Verhandlungen kosten Griechenlands Wirtschaft einen hohen Preis

2. Mai 2016 / Aufrufe: 932
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Griechenlands Wirtschaft zahlt einen schweren Preis für die endlosen Verhandlungen der Regierung mit den Gläubigern des Landes.

In Griechenland verfolgt der Markt mit angehaltenem Atem die Bemühung der Regierung, die (seit Monaten anhängige) Bewertung (der Umsetzung des „griechischen Programms“ durch die internationalen Gläubiger des Landes) zum Abschluss zu bringen.

Die negative Wendung, die in den letzten Tagen die Verhandlungen mit den sogenannten Institutionen (sprich den Vertretern der internationalen Gläubiger des Landes) genommen haben, verstärkt die Sorge um die Belastbarkeit der griechischen Wirtschaft und bringt wieder die katastrophalen Szenarien bezüglich der Zukunft des Landes in den Vordergrund.

Furcht vor neuer Unternehmensschließungs-Welle

Die „Rechnung“, die Griechenland wegen der anhaltenden Ungewissheit zahlt, wird von Tag zu Tag schwerer. Das Unvermögen der Regierung, mit den sogenannten Institutionen zu einer Einigung über die Vollendung der ersten Bewertung (des griechischen Programms durch die Gläubiger) zu gelangen, hat auf dem Markt riesige Probleme geschaffen, die sich multiplizieren, solange bei den Verhandlungen kein „weißer Rauch“ aufsteigt und die Unsicherheit bezüglich der Zukunft des Landes stärker wird.

Mittlerweile sind viele Unternehmen in die „heiße Zone“ geraten und nicht wenige äußern Ängste bezüglich einer neuen Welle der Schließungen, wenn die derzeitige Situation sich noch lange hinzieht. Wie sie erklären, sind der Zusammenbruch der (Elektro-Handelskette) „Ilektroniki Athinon“ und die Schließung der (Papierfabrik) „Softex“ Indizien der Strangulation, die der Liquiditätsmangel und der anhaltende Rückgang des Konsums verursachen. „Jeder Tag, der ohne eine Einigung verstreicht, und solange keine Lösungen gegeben werden, damit es einen Aufschwung gibt, lässt auch den Schaden in der Wirtschaft wachsen„, merken Markt-Insider charakteristisch an und betonen, an ihren Grenzen angelangt zu sein.

Dimensionen einer „Geißel“ haben auch die Zahlungsverzögerungen angenommen, wobei die Gewerbetreibenden von einer Zeitbombe an den Fundamenten der Wirtschaft sprechen. Laut einer jüngsten Erhebung der „Altradius“ erklären neun von zehn griechischen Unternehmern, ihre Kunden begleichen die Rechnungen wegen Liquiditätsproblemen mit Verzögerungen, während drei von zehn einen Verlust von Einnahmen wegen der verzögerten Begleichung von Rechnungen angaben.

Ungewissheit blockiert Investitionen und neue Arbeitsplätze

Die Gefahr eines „Unfalls“ im inländischen Lebensmittel-Einzelhandel hat jedenfalls nicht überrascht, da trotz der Vereinbarungen über Umstrukturierungen und Aufkäufe die Frage bestehen bleibt, inwieweit sie sich angesichts der Verschlimmerung der Rezession als effizient erweisen werden.

Erst jüngst beantragte die bis neulich mit der „Marinopoulos“ kooperierende Supermarkt-Kette „Arvanitidis“ in einem letzten Rettungsversuch, unter die Bestimmungen des Artikels 99 aufgenommen zu werden (Gläubigerschutz). Wie in einer Bekanntmachung die (Gesellschaft) „Gebrüder Karypidis“ anführt, die das Netz der „Arvanitidis“ kontrolliert, „erfolgt die Beantragung auf Unterstellung unter den Artikel 99, damit die Kette saniert wird, die mit Schulden belastet ist, die in der Vergangenheit die ehemalige (der ‚Arvanitidis‘ zugehörigen) Eigentümer-Gesellschaft in älteren Geschäftsjahren schuf„. Weiter wird erklärt, die Bemühung um eine Sanierung berühre keine Lieferanten, aber auch keine Beschäftigten, „sondern nur die Regulierung der Schulden an die IKA und das Finanzamt„. (Es sei angemerkt, dass besagter Antrag inzwischen zurückgezogen worden ist.)

Parallel zu den Schließungen und der Entindustrialisierung des Landes blockiert die Ungewissheit die Realisierung neuer Investitionen, die für den Neustart der Wirtschaft und die Schaffung neuer Arbeitsplätze als notwendig gelten. Informationen zufolge haben etliche internationale Konzerne, aber auch große einheimische Industriebetriebe ihre Investitionspläne – bis auf weiteres – aufgeschoben, während sie gleichzeitig sehr ernsthaft die Möglichkeit untersuchen, für die kommenden Jahre geplante Investitionen zu stornieren. Die Gefahr, ihr Geld zu verlieren, ist inzwischen groß, und die Zentralen im Ausland raten den griechischen Managern, zumindest so lange von mit einem hohen Risiko behafteten Zügen abzusehen, bis sich die Lage klärt. Die fehlende Aussicht verhindert die Anziehung ausländischer Investoren und untergräbt selbst auch das laufende Privatisierungsprogramm.

Auch Griechenlands Exporte sind in Gefahr

Das „Virus“ der Ungewissheit bringt auch die neuralgischen Wirtschaftszweige in Gefahr, wie es der Tourismus und die Exporte sind, die kostbare Einnahmen in die Staatskassen einbringen. Laut dem Panhellenischen Verband der Exporteure (PSE) lagen – unter Ausklammerung der Treibstoffe – allein im ersten Monat des Jahres 2016 die Einnahmen der extrovertierten Wirtschaftszweige (Schiffsexporte, Güterexporte, Tourismus, Transporte, Dienstleistungen) im Verhältnis zu Januar 2015 um 800 Mio. Euro (!) niedriger, während Besorgung auch die Daten aus dem Außenhandel des Landes hervorrufen, die in letzter Zeit heftige Schwankungen zeigen.

Noch beunruhigender als selbst auch der Rückgang der Exporte ist das erneute Auftreten des Misstrauens gegenüber den griechischen Unternehmen, was das Werk der Exporteure noch mehr erschwert. Wie sie sagen, ist der Verlust des Vertrauens der größte Schaden, der sie treffen kann, zumal in einem Moment, wo sie mit „Krallen und Zähnen“ versuchen, ihre ausländischen Partner zu überzeugen, die Handelsgeschäfte zwischen ihnen weiter auszubauen. „Das Vertrauen ist schwer wiederherzustellen, speziell dann, wenn man eine belastete Vergangenheit mit den Kapitalkontrollen hat und das Landesrisiko (country risk) wieder in die Höhe schießt„, führt bezeichnend ein Marktfaktor an.

Gleichermaßen beunruhigt erklären sich die Menschen im Tourismus, die abgesehen von den Ängsten bezüglich der Wirtschaft auch noch das im Ausland wegen des Flüchtlingsthemas verbreitete negative Bild über Griechenland handhaben müssen. Inzwischen wird bei allen populären Reisezielen wie Kreta, Rhodos, Korfu und Chalkidiki ein spürbarer Rückgang der Buchungen beobachtet, der vorrangig mit dem Flüchtlingsproblem in Zusammenhang zu stehen scheint. Andreas Andreadis, Vorsitzender des SETE, charakterisierte in seinen neulich abgegebenen Erklärungen die diesjährige Saison als „außerordentlich instabil“ und betonte, obwohl „die Wage sich in diesem Moment leicht nach Plus zu bewegen scheint, jedoch auf keinen Fall noch nichts entschieden worden ist„.

Dramatischer Appell, die Bewertung zum Abschluss zu bringen

Wie Funktionäre großer Unternehmen unterstreichen, wird der Abschluss der Bewertung um jeden Preis inzwischen als zwingende Notwendigkeit beurteilt. „Die Unternehmen suchen brennend nach einem Ausweg und irgend einem positiven Anzeichen aus der gegenwärtigen Situation der Stagnation und Devestion„, merkt die Präsidentin der griechischen Exporteure, Christina Sakellaridi, an um zu ergänzen, niemand möchte daran denken, dass das Land möglicherweise wieder die dramatischen Momente des Juli vergangenen Jahres erlebt, als das Land sich einen Schritt vor der absoluten Katastrophe befand.

Die Bedeutung der rechtzeitigen Vollendung der Bewertung betonte im Gespräch mit der „I“ auch der Vorsitzende des TAIPED, Stergios Pitsiorlas, und unterstrich dabei, dass etliche potentielle Investoren den Ausgang der Verhandlungen der Regierung mit den Institutionen abwarten, um Angebote abzugeben, und fügte an, „der erfolgreiche Ausgang der Verhandlungen wird in der griechischen Wirtschaft eine solche Dynamik erzeugen, dass wir sehr bald von einer völlig anderen Lage sprechen werden“.

(Quelle: Imerisia, Autor: Giorgos Manettas)

  1. Kleoni
    2. Mai 2016, 10:44 | #1

    Was den Rückgang der Frühbucher auf Korfu, Rhodos etc. angeht, so ist gerade in D der Trend zu „last minute“ der Schnäppchenjäger gestiegen und hat gerade hier weniger mit den Flüchtlingen zu tun. Wir hoffen auch, dass endlich die Abschlussbewertung kommt und Griechenlands Wirtschaft wieder richtig wachsen kann, dass nicht nur Investoren neues Vertrauen schöpfen, sondern vor allem best ausgebildete Menschen mit Auslandserfahrung zurückkommen und in ihrer Heimat die Möglichkeit haben neue Impulse zu setzen und Unterstützung für Firmengründungen, Technologiezentren etc. bekommen. Es neue Wege für die Vermarktung der ausgezeichneten griechischen Produkte gibt – nicht nur auf dem Gebiet der Agrarwirtschaft.

  2. LiFe
    2. Mai 2016, 11:01 | #2

    Der Zug ist abgefahren. Griechenland wird wirtschaftlich nicht mehr wachsen können. Selbst noch erfolgreiche EU-Länder werden sich auf schwere Zeiten einstellen müssen, denn mit TTIP und CETA werden andere Regeln gelten.

  3. kaszmirczak
    2. Mai 2016, 11:11 | #3

    Hier wird auch seitens der Eu & Co. zusaetzlich Stimmung gemacht um letzten Endes die Verantwortlichen od besser den kleinen Mann in gr. darauf einzuschiessen auf alles und jeden einzugehen.

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