Griechenland: Mach Dein Haus zum Hotel, es geht!

29. Mai 2016 / Aufrufe: 2.157
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Eigentümer und sogar Mieter von Immobilien in Griechenland dürfen seit November 2015 Zimmer, Wohnungen und Häuser ohne spezielle Genehmigung an Touristen vermieten.

Griechische und ausländische Eigentümer von Immobilien in Griechenland werden über Nacht zu Hoteliers, indem sie per Internet bis hin zu einzelnen Zimmern ihrer Häuser / Wohnungen, in denen sie selbst und ihre Familien wohnen, an (ausländische) Touristen vermieten!

Zur selben Stunde brodelt es auf dem Hotelmarkt, wobei die Unternehmer von unlauterem Wettbewerb und Desinteresse der staatlichen Maschinerie hinsichtlich der verloren gehenden Steuereinnahmen reden.

Vermietungen an Touristen müssen nur noch formal deklariert werden

Allein auf den populären (Online-) Plattformen AirBnB und Homeaway übersteigen die Vermietungsangebote für Wohnungen in ganz Griechenland 40.000, während die zur Vermietung anstehenden Villen, die bereits die Plakette der Tourismusbehörde EOT erhalten haben, weit über 6.500 zählen – welche Nummer der Griechische Träger für Tourismus offiziell bis 31/12/2014 angibt.

Es ist charakteristisch, dass die Anzeigen bezüglich der Vermietung von Häusern per AirBnB sich im Verhältnis zum vergangenen Jahr mehr als verdoppelt haben, wobei die Immobilieneigentümer hoffen, dass die Einnahmen, die ihnen die ausländischen Touristen einbringen werden, nicht nur zur Bezahlung der heftigen Besteuerung (ENFIA), sondern auch zur Erzielung eines – häufig sogar unversteuerten – Zusatzeinkommens beitragen. Die täglichen Mietpreise beginnen analog zu der Immobilie und dem Gebiet, in dem sie sich befindet, ab 9 Euro pro Besucher (beispielsweise für ein Zimmer in einem Haus in Kypseli) und Tag und können bis zu 8.000 Euro pro Tag erreichen, wenn es sich um eine über 5 oder mehr Schlafzimmer verfügende superluxuriöse Villa mit jedem Komfort auf Mykonos handelt.

Einen entscheidenden Beitrag zu dem Boomen des Phänomens der Vermietungen von Wohnungen und Häusern an Touristen hat das „Memorandum“ des vergangenen Augusts (2015) geleistet, da § 1 des Artikels 2 des Gesetzes N. 4276/2014 (FEK A‘ 155) und § 7 des Artikels 2 des Gesetzes N. 2160/1993 (FEK A‘ 118) mit Wirkung ab dem 01 November 2015 gesetzlich gestrichen wurden. Einfach gesagt bedeutet dies, dass jeder, der sein Haus / seine Wohnung – gleich ob für einen Tag, eine Woche oder 20 Tage – an (ausländische) Touristen vermieten möchte, dies tun darf, und zwar allem voran, ohne dass die Immobilie als touristische Unterkunft betrachtet wird und ohne dass eine Genehmigung oder eine Plakette des EOT nötig ist.

Es sei angemerkt, dass die Eigentümer von Immobilien, die unter die Bestimmungen des neuen Gesetzes fallen und sich dafür interessieren, ihre Immobilie zu vermieten, die minimale Verpflichtung – gemäß der griechischen Steuergesetzgebung – haben, zu der fristgemäßen „elektronischen“ Deklaration der Angaben (Mietobjekt, Mieter, Mietdauer, Mietpreis usw.) zu dieser Vermietung mittels der Internetanwendung der Direktion für elektronische Regierungsführung (DILED) auf dem Internet-Portal www.gsis.gr und dem diesbezüglichen Erhalt einer Deklarations-ID für die Vermietung zu schreiten.

In diesem Zusammenhang sei in Erinnerung gerufen, dass ausländische Mieter inzwischen einen Mietvertrag auch ohne Angabe einer (griechischen) Steuer-ID, sondern nur unter Vorlage ihres Reisepasses abschließen können.

Das Untervermietungs-Business

Gleichzeitig „vermehren“ sich mit enormer Geschwindigkeit auch Jene, die es zu einem „Business“ gemacht haben, bei Touristen beliebte Wohnungen – speziell in Regionen im Gr0ßraum Attika (Zentrum, südliche und östliche Vorstadtbezirke) – zu dem Zweck anzumieten, sie danach per Internet zur Untervermietung anzubieten. Die angestrengt nach liquiden Mietern suchenden Eigentümer haben in den meisten Fällen keine Ahnung von den „unternehmerischen Ambitionen“ der sie tangierenden Personen.

Laut den Immobilienmaklern kann diese Untervermietung den Mietern bis zu dreimal so viel Geld einbringen als sie den wirklichen Eigentümern zahlen. Beispielsweise ist eine 3-Zimmer Wohnung in den (Athener Vorstadt-) Bezirken Metaxourgio, Keramiko oder Sepolia, analog zu ihrem Zustand und gegebenenfalls der gebotenen Aussicht, nicht für mehr als 400 Euro im Monat zu vermieten. Wenn der „Unternehmer“ sie jedoch – sei es auch nur für die halbe Zeit – für 30 bis 70 Euro pro Nacht untervermietet, erwirtschaftet er nicht nur die Miete, sondern es bleibt ihm auch ein respektabler Betrag über.

Hoteliers monieren unlauteren Wettbewerb

Auf der Gegenseite vertreten die Hotelunternehmen, es werden – hauptsächlich in Gebieten mit urbanen Strukturen – Umstände eines unlauteren Wettbewerbs durch nicht lizenzierte Unterkünfte gegen die lizenzierten Unterkünfte kultiviert, denen nicht mit dem selben Steuer- und Versicherungsrahmen begegnet wird.

Wie der Verband der Hoteliers von Athen – Attika und den Argosaronischen Inseln (EXAAA) berichtet, zeigten trotz des bejubelten Anstiegs der Ankünfte in Athen um 6,1% im ersten Quartal 2016 die Fakten zu Betrieb und Ergebnissen in den Athener Hotels „unter dem Nenner Null„: Der Unterschied der Auslastung der Anlagen gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum beträgt 0% und die Schwankung bei dem durchschnittlichen Zimmerpreis (ARR) und den Einnahmen je verfügbares Zimmer (revPAR) stagnieren seit April bei entsprechend 0% und -0,3%.

Als Grund für die Öffnung der „Schere“ wird der Verlust von Besuchern an die nicht lizenzierten und nicht besteuerten „touristischen“ Unterkünfte betrachtet.

Niemand schert sich um … Steuern

Zu entsprechenden Schlussfolgerungen gelangt auch die für Rechnung der Hotelkammer Griechenlands ausgearbeitete Studie der Grant Thornton mit Titel „Betrieb und Auswirkung der Sharing-Wirtschaft auf die Hotelbranche in Griechenland„, worin angeführt wird, dass allein 2014 Steuern in Höhe von rund 350 Mio. Euro und etwa 15.000 Arbeitsplätze wegen des Betriebs der illegalen touristischen Unterkünfte „verloren“ gingen.

Wie in der Studie betont wird, verursachen die sogenannte Sharing-Wirtschaft und die Beherbergung von Touristen in illegalen touristischen Unterkünften einen Verlust von wenigstens 12 Mio. Übernachtungen bei rechtmäßig betriebenen Beherbergungsunternehmen. Dies bedeute, dass die Hotelunterkünfte ungefähr 554 Mio. Euro geringere Einnahmen aus dem Aufenthalt verzeichnen. Laut der Grant Thornton wird das Volumen der Sharing-Wirtschaft auf dem Sektor des Tourismus Griechenlands auf 1,38 – 1,46 Mrd. Euro veranschlagt (Aufwendungen für Aufenthalt, Verpflegung u. a.), und von diesem Wert beziehen sich 588 Mio. Euro auf Einnahmen, die den Aufenthaltskosten entsprechen.

Die Hoteliers lasten dem Wirtschaftsstab der griechischen Regierung sogar Verantwortungen für den Verlust von Millionen Euro aus der Besteuerung an, während sie selbst aufgefordert sind, wieder einmal die „Zeche“ zu bezahlen (Erhöhung der MwSt. und Arbeitgeberabgaben, Erhebung einer Übernachtungsabgabe, Erhöhung der ENFIA usw.).

(Quelle: dikaiologitika.grr, Autorin: Xanthi Gounari)

  1. Blanke
    29. Mai 2016, 12:42 | #1

    Das ist ein weiteres Geschäftsmodell der tatsächlich herrschenden Figuren, sprich in- und ausländische Kapitalisten mit deren Helfershelfern in EU, hier in Besonderheit Deutscland, IWF, EZB. Durch diese Maßnahme werden Hotels und Pensionen weitgehend entwertet, viele werden ihre Betriebe verkaufen müssen. Das drückt die Preise und dann schlägt dieses Geldhalunkenpack wieder zu und reißt sich das auch noch billig unter seine schmutzigen Nägel. Wenn das dann so gelaufen ist, dann werden die Privatvermietungen wieder verboten unter stark restriktiv gehandhabt. So geht das und wir alle gucken zu wie die Ölgötzen.

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