Griechenlands Rentenkassen brechen zusammen

29. Juli 2016 / Aufrufe: 2.948
Einen Kommentar schreiben Kommentare

Die Explosion der Verbindlichkeiten an die Kassen in Griechenland gefährdet ernsthaft die Renten, während zigtausende Rentner erneut empfindliche Kürzungen ihrer Bezüge sehen.

Die Gesamtschulden an die Versicherungskassen in Griechenland übersteigen 25 Mrd. Euro. Davon sind Forderungen in Höhe von 16,6 Mrd. Euro an die Zentrale für Beitreibung für Versicherungsschulden (KEAO) weitergeleitet worden, da sie sich auf Personen mit Verbindlichkeiten von jeweils über 5.000 Euro beziehen.

Derzeit befinden sich 147.300 Kassen-Schuldner in einer Ratenzahlungsvereinbarung. Davon werden gerade einmal 50.200 Vereinbarungen weiterhin regulär bedient. Von den übrigen Regulierungen sind 88.200 annulliert und nur 8.840 vollendet worden.

Versicherungsgesetz schreckt von Versicherung ab

All dies bezieht sich auf die heutige Situation, da laut dem TV-Sender Star auf Basis der neuen Bestimmungen des Versicherungsgesetzes („Lex Katroungkalos“) die Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung für Gewerbetreibende (Freiberufler, Selbständige, Landwirte usw.) ab dem 01/01/2017 in die Höhe schießen – womit eine neue Explosion fälliger Verbindlichkeiten an die Kassen droht …

Die Schulden an die Versicherungskassen sind in die Höhe geschossen und werden fortan mit geometrischen Fortschritt zunehmen. Das neue Versicherungsgesetz schafft starke Momente der Abschreckung, konsequent seinen Verpflichtungen nachzukommen, sprich Beiträge ohne Gegenleistung einzuzahlen. Dies wird sich früher oder später auch in der Höhe der analogen (sprich beitragsbasierten) Rente abzeichnen, die sich – wie ich in Erinnerung rufe – ausschließlich aus den Beiträgen finanzieren werden wird„, betonte gegenüber dem Kanal Antonis Kourouklis, Vorsitzender (des Berufsverbands) der Beschäftigten der Versicherungskassen.

Es ist beeindruckend, dass auf Basis der offiziellen Angaben der Zentrale für die Beitreibung von Versicherungsbeiträgen (KEAO) allein in den letzten drei Monaten die Verbindlichkeiten an die Kassen um 1 Mrd. Euro anstiegen.

„Heißer“ Sommer für zigtausende Rentner in Griechenland

Nach dem jüngsten neuen Schock für Rentner in Griechenland wartet ein „heißer“ August auf hunderttausende Rentner, die ab dem 02 August 2016 erneute Kürzungen ihrer Rentenbezüge sehen werden, da der erste „Schnitt“ auf Basis der neuen Bestimmungen des Versicherungsgesetzes fällig ist – und zwar rückwirkend ab Juni bzw. in bestimmten Fällen sogar rückwirkend ab Anfang 2016!

Die neuen Kürzungen betreffen alle Rentner, die insgesamt (Hauptrente plus Zusatzrente) über 1.300 Euro (brutto) beziehen. Die Kürzungen werden mittels der Neuberechnung der Renten mit einem neuen Ergänzungsfaktor der Größenordnung von 0,45% pro Jahr erfolgen. Das „Messer“ wird folglich hauptsächlich die Renten treffen, die in der Vergangenheit mit einem hohen Ergänzungssatz berechnet wurden. Konkreter wird die Neuberechnung von 1,2 Mio. Zusatzrenten in zwei Phasen auf Basis der neuen Ergänzungsfaktoren erfolgen, welche die „Lex Katrougkalos“ vorsieht:

  • Die erste Phase der Neuberechnung der von der Einheits-Zusatzversicherungskasse gezahlten Renten kommt im August 2016 und betrifft hauptsächlich die Zusatzrenten des öffentlichen Sektors. Damit werden schätzungsweise 10.000 – 12.000 Zusatzrenten Kürzungen erfahren.
  • Die zweite Phase wird im September 2016 kommen und die Zusatzrenten der ehemaligen öffentlichen Unternehmen und Organismen und des privaten Sektors betreffen. Den ersten Einschätzungen zufolge werden ungefähr 160.000 Rentner des privaten Sektors (sprich der Kasse IKA-ETAM), Schifffahrts-Agenten, Bedienstete der Öffentlichen Elektrizitätsgesellschaft (DEI), ehemalige Angestellte der Banken Alpha und Emporiki, Rechtsanwälte und Seeleute betroffen sein.

Gemäß der „Lex Katrougkalos“ wird die Neuberechnung jedes Jahr auf Basis der neuen Ergänzungsfaktoren (0,40%), der demographischen Fakten und des fiktiven Erstattungssatzes erfolgen, der auf die insgesamt gezahlten Beiträge zur Anwendung kommen wird.

Dies bedeutet, dass eine Zusatzrente, wenn sie zusammen mit der entsprechenden Hauptrente zu einem Gesamtbetrag von über 1.300 Euro führt, dann nach ihrer Neuberechnung nach unten angeglichen, sprich gekürzt wird. Falls die Summe der bis zum 12 Mai 2016 gezahlten Haupt- und Zusatzrenten geringer oder gleich 1.300 Euro ist, wird die Differenz zwischen der bisher gezahlten und nunmehr neu berechneten Zusatzrente als sogenannte „persönliche Differenz“ für jeden Rentner aufrecht erhalten, sprich weiterhin gezahlt. (Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass es sich um eine bis 2018 befristete Übergangsregelung handelt!)

(Quellen: Imerisia, Imerisia)

KategorienSozialwesen
Tags:
  1. Bisher keine Kommentare
  1. Bisher keine Trackbacks

Hinweis: Kommentare werden erst nach Freischaltung durch einen Administrator sichtbar.
Bitte beachten Sie die Hinweise und Regeln bezüglich der Abgabe von Leserkommentaren.