Der Betrug der internen Abwertung in Griechenland

28. Juni 2016 / Aufrufe: 1.335
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Die Griechenland mittels der Memoranden aufgezwungene Inlandsabwertung entwickelte sich zu einem monumentalen wirtschaftlichen Betrug.

Die sogenannte interne Abwertung, die Griechenland von seinen Gläubigern aufgezwungen wurde, ist eine affektiert invalide Strategie, lässt die Preise unbehelligt und erschöpft ihren Eifer in der Abwertung der Beschäftigung.

Das Basisargument der Architekten der Memoranden war und bleibt, dass, sofern Griechenland um jeden Preis in der Eurozone möchte und folglich nicht über das Werkzeug der externen Währungsabwertung verfügt, die einzige ihm zur Verfügung stehende Alternative die Durchsetzung der „internen Abwertung“ war. Also einer methodisierten und verwaltungstechnisch nivellierten Senkung der Preise, der Löhne und des Wertes der Vermögensobjekte.

Explosion der Investitionen und Exporte … die niemals stattfand

Angeblich hätte dies die griechische Wirtschaft billig und als Investitionsziel attraktiv gemacht und würde folglich, wenn sie ein Niveau „interner Abwertung“ erreichen würde, das sie im Verhältnis zu anderen Investitionszielen wettbewerbsfähig machen würde, also ein einer Währungsabwertung der Größenordnung 30% – 40% entsprechendes Niveau, dann eine Explosion der Investitionen und Exporte hervorrufen, während gleichzeitig die Inlandsnachfrage auf einem tragfähigen Niveau gehalten werden würde, zumal die Senkungen der Löhne und Einkommen durch die entsprechenden Preissenkungen bei den Konsumgütern ausgeglichen werden würden.

Der IWF, Referent dieser Strategie, erklärte in seinem Bericht des Jahres 2013 seine Argumentation folgendermaßen: „Die großen Auslandsverbindlichkeiten erfordern letztendlich große Handelsüberschüsse, damit diese (Verbindlichkeiten) bedient werden, und die Erzielung dieser Überschüsse erfordert ein abgewerteteres Niveau des realen Währungskurses. In einer Währungsunion muss die Abwertung in einem großen Grad mittels der Deflation erreicht werden, die eine größere negative Abweichung der Produktion erfordert.

Hat jemand Preissenkungen gesehen?

Wie mir ein Freund mit fundierten Wirtschaftskenntnissen betonte, entwickelte sich die mittels der Memoranden aufgezwungene interne Abwertung zu einem monumentalen wirtschaftlichen Betrug. Die Funktion der internen Abwertung wirkte nur hinsichtlich der Löhne, die um mehr als 20% gesenkt wurden, ließ die Inlandsnachfrage und das BIP innerhalb von sechs Jahren um fast 20% abstürzen, verursachte einen Zusammenbruch bei den Werten nicht nur der Immobilien, sondern auch aller öffentlichen und privaten Vermögenswerte, während die rechnerische Verbesserung der Handelsbilanz hauptsächlich auf der abgrundtiefen Rezession anstatt einem wie immer gearteten Anstieg der Exporte beruht.

Was bei dieser euphemistischen internen Abwertung fehlte? Der Rückgang der Preise. Dies nimmt jeder Beschäftigte, Rentner oder Arbeitslose wahr, der sieht, wie seine Kaufkraft gewaltsam gesenkt wird, ohne auch nur den geringsten Rückgang bei den Preisen in den Regalen der Supermärkte zu beobachten.

Die Deflation trat erst ab Ende 2013 verzögert und unmerklich ein, mit einer Staffelung zwischen -04% und -2%, und bereits seit Anfang 2016 schlägt sie wieder marginal ins Positive um – im Gegensatz zu dem, was in der gesamten Eurozone gilt. Und obendrein werden die neuen Erhöhungen der indirekten Besteuerung in Kraft gesetzt, allem voran die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf fast alle Güter.

Der Trick der quantitativen Lockerung

Die klugen Köpfe des IWF und der Eurozone versuchten verzögert, ihren theoretischen Fehler zu „korrigieren“, indem sie entdeckten, dass die interne Abwertung im Rahmen einer Währungsunion nicht funktioniert, wenn alle ihre Mitgliedsländer gleichzeitig das selbe tun. In einer Studie von ihnen brachten sie gegen Ende des vergangenen Jahres die „erschütternde“ Schlussfolgerung zum Ausdruck, „wenn Länder gleichzeitig von der Krise getroffen werden, kann die Politik der internen Abwertung nur dann effizient sein, wenn sie von einer entsprechend expansiven Währungspolitik begleitet wird„.

Die Ökonomen des IWF vertraten sogar, damit diese Währungsexpansion effizient sei, müsse sie zumindest mit der Senkung der nominalen Löhne gleich sein. Dies brachten sie mit einer Verzögerung von fast einem Jahr zum Ausdruck, nachdem die EZB das Programm der quantitativen Lockerung begonnen hatte, mit Aufkäufen von Anleihen im Wert von 60 Mrd. Euro (und nunmehr 80 Mrd. Euro) im Monat. Wie bekannt ist, ist Griechenland das einzige Land der Eurozone, das explizit von dem Programm der EZB ausgeschlossen ist und wahrscheinlich noch für etliche Monate ausgeschlossen bleiben wird. Der Nutzen, den es eventuell aus der quantitativen Lockerung der EZB ziehen wird, ist jedenfalls marginal und kurzfristig, da das Programm in der ersten Hälfte des Jahres 2017 ausläuft.

Erneuter Rückgang bei den Arbeitskosten

Der Zyklus dieses wirtschaftlichen Betrugs, der selbst unter den Kriterien der fanatischen Neoliberalen inkonsequent ist, schließt mit der zweiten Bewertung und ihrem Hauptthema, nämlich dem Arbeitswesen. Sowohl der IWF als auch die europäischen Gläubiger meinen, es gebe signifikante Spielräume zur Fortsetzung der betrügerischen und einseitigen internen Abwertung der Arbeitskosten, beharren auf der Beibehaltung des Regierungsprivilegs bei der Festsetzung des Mindestlohns, sehen die Möglichkeit seiner erneuten Senkung positiv, wollen eine Beschränkung der Macht der Gewerkschaften und halten eine weitere Liberalisierung der Massenentlassungen für förderlich.

Außerdem ist dieser Rahmen das verkündete Ziel für die gesamte Eurozone, wie aus dem Vorschlag der Kommission für die „Europäische Säule sozialer Rechte“ hervorgeht, der in einem großen Grad von dem französischen Arbeitsgesetz inspiriert ist, das die Gewerkschaften auf den Plan gerufen hat.

Die Schlussfolgerung ist, dass das, was irreführend „interne Abwertung“ in Griechenland genannt wurde, nichts anderes als eine Mechanik gewaltsamer Abwertung des Arbeitswesens und Neutralisierung seiner Schutzmechanismen ist. Der Umstand, dass diese Abwertung von einer unerhörten Entwertung der öffentlichen und privaten Vermögenswerte, jedoch nicht einmal einem minimalen Sinken der Preise begleitet wird, macht die „Strategie“ ihrer Inspiratoren (und deren inländischer politischer Komplizen) doppelt verdächtig.

Letztendlich zeigt sich, dass ihre Hauptsorge nicht war, erfolgreich ihr neoliberales Experiment umzusetzen, sondern sich als gute „Dealer“ der Raubvögel zu erweisen, die sie vertreten.

(Quelle: dikaiologitika.gr Autor: Giannis Kimpouropoulos)

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