen, eine große Rezession verursacht hatten. Welche die Argumente bei den Vorwürfen der in Rede stehenden Massenmedien waren? „Also Leute, es schickt sich nicht, dass der Finanzminister eines bankrotten Landes erklärt, sein Land sei einem ‚Waterboarding‘ unterzogen worden.

Kurz gesagt? Sie „watschten“ Varoufakis wegen des Offensichtlichen ab. Für das, was wir alle alltäglich auf unserer Haut erleben, wobei wir von den Schulden jeder Natur nicht zu Atem kommen, und zwar in dem selben Moment, wo ungefähr 30% des nationalen Einkommens durch die Griechenland (auch) von dem IWF aufgezwungene Politik „immaterialisiert“ wurden. Nun, wo gerade einmal ein Jahr seit Varoufakis‘ Entfernung aus der Regierung verstrichen ist, und unabhängig davon, ob es uns scheint, als seien viele Jahre über die Mühle des Jahrhunderts der Krise geflossen, die wir durchleben, vermag noch jemand – sei es auch verspätet – Yanis‘ damaligen Zügen nicht zuzustimmen?

Der selbe Bericht der unabhängigen Bewertungsstelle des Internationalen Währungsfonds führt ganz klar an, die Strategie des griechischen Programms sei unsicher gewesen und fokussierte sich auf eine außergewöhnlich starke und zeitnah ausgerichtete fiskalische Konsolidierung, wobei eine Reihe übermäßig optimistischer Prognosen adoptiert wurde. Das Thema ist jedenfalls, dass der – wie damals vielen erscheinende – pessimistische Varoufakis nun doch endlich recht bekommt. Und inzwischen erklären sich auch viele Momente der „memorandischen“ Vergangenheit Griechenlands …

(Quelle: tvxs.gr, Autor: Alexandros Exarchos)

  1. windjob
    2. August 2016, 04:36 | #1

    Es wird Zeit, dass GR diesen Mann endlich wieder an Bord holt und wenn dies Herrn Schäuble nicht passt, soll er halt gehen. Ist sowieso schon lange überfällig. Auch wenn er manchmal eine etwas schnoddrige Art hat, er ist sachkundig und hat Erfahrung und genau dies braucht Griechenland.

  2. weekend
    2. August 2016, 12:29 | #2

    Sehe ich auch so, dass Varoufakis recht hatte – und weil der die Wahrheit aussprach, wurde er so lange gemobbt, bis er gehen „musste“. Erschreckende Erkenntnis: Jeder der die Wahrheit sagt, passt nicht in das Konzept der EU oder er wird so zurechtgebogen, bis es passt!

  3. Paul
    2. August 2016, 12:30 | #3

    bei der Umstrukturierung der griechischen Verschuldung begingen wir einen Fehler„ – Ein „Fehler“ war es ja nur für die Griechen – für die Profiteure ein gelungener Coup.

  4. N. Ritter
    2. August 2016, 20:05 | #4

    Wenn Herr Schäuble endlich in den Ruhestand verschwände, wäre das nicht nur für Griechenland eine Erlösung.

  5. GR-Block
    2. August 2016, 21:45 | #5

    Leider sehr spät erweist sich, dass der Wirtschaftswissenschaftler und Griechenlands ehemalige Finanzminister Yanis Varoufakis in Bezug auf den IWF recht hatte!“ – Falsch, der Artikel verschleiert die Wahrheit. Irgend jemand wirft hier Nebelbomben.

    Es war von Anfang an klar, dass der Professor für Ökonomie Recht hatte. Schließlich hatte er genau deshalb 2015 seinen Posten als Finanzminister bekommen. Er war entschiedener Kritiker seines ehemaligen Klienten Papandreou als sich dieser 2010 von Strauss-Kahn und der EU einen wahnwitzigen 110 Mrd € Kredit aufzwingen ließ, ganz ohne Entschuldungskonzept. Ihm war nämlich klar, dass die EU weitere Zwangskredite plante. GR sollte als Modell für alle Vasallenstaaten des zukünftigen Binnenmarktes durch Zwangsschulden gebunden werden.
    Daraufhin hat Obama 2011 Strauss-Kahn juristisch den Marsch geblasen und gefeuert und gleichzeitig das Gespann Tsipras/Varoufakis gestützt. Als sich Papandreou weigerte seinen Zwangskredit auszuschöpfen konnte sich die EU 2012 noch einmal durchsetzen, indem sie Samaras stützte, der zum Dank 165 Mrd. € Zwangskredit unterschrieb (130 neue +35 von Papandreou nicht abgerufene Mrd).
    Daraufhin setzte auf amerikanischem Druck Christine Lagarde eine interne Untersuchung gegen Strauss-Kahn ein, die schon 2014 erklärte, dass die Troika unter der Leitung des damaligen IWF-Chefs von falschen/gefälschten Wirtschaftsdaten ausging. Schließlich setzten sich 2015 die Amerikaner durch und das Gespann bestehend aus dem „Kommunisten“ Tsipras und den Keynesianer Varoufakis gewann die Wahlen. Bis zur 86 Mrd teuren Tsipriotischen Wende, als das linke Pferd im Gespann plötzlich alleine aber rechts weiter galoppierte.

    Jetzt hat wieder die EU die Oberhand und greift Lagarde juristisch an. Dazu könnte passen, dass gerade jetzt „entdeckt“ wird, dass der IWF getrickst hatte. Nur … damals war der IWF-Chef der EU-treue Strauss-Kahn, heute ist es die US-treue Lagarde. Die EU wirft Nebelbomben.

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