Neuer Markt-Knall in Griechenland

3. Juli 2016 / Aufrufe: 1.233
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In Griechenland reiht sich der Antrag einer der ältesten Mineralölgesellschaften auf Gläubigerschutz in den Reigen der spektakulären Insolvenzen ein.

Eine der ältesten Mineralölgesellschaften Griechenlands, nämlich die Mamidoil – Jetoil der Familie Mamidakis, flüchtete sich jüngst zum Schutz vor ihren Gläubigern unter den Artikel 99 der griechischen Insolvenzordnung.

Die Gesellschaft befand sich in letzter Zeit in ernsthaften wirtschaftlichen Schwierigkeiten, was zum Resultat hatte, dass sie den größten Teil ihres (Vertriebs-) Netzes verlor, das sie nicht mehr mit Treibstoffen zu beliefern vermochte, weil sie nicht über die erforderliche Liquidität für die Vorausbezahlung der Liefermengen verfügte.

Insolvenzantrag trotz erheblicher Vermögenswerte

Das Problem der Mamidoil – Jetoil war in den Perioden hoher (Treibstoff-) Preise besonders intensiv, wobei auch das griechische Banksystem nicht vermochte, die Liquidität der Gesellschaft zu finanzieren. Marktfaktoren zufolge „verlor“ die Gesellschaft somit hunderte Tankstellen auf der Peloponnes und im Großraum Attika und beschränkte ihre Präsenz auf die Insel Kreta. Die Einreichung des Antrags auf Gläubigerschutz beim Landgericht erfolgte bereits am 09 Juni 2016, während die Hauptverhandlung am 01 November 2016 stattfinden soll. (Bis dahin ist die Gesellschaft per einstweiliger Verfügungen und Sicherungsmaßnahmen vor Zugriffen ihrer Gläubiger geschützt.)

In der Bilanz für das Jahr 2014 weist die Gesellschaft Verbindlichkeiten von insgesamt ungefähr 320 Mio. Euro aus, während das von ihr beschäftigte Personal rund 200 Personen zählt. Die Mamidoil ist die erste Handelsgesellschaft, die bei der Einreichung eines Antrags auf Schutz vor ihren Gläubigern angelangt, während sie Quellen des Marktes zufolge weiterhin über signifikante Vermögenswerte wie beispielsweise die firmeneigenen Lagereinrichtungen in Thessaloniki verfügt.

Das Netz der Gesellschaft und ihre Lageranlagen stellten in den letzten zehn Jahren etliche Male Gegenstand einer Verhandlung mit Investoren dar, ohne jedoch zu einem Ergebnis zu gelangen. In der jüngsten Vergangenheit und bevor die Gesellschaft den größten Teil ihres (Tankstellen- / Vertriebs-) Netzes verlor, hatte eine große russische Gesellschaft Interesse gezeigt, die sich auf den griechischen Markt erweitern wollte.

Wo die Mamidoil Schulden hat und worauf sie hofft

Die Bankkredite des Konzerns in Höhe von 189,2 Mio. Euro verteilen sich auch laut dem Antrag auf Gläubigerschutz hauptsächlich auf die nachstehenden (griechischen) Banken und sind durch Sicherheiten gedeckt:

  • Nationalbank: 50,5 Mio. €
  • Attika-Bank: 12,66 Mio. €
  • Piräus-Bank: 36,4 Mio. €
  • Alpha-Bank: 62,28 Mio. €
  • Eurobank: 41,55 Mio. €

Ohne Deckung sind dagegen die Verbindlichkeiten der Gesellschaft an Lieferanten und für Leasing-Mietungen. Letztere belaufen sich auf 12,8 Mio. Euro, und angesichts der Tatsache, dass sie sich auf Bankgesellschaften beziehen, übersteigen die Verbindlichkeiten der Mamidoil an die griechischen Banken 200 Millionen Euro.

Was wiederum die Lieferanten betrifft, beläuft sich die Höhe der nicht durch Sicherheiten gedeckten Verbindlichkeiten auf 77,8 Mio. Euro, 9,21 Mio. Euro betreffen fällige Wechsel und Schecks und 13,15 Mio. Euro Verbindlichkeiten an sonstige nicht Besicherte.

Angesichts der Tatsache, dass ihr Hauptlieferant die Raffinerien der Hellenic Petroleum (HELPE) sind, wendete euro2day.gr sich an die Zuständigen der HELPE – um die Antwort zu erhalten, es seien alle erforderlichen Maßnahmen zur Verteidigung ihrer Interessen ergriffen worden. Der Konzern behielt sich vor, am Montag Stellung zu dem Thema zu beziehen.

Marktquellen zufolge war jedenfalls in den letzten sieben Monaten die Belieferung der Mamidoil wegen der misslichen Situation, in die sie geraten war, mit Treibstoffen durch die griechischen Raffinerien eingestellt worden. Weiter belaufen sich die Verbindlichkeiten der Gesellschaft an den Fiskus und die Versicherungskassen auf 8,09 Mio. Euro.

Plan für Umstrukturierung und Sanierung der Mamidoil

Mit ihrem Antrag auf Schutz vor ihren Gläubigern vertritt die Gesellschaft, ein Programm zur Umstrukturierung der Verwaltung und Aktivitäten zur Umsetzung bringen zu werden, mit dem sie ihren Anteil am Inlandsmarkt zu steigern hofft.

Ebenfalls wird sie mittels der Umsetzung aggressiver Marketing-Politiken auf die Anziehung neuer Kunden-Kategorien abzielen, während sie als Vorteile für das Vorankommen ihrer Pläne die guten Beziehungen zu den Lieferanten und den guten Namen des Konzerns auf dem griechischen Markt benennt.

(Quelle: euro2day.gr, Autor: Michalis Kaitantzidis)

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