Brexit als Chance für Griechenland?

1. Juli 2016 / Aufrufe: 1.374
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Laut dem SEB bietet der Brexit Griechenland eine einmalige Gelegenheit, mit Piräus die Position Londons einzunehmen.

Der griechische Unternehmens- und Industrieverband (SEB) betont in seinem Wochenbericht über die wirtschaftlichen Entwicklungen anlässlich des britischen Referendums, Griechenland habe eine einmalige Gelegenheit, die Hafenstadt Piräus zu einem großen Seefahrts- und Versicherungszentrum zu entwickeln und London als wirtschaftliches Seefahrts-Servicezentrum zu substituieren.

Der Verband beruft sich auf den ehemaligen Präsidenten der Seefahrtskammer Griechenlands, Georgios Gratsos, laut dem jährlich ungefähr 45 Mrd. Euro nach Großbritannien fließen, wozu die Seefahrt mit nur ¼ der in griechischem Besitz befindlichen Flotte beiträgt, und in den Seefahrtszweigen der Charterungen, Versicherungen, Hafen-Services usw. fast 600.000 Personen beschäftigt sind.

Brexit wird Griechenlands Wirtschaft kaum beeinflussen

Zusätzlich ist – wie angeführt wird – der griechische (Schiffs-) Klassifikationsträger fast inexistent, während der norwegische, der bereits mit dem deutschen fusionierte, 10.500 Bedienstete in 300 Büros auf der ganzen Welt hat und 15% der weltweiten Transportkapazität beobachtet (also fast so viel, wie die Transportkapazität der in griechischem Besitz befindlichen Schifffahrt beträgt).

(Der Hafen) Piräus, wo es bereits über 800 Betriebsgesellschaften und kleine periphere Büros mit der Seefahrt in Zusammenhang stehender ausländischer Gesellschaften gibt, hat die Möglichkeiten, die erste Kraft in der Branche der Seefahrt zu werden, speziell jetzt, wo er zu einem großen Umschlaghafen wird. Alles setzt allerdings voraus, dass mit dem geeigneten stabilen Steuersystem und institutionellen Rahmen ein Klima zur Anziehung von Schifffahrtsagenturen jeder Art geschaffen wird. All dies könnte auch ohne den Brexit geschehen. Jedoch präsentiert sich die Gelegenheit heute erneut und vielleicht hat es nunmehr die Stunde geschlagen, dass wir aktiv werden„, betont der SEB.

Der Verband charakterisiert das Ergebnis des britischen Referendums als unermesslich schweren Schlag für die europäische Vereinigung, schätzt jedoch ein, die Briten werden letztendlich ihren Weg finden werden, aber auch, dass die griechische Wirtschaft abgesehen von der zusätzlichen rezessiven Auswirkung durch die eventuelle Verlangsamung der europäischen Wirtschaft auf finanzieller Ebene relativ unbeeinträchtigt bleiben werden wird.

Griechenland darf sich keine Extravaganzen mehr erlauben

Der SEB ruft die EU auf, sich „mit größerer Effizienz den Themen sozialen Zusammenhalts zu widmen und ein Umfeld größerer Sicherheit für die Bürger und spezieller für die am meisten Verwundbaren zu schaffen, ohne die Prinzipien der offenen Gesellschaft und Wirtschaft zu untergraben„. Er merkt ebenfalls an, die Märkte, aber auch die Führungen in der Eurozone zeigen inzwischen immer weniger Geduld für die wirtschaftliche und politische Ungewissheit, und aus diesem Grund „wäre es ein unzulässiges und irrationales Verhalten, wenn wir die Umsetzung des Programms (Anmerkung: gemeint ist das Memorandum) lockern und die Verhandlungen bezüglich der kommenden Bewertungen wie in der Vergangenheit zu verzögern. Inzwischen existieren weder die Bereitschaft noch die Spielräume für eine nachsichtige Handhabung der griechischen Besonderheit, weil etwas solches den Euro-Skeptizismus speist und Europa näher an das Auseinanderbrechen bringt„.

Abschließend die Ergebnisse einer jüngst erfolgten Untersuchung über die Armut und materielle Entbehrung kommentierend, spricht der SEB von einer unverhältnismäßigen Last, welche die Familien mit Kindern schultern, welche Tatsache sich aus der Entscheidung für eine politische Verteilung der Lasten der Krise auf die Beschäftigten des privaten Sektors und dem einschlägigen Schutz ableitet, der für die Rentner sichergestellt wird.

Die parallele ‚Inkubation‘ extremer gesellschaftlicher Phänomene wie die mittlerweile massenhafte Präsenz von Obdachlosen in den urbanen Zentren verlangt die effizientere Verwendung der von dem privaten Sektor gezahlten Steuern für die Bewältigung der humanitären Krise. Die größere Transparenz in allem, was sich auf die Verwendung dieser Mittel bezieht, ist daher zwingend„, endet der Verband.

(Quelle: Imerisia)

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