Schmerz und Aufschwung in Südeuropa

20. Mai 2016 / Aufrufe: 1.147
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Griechenland scheint sich an einem Punkt zu befinden, ab dem die Verschuldung das wirtschaftliche Wachstum hemmt.

Die wirtschaftlichen Probleme Südeuropa sind tief und schmerzhaft, jedoch nicht unlösbar. Manche von diesen haben bereits zu verheilen begonnen. Ein Beispiel. das dieses belegt: Italien, wo bereits wieder ein Wachstum begonnen hat, nachdem es unter einer schwierigen Rezession litt.

Und dann haben wir Griechenland, das zeigt, auf eine neue Runde der Probleme zuzusteuern. Obwohl seine voluminöse Verschuldung und seine lähmende Arbeitslosigkeit wirtschaftliche Krankheiten darstellen, bleiben die Lösungen – oder ihr Fehlen – politisch.

Griechenland könnte Südeuropas Wirtschaft ausbremsen

Griechenland bleibt offensichtlich ein Land in tiefem wirtschaftlichen Aufruhr. Es hat das größte fiskalische Defizit in Europa, bei 7,2% seines Brutto-Inlandsprodukts. Es zahlt mit die weltweit höchsten Zinssätze für seine Verschuldung. Puerto Rico ist weniger das Griechenland Amerikas, als vielmehr Griechenland das Puerto Rico Europas. In den guten Zeiten hat es sehr viele Kredite zu günstigen Bedingungen erhalten, nun ist jedoch die Stunde der Abrechnung gekommen. Es vermag weder zu zahlen, kann sich aber auch nicht mittels eines Bankrotts zu zahlen weigern und einen neuen Anfang machen. Viel Griechen lasten Deutschland ihr Unvermögen an, der Last der Verschuldung zu entkommen. Zu einem Teil haben sie Recht, jedoch ist auch Griechenland selbst nicht frei von Verantwortungen.

In Griechenland kann man zwei Überraschungen begegnen, die eine wohl eher traurig und die andere voller Versprechungen. Erstens, sechs Jahre nach dem Beginn der Krise ist auf dem Weg zur wirtschaftlichen Umgestaltung nur sehr wenig geschehen. Der private Sektor leidet unter dem Fehlen von Wachstum, der öffentliche Sektor leidet unter dem Fehlen von Einnahmen infolge der einheimischen Steuerhinterziehung, die durch das fehlende Wachstum verstärkt wird.

Die zweite (Überraschung) waren die Energie und der Elan der unternehmerischen Klasse des Landes. Das Griechenland, das seine Kritiker präsentieren – eine Nation manischer Raucher und fauler Ouzo-Trinker -, ist ein Klischee und der ihm gebührende Platz auf dem Müll. Die Leute, denen man zu begegnen vermag, sind dynamisch, intelligent und für alles begeistert, was die Zukunft verbergen mag, trotz der vielen Herausforderungen, denen das Land begegnet.

Bis die Schuldenkrise Griechenlands gelöst wird, was seine funktionsunfähige Regierung nicht erleichtert, ist allerdings kein Ende seiner wirtschaftlichen Leiden in Sicht. Dies wiederum bedeutet, dass Griechenland wahrscheinlich die Wirtschaft Südeuropas bremsen wird.

Verschuldung hemmt ab einem gewissen Punkt die Konjunktur

Italien bietet ein etwas helleres Bild. Die mit mehr als 2,1 Billionen Dollar viertgrößte Wirtschaft Europas (nach Deutschland, Großbritannien und Frankreich – und vor Russland) liegt bei etwa 3,5% der Weltwirtschaft. Und seine Wirtschaft wächst auch wieder, obwohl sein BIP noch um eine Viertelbillion unter seinem Höhepunkt des Jahres 2008 liegt.

Laut dem CIA World Factbook ist die Wirtschaft Norditaliens vielfältig und von kleinen und mittleren Unternehmen beherrscht, wobei sich viele davon auf moderne, hochqualitative Konsumprodukte fokussieren (der Süden neigt dazu, landwirtschaftlich geprägt zu sein, und ist von den staatlichen Subventionen abhängig). Diese Handelsbasis stellt eine Quelle der Stabilität, aber auch eine signifikante Einschränkung dar. Viele Unternehmen haben Probleme mit der Nachfolge, der niedrigen Produktivität und dem beschränkten Zugang zu Kapital. Obwohl Städte wie Rom und andere touristische Ziele gedeihen, hat das übrige Land ein minimales oder überhaupt kein Wachstum und das Pro-Kopf-BIP ist auf den Niveaus des Jahres 1999 stecken geblieben.

Wie auch Griechenland hat Italien eine weit verbreitete Bargeld-Wirtschaft, wobei ein großer Teil von ihr auf die Vermeidung von Steuern abzielt. Jedoch erreicht diese auf keinen Fall die Niveaus, denen man in Griechenland begegnet. Die Kreditkarten werden überall akzeptiert und man begegnet kaum einem Ladeninhaber, bei Barzahlungen einen „Rabatt“ zu gewähren. Die elektronischen Geschäftsabwicklungen sind der Feind des Schwarzmarktes.

Bis einschließlich 2006 hatten sowohl Italien als auch Griechenland eine Verschuldungsquote zum BIP nahe bei 100%. Nach der Finanzkrise erreichte Italiens Quote 130%, während sie in Griechenland auf 180% hochschnellte. (Zum Vergleich, der durchschnittliche Prozentsatz für die Europäisch Union liegt bei etwa 87%, während er für die USA 104% beträgt.)

Ab einem gewissen Punkt wird die Verschuldung zum Hindernis für das Wachstum. Griechenland scheint sich an diesem Punkt zu befinden. Italien auch? Möglicherweise. Wir werden es sehen.

(Quelle: sofokleous10.gr)

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