Mittelalterliche Arbeitsumstände in Griechenland

23. Juli 2016 / Aufrufe: 1.430
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Infolge sogenannter flexibler Arbeitsverhältnisse und unverschämter Ausbeutung verdienen in Griechenland 127000 Arbeitnehmer weniger als 100 Euro brutto im Monat.

Die immer schlimmere Schrumpfung der Einkommen der Arbeitnehmer, den steilen Anstieg der Arbeitslosigkeit, das Vorherrschen der flexiblen Beschäftigungsformen und den Absturz der Löhne in den letzten fünf „memorandischen“ Jahren in Griechenland gibt ein Positionspapier über die Arbeitsverhältnisse wieder, das von dem griechischen Arbeitsministerium an den Sachverständigen-Ausschuss übermittelt wurde.

Das besagte Positionspapier reflektiert die tragischen Umstände, unter denen tausende Bürger zu leben gezwungen sind, da ihr Monatslohn … 100 Euro nicht übersteigt.

Hunderttausende neu-arme Arbeitnehmer in Griechenland

Die Angaben des Arbeitsministeriums enthalten detaillierte Fakten über die Lohnungleichheiten und „fotografieren“ eine große Kategorie Neu-Armer, die mit ärmlichen Bezügen entlohnt werden, die sehr viel geringer als sogar die von der Arbeitsbehörde (OAED) gezahlte Arbeitslosenhilfe in Höhe von 360 Euro ist.

Gemäß den Daten des Ministeriums werden 126.956 Arbeitnehmer mit monatlichen Brutto-Bezügen in Höhe von bis zu 100 Euro entlohnt. Insgesamt 343.760 Arbeitnehmer werden mit monatlichen Bezügen ab 100 bis zu 400 Euro brutto entlohnt. Praktisch handelt es sich um Arbeitnehmer mit Teilzeitarbeitsverträgen oder wechselweiser Beschäftigung an 2, 3 Tagen oder sogar auch nur wenigen Stunden in der Woche.

Es ist anzumerken wert, dass gemäß den Daten der IKA der Durchschnittslohn für Teilzeitarbeit sich bei 400 bis 420 Euro brutto im Monat bewegt. Aus diesen Angaben geht hervor, dass in Griechenland die Anzahl der neu-armen Arbeitnehmer, die mit Bezügen von bis zu 510 Euro brutto entlohnt werden, sich auf insgesamt 432.033 Personen beläuft.

Monatlicher Bruttoverdienst Anzahl der Arbeitnehmer
unter 100 € 126.956
100 – 200 € 54.208
200 – 300 € 66.312
300 – 400 € 96.284
400 – 500 € 70.485
500 – 510,94  € 4.814
510 € 12.974
511 – 584 € 45.412
586 € 82.488
587 – 700 € 162.426
700 – 800 € 135.558
800 – 900 € 113.019
900 – 1.000 € 99.285

Quelle der aufgelisteten Daten: Arbeitsministerium Griechenlands
Anmerkungen: 510,94 Euro ist der Basislohn (sprich gesetzliche Mindestlohn) für Arbeitnehmer im Alter von bis zu 25 Jahren und 586 Euro für Arbeitnehmer im Alter von über 25 Jahren.

Anstieg „flexibler“ Beschäftigungsformen um 100%

Aus den Daten des ERGANIS-Systems des Arbeitsministeriums geht hervor, dass in dem Zeitraum ab 01/07/2013 bis einschließlich Juni 2016 insgesamt 152.636 Verträge von Vollzeit- in Teilzeitarbeitsverträge oder Verträge über tage- / stundenweise Beschäftigung umgewandelt wurden. Aus den selben Daten ergibt sich, dass es ab 2013 und nachfolgend jedes Jahr eine beständige Zunahme der Umwandlung von Vollzeit- in Teilzeitarbeitsverträge umgewandelt werden.

Laut den Daten der Eurostat haben die Formen flexibler Beschäftigung ab 2004 und nachfolgend eine steile Zunahme von 100% erfahren. Aus den Daten des griechischen Arbeitsministeriums wiederum geht hervor, dass die Branchen-Tarifverträge eine vom „Aussterben bedrohte Spezies“ sind, während dagegen in den letzten drei Jahren sogenannte Unternehmens- / Werkverträge vorherrschen.

Weiter ergibt sich aus den Angaben der Eurostat, dass die (gesetzlichen) Mindestlöhne in Griechenland im Vergleich zu den Löhnen anderer Länder nach 2012 eine drastische Kürzung um 192,86 Euro erfuhren, als mit der Unterzeichnung des zweiten Memorandums die Möglichkeit der sogenannten sozialen Partner abgeschafft wurde, die (Tarif-) Löhne frei auszuhandeln.

Nach 2012 blieben die Mindestlöhne dieser Länder sogar nicht auf den selben Niveaus, sondern zeigten Erhöhungen – entweder marginale, wie in Spanien, wo sie sich gegenüber 748,30 Euro im Jahr 2011 auf 756,70 Euro im Jahr 2015 beliefen, und auf Malta (gegenüber 664,95 Euro auf 720,46 Euro heute), während im Fall Sloweniens sogar eine signifikante Erhöhung gab, da der Mindestlohn von 748,10 Euro im Jahr 2011 im Jahr 2015 den Betrag von 790,73 Euro erreichte.

(Quellen: dikaiologitika.gr, Imerisia)

  1. Kleoni
    23. Juli 2016, 08:55 | #1

    Die Arbeitnehmer müssen weltweit für die Fehler der Politiker büssen. Im Gegensatz zu Griechenland werden in Deutschland die Ausbeuterfirmen noch vom Staat subventioniert, indem die Arbeitnehmer teilweise Zuschüsse (Hartz IV) zum Lebensunterhalt bekommen. Viele sind gezwungen 1-2 Jobs zusätzlich anzunehmen, damit sie – vor allem in den Städten – die überteuerten Mietwohnungen bezahlen können.
    In Griechenland will man allerdings die Löhne zugunsten der Ausbeuter so runterschrauben, dass ein Näher in Bangladesh bald mehr verdient. So etwas nennt man FRONDIENST :/ So lebten die Untertanen der Adeligen bis ins frühe 20. Jahrhundert. Heute beuten die Wirtschaftsvögte genau in diesem Stil die Menschen aus.

  2. weekend
    23. Juli 2016, 12:29 | #2

    Wie war das … mit der EU wird alles besser …? Nicht nur, dass die Loehne sehr niedrig sind, die Lebenshaltungskosten wurden insgesamt teurer und durch Reformen die von der EU gefordert wurden, wurden Renten immens gekuerzt, viele Steuern erhoeht und neue Steuern wurden erhoben. Fischfangquoten lassen es kaum mehr zu, dass Fischer, die sich vorher ausschliesslich vom Fischen ernaehren konnten, nicht mehr gewaehrleistet ist. Durch Privatisierungen gehen dem griechischen Staat wieder zigMillionen verloren und fliessen in die Taschen von Lobbyisten – was der griechischen Bevoelkerung fehlt. Die grossen Supermaerkte machen die Preise von der Landwirtschaft kaputt und die Politik schaut zu, usw.

  3. windjob
    23. Juli 2016, 14:26 | #3

    Dies alles lässt sich doch in einem Satz beschreiben: Die EU ist insgesamt gescheitert.

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