7 Fehler des IWF in Griechenland

19. Juli 2016 / Aufrufe: 1.611
Einen Kommentar schreiben Kommentare

Ein interner Bericht stellt 7 Fehler des Internen Währungsfonds in Griechenland fest.

Wie die griechische Zeitung „Kathimerini tis Kyriakis“ in einem exklusiven Artikel berichtete, zieht der Internationale Währungsfonds (IWF) mit einem internen Bericht die Bilanz des ersten in Griechenland, aber auch in Portugal und Irland zu Anwendung gebrachten Programms und schreitet zu einer sehr strengen Kritik hinsichtlich der befolgten Praktiken.

Der interne Bericht stellt Teil der Arbeit einer Gruppe von dem IWF unabhängiger Ökonomen und Experten dar, die das Programm mittels einer Reihe von Befragungen und interner Unterlagen gründlich studierten.

Was der IWF in Griechenland „verbockte“

Die in dem besagten Bericht festgestellten falschen Praktiken seitens des IWF sind folgende:

1. Umstrukturierung der Verschuldung

Die Verweigerung der Umschuldung der öffentlichen Verschuldung Griechenlands zu Beginn des Programms trotz der großen Wahrscheinlichkeit, dass diese sich als nicht tragfähig erweisen werde, stellt einen Gegenstand der Kritik dar.

2. „Lockerer“ Ausgangspunkt

Der IWF verfolgte die Lage in Griechenland vor Ausbruch der Krise, aber auch nach seiner Beteiligung an dem Programm nicht aus der Nähe.

3. Unwirksame Strategie

Über einen sehr viel größeren Zeitraum wurde eine immer unwirksamere Strategie befolgt.

4. Fehlende Flexibilität

Signifikant ist der Umstand, dass Griechenland als Mitglied einer Währungsunion keine Möglichkeit zur Flexibilität hatte, da seine Mitgliedschaft Einschränkungen bezüglich einer alternativen Strategie schuf.

5. Beziehungen zu Europäern

Der Fonds hatte vorher noch nicht mit europäischen Staaten zusammengearbeitet und war daher unvorbereitet.

6. Technische Hilfe

Bei der technischen Hilfe, die der IWF Griechenland gewährte, begegnete er vielen Schwierigkeiten wegen der Notwendigkeit zur Abstimmung mit der sogenannten Task Force, die auf externen Beratern aus den größten Mitgliedstaaten basierte und den Nachteil aufwies, keine klaren Prioritäten zu haben.

7. Leistung des Personals

Der Bericht führt an, die Leistung all jener, die sich mit der Umsetzung des Programms befassten, sei ungleich gewesen.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

  1. Ludwig
    19. Juli 2016, 20:31 | #1

    1. Umstrukturierung der Verschuldung
    Der IWF hätte es einfacher, wenn es zu einer Umschuldung kommen würde. Da machen die Europäer aber nach den schlechten Erfahrungen aus der Vergangenheit nicht mit. Die lesen Umschuldung nämlich als „wenn die Schulden erst einmal weg sind, können wir wieder mit vollen Händen Geld ausgeben“. Leider gingen einige Zitate eines früheren Finanzministers genau in diese Richtung. Es wird einen Schuldenerlaß geben, aber nur in kleinen Raten.

    2. „Lockerer“ Ausgangspunkt
    Der war nicht darauf vorbereitet, dass er nicht mehr in einem Entwicklungsland gebraucht wird, sondern in einem EU-Land. Hätte aber irgendein Mitarbeiter im IWF davon gesprochen, dass man sich auf einen Default bei einem europäischen Land, zum Beispiel aus dem Süden oder gar Südosten gedanklich einstellen sollte … wäre der von allen südeuropäischen Regierungen gekreuzigt und anschließend gevierteilt worden.

    3. Unwirksame Strategie
    Wie gesagt, der IWF war nicht vorbereitet. Die EU noch viel weniger. Und Griechenland erst recht nicht. Insofern kein Wunder, dass keine durchdachte Strategie vorhanden war.

    4. Fehlende Flexibilität
    Ist richtig, aber was wäre die Alternative gewesen? GREXIT? Das wäre eine ganz bittere Zeit für die Griechen geworden. (Mittelfristig wäre es wahrscheinlich trotzdem die richtige Strategie gewesen. Griechenland hätte abwerten können, was der Landwirtschaft geholfen hätte. Allerdings wären die Schulden im Ausland bei jeder Abwertung noch höher geworden.)

    5. Beziehungen zu Europäern
    Der Fonds hatte vorher noch nicht mit europäischen Staaten zusammengearbeitet und war daher unvorbereitet. Siehe oben.

    6. Technische Hilfe
    Siehe oben.

    7. Leistung des Personals
    Naja. Das Personal des IWF ist nicht generell schlecht, aber auch nicht alle mit großem Einsatz dabei. Und dass Politiker, auf Seiten der EU-Institutionen als auch auf Seiten der griechischen Regierung nicht dasselbe leisten wie ein Sachbearbeiter beim IWF: Nicht neu.

  2. weekend
    19. Juli 2016, 21:03 | #2

    Meiner Meinung nach haben sie ein paar Punkte vergessen: in die Schuldenfalle gelockt – durch Reformen sollen Buerger immense Schulden abbezahlen, die sie selbst nicht verschuldet haben. Wie sollen Buerger, die eh schon sparen muessen, noch mehr bezahlen und dann noch die Wirtschaft ankurbeln? Durch den fehlenden Schuldenschnitt rutscht Griechenland immer mehr in die Krise – die EU Staaten kassieren immense Summen an Zinszahlungen, wo bleibt da zumindest mal die Reparationszahlung? Wie kann man Griechenland und andere Laender bei Krisen in ihrer Bonitaet runterstufen, so dass sie noch mehr an Zinsen zu bezahlen haben – wo bleibt da die Logik, ist das Hilfe?

  3. jörg
    20. Juli 2016, 07:26 | #3

    der IWF gibt allen gerne Ratschläge wie man Schulden macht, Hilfe wie man sie abbaut da darf man nicht auf den IWF warten. Der ist nur wie ein Geldverleiher und schickt die Leute mit den Daumenschrauben los. Anstatt wie die EU die Rückzahlung der Schulden nach hinten zu verschieben, fordert der IWF sein Geld. Ein Schuldenschnitt wird vom IWF gefordert doch nur für die Gelder der anderen. Das man hiermit Griechenland keinen Gefallen tut, nun das wird man merken wenn man das nächste Darlehen aufnimmt

  1. Bisher keine Trackbacks

Hinweis: Kommentare werden erst nach Freischaltung durch einen Administrator sichtbar.
Bitte beachten Sie die Hinweise und Regeln bezüglich der Abgabe von Leserkommentaren.