Griechenland animiert zur Steuerhinterziehung

8. Juni 2016 / Aufrufe: 2.086
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Unternehmer und Selbständige werden in Griechenland infolge der horrenden Steuern und Abgaben mehr denn je zur Steuerhinterziehung animiert.

Nach den jüngsten Änderungen im Steuer- und Versicherungssystem erreichen in Griechenland die Belastungen für Unternehmen und Konsumenten schwindelerregende Höhen, da für jede 100 Euro einer über die Erbringung von Dienstleistungen ausgestellten Quittung oder Rechnung bis zu über 60 Euro in Form von Steuern und Sozialabgaben an den Staat abgeführt werden müssen.

All diese Belastungen machen das Motiv, keine Quittungen bzw. Rechnungen auszustellen, aber auch keine zu verlangen, größer denn je.

Steuerhinterziehung war in Griechenland nie … lukrativer

1. Die Quittung aus einer in einem mittelständischen (Einzel- oder Personen-) Unternehmen installierte Registrierkasse bzw. entsprechend die Rechnung über Dienstleistungen enthält:

  • 24% Mehrwertsteuer
  • Einkommensteuer und Solidaritätsabgabe, die sich auf ab 22% bis zu 55% summieren.
  • Sozialabgaben (20% für die Hauptrente, 7% für – sofern gegeben – die Zusatzrente und 6,95% für die Krankenversicherung).

Laut einem Bericht der griechischen Zeitung „Kathimerini“ bedeutet dies, dass die Ausstellung einer Quittung über 100 Euro den Aussteller – das Unternehmen verpflichtet, wenigstens 60,50 Euro an den Staat abzuführen (24% für die MwSt., 20,50 Euro für Sozialabgaben und 16 Euro für Steuern). Damit handelt es sich um das stärkste Motiv zur Steuerhinterziehung, das jemals in Griechenland existierte. Und zwar ohne, dass es eine „Verteidigungslinie“ gibt. Nach der letzten Revision sind die Geldstrafen für die Nichtausstellung eines Zahlungsbelegs minimal.

2. Die Kosten der Ausübung einer unternehmerischen Tätigkeit in Griechenland schießen für eine Million Gewerbetreibende und Selbständige auf über 50% hoch. Bei einer Gewinne von 68.000 Euro ausweisenden Offenen Handelsgesellschaft mit zwei Gesellschaftern wird letztendlich jedem ein Nettoeinkommen in einer Größenordnung von 1.200 Euro verbleiben. Von den 68.000 Euro werden 18.447 Euro an die Versicherungskasse gehen. Von den verbleibenden 50.000 Euro werden 21.000 Euro für Gewerbeabgabe, 29% Steuer auf die Gewinne, Steuervorauszahlung für das kommende Jahr (die ab 2017 einen Satz von 100% erreichen wird) und Solidaritätsabgabe abgeführt werden. Für die beiden Gesellschafter werden 29.000 Euro bzw. jeweils 1.200 Euro im Monat übrig bleiben. Die Buchhalter werden bereits mit Anliegen in Zusammenhang mit Betriebsaufgaben und Sitzverlegungen bis hin zur Organisation allein der Ausstellung fiktiver Rechnung dienender „Betriebe“ überschwemmt.

3. Die Kombination der Erhöhung der Einkommensteuer, aber auch der sogenannten Einheitlichen Immobilien-Besitzsteuer (ENFIA) für mittlere und kleine Immobilienvermögen sowohl von Unternehmen als auch natürlichen Personen, lässt den Steuersatz für das Einkommen aus Immobilien auf 50% – 60% hochschießen. Nicht einmal die Investment-Gesellschaften kamen ungeschoren davon – mit dem Resultat, dass sich mittlerweile die Gefahr der Aussetzung hunderte Millionen Euro umfassender Investitionspläne abzeichnet.

4. Griechenland wird hinsichtlich der Steuern und Abgaben zum teuersten Land für Unternehmensfunktionäre. Mit der Aktivierung des Spitzensteuersatzes (52,5% bzw. 55%) sogar bereits für Jahreseinkommen ab 40.000 Euro und der Erhebung der höchsten Abgaben auf der Welt verpflichtet das System den Arbeitgeber, nunmehr Aufwendungen von 77.832 Euro im Jahr auf sich zu nehmen, damit sein Angestellter letztendlich ungefähr 2.370 Euro netto im Monat bezieht.

5. Die Motivierung zum Schwarzhandel wurde ebenfalls stärker denn je: Bei den Treibstoffen hat der Satz inzwischen 70% überstiegen und zählt zu den drei höchsten in Europa, während bei den Zigaretten ein Päckchen mit über 80% besteuert werden wird.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

  1. Freiberufler
    8. Juni 2016, 11:34 | #1

    Wenn der Staat zuviel verlangt, ist er selbst mit schuld, wenn er nichts bekommt.
    (Konrad Adenauer)

  2. LiFe
    8. Juni 2016, 23:52 | #2

    Welche Sicherheit, welche Rettung garantiert der Staat, wenn sein Bürger brav Steuern begleichen würde und am Ende mit leeren Taschen stünde? Ich denke Existenzängste können verzweifelte Menschen zu Steuerhinterziehung verleiten.

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