Neue Pleitewelle in Griechenland

8. Juli 2016 / Aufrufe: 1.591
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In Griechenland wird mit einer neuen Welle von Unternehmensschließungen gerechnet, da tausende Unternehmer sich inzwischen in purer Verzweiflung befinden.

Die „Talfahrt“ der griechischen Wirtschaft, die sich unter der Last der Überbesteuerung und des Liquiditätsmangels nicht zu erholen vermag, setzt sich ungebremst fort.

Die Erzielung einer Einigung zwischen Griechenland und den sogenannten Institutionen (sprich Gläubigern des Landes) mag momentan ein Klima der Zuversicht bezüglich des „Tags danach“ geschaffen haben, die dramatischen Entwicklungen im Fall der Firmen Marinopoulos und Jetoil kommen jedoch, um auf die traurigste Weise klarzustellen, dass der Weg zum Aufschwung lang und schwierig bleibt.

Fast alle Unternehmen in Griechenland begegnen ernsthaften Problemen

Marktfaktoren verbergen nicht ihre Beunruhigung über die Verschlechterung des Klimas und betonen, dass die Lage, sofern die Umstände sich nicht radikal ändern, schlimmer werden und einen … totalen Krach in der Wirtschaft bringen wird, mit unberechenbaren Folgen für die Arbeitsplätze. „Es gibt keine weitere Widerstandsfähigkeit mehr. Die Spielräume sind gefährlich eng geworden … . Die Marinopoulos ist möglicherweise nur die Spitze des Eisbergs„, warnen sie offenkundig verzweifelt.

Unabhängig von ihrer Größe und der Branche, in der sie tätig sind, begegnet in Griechenland die überwältigende Mehrheit der Unternehmen bereits ernsthaften Problemen, während die Gewerbetreibenden, die sich mit dem Rücken an der Wand befinden und unfähig erklären, ihren Verpflichtungen an die Lieferanten, Beschäftigten und öffentlichen Kassen zu entsprechen, tausende zählen.

Es wird veranschlagt, dass 2016 im ersten Halbjahr 15.409 Unternehmen schlossen, darunter die „Ilektroniki“ und das „Ledra Hotel“, während auch die Anzahl der während des selben Zeitraums neu gegründeten Unternehmen im Verhältnis zu dem entsprechenden Zeitraum des Jahres 2015 um 3.000 geringer war.

Überbesteuerung vertieft Krise und Rezession in Griechenland

Unter Druck bleibt zur selben Stunde der Konsum sogar auch im Lebensmittel-Einzelhandel, der als einer der widerstandsfähigsten Sektoren gilt, während viele Investitionspläne wegen der negativen Prognosen bezüglich des Verlaufs des BIP „auf Eis gelegt“ bleiben. Das schwere Steuerpaket, für das die griechische Regierung sich entschied, um die Vereinbarung (mit den Gläubigern) zum Abschluss zu bringen, hat bereits ernsthafte Auswirkungen auf den Verlauf der Nachfrage, die in den Keller sinkt … .

Das ungünstige Umfeld verstärkt den Liquiditätsmangel, der trotz der von Zeit zu Zeit geleisteten Versicherungen weiterhin das große Problem darstellt, während die sich hoffnungslos verzögernde Umschuldung der problematischen Kredite eine „Schlinge“ darstellt.

Zu all diesem ist die negative Psychologie der Konsumenten hinzuzurechnen, die ihre Ausgaben auf das absolut Notwendige beschränken. „Solange keine Lösungen für die Probleme der realen Wirtschaft gegeben und (stattdessen) neue Steuern verhängt werden, um so mehr wird die Rezession sich vertiefen und der Ausgang aus der Krise in die Ferne rücken„, unterstreicht ein hochrangiger Funktionär aus dem Raum des Einzelhandels.

Griechenland braucht … Investitionsschock von bis zu 100 Mrd. Euro!

Als möglicher Ausweg … aus der sich gestalteten Sackgasse wird nur die Anziehung neuer Investitionen betrachtet, vorrangig auf den produktiven Sektoren der Wirtschaft, die neue Arbeitsplätze zu schaffen vermögen.

Mit der Tatsache als gegeben, dass die Erleichterung der steuerlichen Belastungen in dem gegebenen Zeitpunkt nicht möglich ist, schätzen Experten ein, dass bis 2020 bis zu 100 Mrd. Euro nach Griechenland fließen müssen, damit sich ein tragfähiger Wachstumskurs festigt und das Land endgültig aus der Krise herauskommt.

In diesem Rahmen wird die Liberalisierung der in einem großen Grad weiterhin abgeschottet bleibenden Märkte und die Gewährung steuerlicher und anderer Anreize vorgeschlagen, die einen Magnet für internationales und inländisches Investitionskapital darstellen werden. Auf diesem Punkt stehen auch Spitzen-Amtsträger in Europa, die Griechenland ermuntern, die Realisierung der strukturellen Änderungen zu beschleunigen.

Mangelnde Finanzierung und astronomische Inlandsverschuldung

Als kritisch gelten ebenfalls die Wiederherstellung der Bankfinanzierungen, die weiterhin mit niedrigen Rhythmen gewährt werden, und die Tilgung der Schulden des Fiskus an den privaten Sektor, die den astronomischen Betrag von 6 Mrd. Euro tangieren. Wie Repräsentanten von Trägern und Unternehmer meinen, wird dieser Zug dem Markt tiefe „Atemzüge“ gewähren und etlichen Unternehmen gestatten, ihre Investitionspläne innerhalb und außerhalb der Landesgrenzen „aufzutauen“.

Die Begleichung der (anhängigen) Mehrwertsteuer-Erstattungen, die der Staat den Exportunternehmen schuldet, wird die Atemnot einschränken und den Exporten, die in letzter Zeit Anzeichen einer Stagnation zeigen, Antrieb verleihen„, merken charakteristisch Funktionäre aus dem Raum der Exporte an. Im weiteren Verlauf muss – wie erachtet wird – eine schrittweise Aufhebung der (seit inzwischen einem Jahr bestehenden!) Kapitalverkehrskontrollen erfolgen, die an der Front der Privatisierungen unternommene Bemühung intensiviert werden und eine richtige Handhabung der sogenannten „roten“ Unternehmenskredite erfolgen, die riesige Mittel an die gesunde Wirtschaft freigeben und parallel auch den zu Lasten der übrigen Unternehmen fungierenden „Skeletten“ ein endgültiges Ende setzen wird.

(Quelle: Imerisia, Autor: Giorgos Manettas)

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