Absturz der Einzelhandelsumsätze in Griechenland

31. Juli 2016 / Aufrufe: 2.418
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Die Daten der ELSTAT zeigen einen schockierenden Rückgang der Umsätze des Einzelhandels in Griechenland, da die Verbraucher ihren Konsum drastisch einschränken.

Die Daten über den Markt in Griechenland sind außerordentlich beunruhigend, da die Griechen immer mehr vermeiden, zu konsumieren. Laut der griechischen Statistikbehörde ELSTAT war der Rückgang der Umsätze des Einzelhandels im Mai 2016 groß, da er im Vergleich zum Mai 2015 um 8% zurückging.

Aus den diachronischen Daten der ELSTAT geht sogar hervor, dass der diesjährige Mai der schlimmste Monat seit wenigstens 2010 war, als die einschlägigen Indizes zum letzten Mal revidiert wurden.

Niemand kauft mehr ein

Aufzeigend für das auf dem griechischen Inlandsmarkt herrschende Klima ist, dass der Rückgang bei den Umsätzen aller Handelskategorien beobachtet wird, wobei der sowohl dem Wert als auch Volumen nach größte Rückgang bei den Treibstoff- und Lebensmittelumsätzen verzeichnet wird. Die hohe Arbeitslosigkeit und die größeren steuerlichen Belastungen infolge der Erhöhung direkter und indirekter Steuern wirken sich außerordentlich negativ auf den Konsum und folglich den Einzelhandel aus.

Spezieller ging gemäß den Angaben der ELSTAT der Index der Einzelhandels-Umsätze im Mai 2016 um 8% im Vergleich zu Mai 2015 zurück. Dieser Rückgang rührte hauptsächlich aus dem Rückgang der Umsätze um 16,7% bei den Tankstellen, um 7,2% bei den großen Lebensmittelgeschäften (Supermärkte), um 5,6% bei den Bekleidungs- und Schuhgeschäften, um 4,7% bei den Buchhandlungen und Schreibwarengeschäften und um 2,8% bei den Apotheken (die natürlich auch Kosmetika verkaufen). Einen großen Rückgang um 7,4% im Mai 2016 zeigten im Vergleich zu Mai 2015 auch die Umsätze bei den eigenständigen Lebensmittelgeschäften (Fleischereien, Gemüseläden usw.).

Auch das Umsatz-Volumen ging zurück

Enttäuschend sind die Angaben der ELSTAT aber auch hinsichtlich des Umsatzvolumens. Der Volumens-Index (Umsätze auf Basis konstanter Preise) ging im Mai 2016 um 6,4% im Vergleich zu Mai 2015 zurück. Die Kategorie der Treibstoffe und Kfz-Schmiermittel verzeichnet auf Jahresbasis mit 7,1% ebenfalls den größten Rückgang, während bemerkenswert auch der Rückgang des Umsatzvolumens bei den Supermärkten (um 6,2%), Bekleidungs- und Schuhgeschäften (um 6,8%) sowie auch bei den eigenständigen Lebensmittelgeschäften (ebenfalls um 6,8%) ist.

Die im Mai 2016 beobachtete Schrumpfung der Umsätze im Einzelhandel ist dermaßen groß, dass sie sich nicht mehr als jahreszeitbedingt erklären lässt – sprich in dem Sinn, dass ein leichter Rückgang der Umsätze im diesjährigen Mai erwartet wurde, da die erste Woche nach dem (griechisch-orthodoxen) Osterfest 2016 chronologisch in den Mai fiel, während sie im vergangenen Jahr im April lag. In der ersten Woche nach Ostern ist der Konsum üblicherweise leicht gemindert, weil die Konsumenten schon vorher zu etlichen Ausgaben für den Kauf von Lebensmitteln, Kleidung und Schuhwerk, aber auch Reisebewegungen geschritten waren.

(Quelle: Imerisia)

  1. Uli
    31. Juli 2016, 10:59 | #1

    Die Leute schränken ihren Konsum nicht freiwillig ein. Nachdem man ihre verfügbaren Einkommen drastisch gekürzt hat, können sie gar nicht anderes. Jeder Wirtschaftsstudent im ersten Semester weiß das. Im Gegensatz zu denjenigen, die die Lebenshaltungsbedingungen
    absichtlich heruntergefahren haben.

  2. windjob
    31. Juli 2016, 11:47 | #2

    Was ist daran so schockierend. Wenn man ein Land auspresst wie eine Zitrone ist irgendwann kein Saft mehr drin. Schuld hat hier defininitiv die EU mit der unseligen Troika. Wir sehen es selbst hier, dass die Läden leerer sind und weniger eingekauft wird. Der Binnenmarkt ist noch immer das Treibmittel der Steuereinnahmen. Wenn man diese aber hochtreibt bis zum geht nicht mehr funktioniert es nicht mehr. Merkel und Schäuble haben dies doch selbst in Deutschland erlebt. Ich kann die Griechen sehr gut verstehen, dass sie keine Steuern mehr zahlen wollen. Es gibt nur eine Lösung. MwSt. runter, Finanzsystem reformieren, mit dem Filz aufräumen dann fliessen auch wieder die Steuereinnahmen. Varoufakis wäre hier der richtige.

  3. weekend
    31. Juli 2016, 14:10 | #3

    Fuer mich ist schockierend, wenn die EU mit aller Gewalt Reformen durchsetzt, wo jeder, der ein bisschen nachdenkt, sofort erkennt, dass es nicht der Kaufkraft dienen kann. Durch die Reformen verlieren die Buerger mehr und mehr an Einkommen und Renten, welcher EU Abgeordnete moechte mir dabei wirklich erzaehlen, dass sie durch diese Reformen mehr einkaufen koennen? Wir alle werden wissentlich von der EU verraten und verkauft, sie kuerzen die Einkommen und somit werden wir zu Marionetten von den Lobbyisten. Wir muessen zwangsweise oft im Grosshandel einkaufen, wo viele sonst kaum ueberleben koennen. Und ist ein Land am Boden, verleiben sie sich noch Einnahmequellen wie Flughaefen, Haefen von Schiffen, usw., damit noch weniger Steuereinnahmen dem Staat zugute kommen kann. Im Gegenteil, sie privatisieren noch Wasser und rauben Rohstoffe, alles im Namen des Volkes (besser EU)! Meiner Meinung nach hat sich die EU zu einem Monster entwickelt – das eher verhindert als gefoerdert werden sollte.

  4. Anton
    31. Juli 2016, 16:53 | #4

    Interessant ist vielleicht, sich hierzu die ökonomischen Konzepte vor Augen zuführen, die hinter den geforderten Maßnahmen stecken könnten. Relativ beliebt ist hier die auf Keynes zurückgehende, auf Nachfrage orientierte Wirtschaftspolitik. Je höher die Einkommen und damit die Nachfrage, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit für Wirtschaftswachstum. Dem steht die heute dominierende, nur auf die Angebotsbedingungen (sog. „neoliberale“) Wirtschaftspolitik gegenüber. Diese setzt ebenfalls auf Wirtschaftswachstum, allerdings durch Kostensenkungen auf der Angebotsseite, konkret: Lohnsenkungen, weitgehende Befreiung von Steuern und Sozialleistungen usw. Dass genau dies nicht funktioniert, weil besonders die Steuern und staatlichen Ausgaben deutlich stiegen, statt zu fallen, ist für Griechenland ein besonders bedrohliches Zeichen. Denn es bedeutet, dass in Wahrheit das behauptete Interesse an Wirtschaftswachstum sehr gering war und ist. Und in der Tat: Fliegt Griechenland irgendwann aus dem Euro ist das für die Schuldenproblematik ziemlich günstig. Erwägungen zu Schuldenschnitt, Schuldenübernahme und Streckung der Rückzahlungen usw. wären dann deutlich minimiert. Anders gesagt: Es sieht so aus, dass letztlich immer noch das (stillschweigende) Interesse an einem Grexit besteht; für die EU wäre dann das Problem Griechenland vom Tisch und – wie aktuell Italien zeigt – damit bedingte Verluste für die Gläubiger nimmt man halt in Kauf, weil da sowie so „nichts mehr zu retten“ ist. Die Bedeutung von Wirtschaftswachstum hat man offensichtlich im Falle von Griechenland heimlich still und leise aufgegeben – anders wie übrigens beim Brexit.

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