Eigentümer von Immobilien in Griechenland werden erneut abgezockt

22. Mai 2016 / Aufrufe: 2.816
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Eigentümer von Immobilien in Griechenland werden mit rückwirkenden Erhöhungen der Zusatzsteuer zur sogenannten zur ENFIA um bis zu 200 Prozent konfrontiert.

Die sogenannte Immobilien-Besitzsteuer (ENFIA), die nicht nur nicht abgeschafft, wie es die Funktionäre der (jetzigen SYRIZA-) Regierung vor den Wahlen vollmundig versprachen, sondern dauerhaft etabliert wird und noch größere Belastungen mit sich bringt, setzt die Portemonnaies der Eigentümer von Immobilien Griechenland „in Brand“.

Das griechische Finanzministerium schreitet zu einer – rückwirkend ab Anfang 2016 in Kraft tretenden! – Angleichung der Sätze der Hauptsteuer auf Grundstücke und der Staffelung der Zusatzsteuer und bestätigt damit die seit geraumer Zeit bekannt gewordenen Informationen, denen zufolge die diesjährige Immobiliensteuer einfach nur eine leicht modifizierte Variante der ENFIA des Vorjahres 2015 sein werde.

Welchen Eigentümern höhere Steuern drohen

Praktisch erfolgen einzig und allein Änderungen bei den (Hebe- bzw. Steuer-) Sätzen. Der Grund dafür ist, dass man im Finanzministerium auf keinen Fall will, nach der (höchstgerichtlich verfügten) Angleichung der sogenannten einheitlichen „objektorientierten Immobilienwerte“ (sprich Einheitswerte) das „fixe“ Einnahmeziel von 2,65 Mrd. Euro zu verlieren.

Das Problem liegt darin, dass die Senkung der Zonenpreise in vielen Gebieten Griechenlands nicht so ausfiel, um die drastische Senkung des Steuerfreibetrags für die Immobilien-Zusatzsteuer von 300.000 auf 200.000 Euro auszugleichen, was zum Resultat hat, dass viele Eigentümer in Gefahr laufen, eine höhere Steuer als im vergangenen Jahr (2015) zu entrichten. Diese Perspektive stärkt der Umstand, dass zu dem (Gesamt-) Wert der Immobilien fortan auch der Wert der (außerhalb eines Bebauungsplans oder einer Ansiedlung liegenden) Landstücke hinzugerechnet wird, die bisher von der Veranlagung zur Zusatzsteuer (jedoch natürlich nicht der eigentlichen ENFIA) ausgenommen waren.

Es sei in Erinnerung gerufen, dass die Hauptsteuer der ENFIA für jede Immobilie gesondert berechnet wird, und zwar mittels spezieller Faktoren, die sich analog zu dem sogenannten Zonenpreis (progressiv) staffeln, während die Immobilien-Zusatzsteuer auf Basis einer gesonderten (im übrigen ebenfalls progressiven) Staffelung auf den Gesamtwert des Immobilienvermögens veranschlagt wird.

Die Verlierer aus der neuen Berechnung der ENFIA

Die griechische Regierung mag behaupten, gerade einmal einer von acht Eigentümern werde Erhöhungen sehen, der Panhellenische Verband der Immobilieneigentümer ist jedoch völlig anderer Ansicht und veranschlagt, sehr viel mehr Eigentümer erwarte eine unangenehme Überraschung, nämlich konkret:

  • Eigentümer eines Immobilienvermögens mit einem sogenannten Einheitswert von insgesamt über 200.000 Euro.
  •  Eigentümer, die zum ersten Mal auch für Landstücke zur Zusatzsteuer veranlagt werden.
  • Eigentümer eines Immobilienvermögens im Gesamtwert zwischen 400.000 – 600.000 Euro werden die „Abzocke“ um 150% bis 325% steigen sehen.
  • Eigentümer leer stehender und nicht elektrifizierter Immobilien, da in der aktuellen Gesetzesvorlage die Ermäßigung von 20% der ENFIA wegfällt, die ihnen bis 2015 für solche Immobilien eingeräumt wurde.
  • Eigentümer von Grundstücken, da die Hebesätze der Hauptsteuer für die (natürlichen Personen gehörenden) Grundstücke um 23% – 25% erhöht wurden.

Als einzige Gewinner gehen nur die Eigentümer hervor, die über Wohnungen / Häuser in Gebieten verfügen, in denen der Einheitswert drastisch gesenkt wurde. Aber auch hier existiert eine Falle, da es viele Gebiete gibt, in denen sich trotz der Senkung der sogenannten Zonenpreise keinerlei Unterschied bei der ENFIA ergibt, weil die Immobilien in der selben Zonenpreis-Klasse verblieben.

Staffelung der Immobilien-Zusatzsteuer in Griechenland
(diese Steuer wird zusätzlich zu der regulären ENFIA erhoben!)

Wertstaffelung des Immobilien-Gesamtvermögens Steuersatz (%)
2016 2015
0,01 – 200.000 0,00 0,00
200.000,01 – 250.000 0,10 0,00
250.000,01 – 300.000 0,15 0,00
300.000,01 – 400.000 0,30 0,10
400.000,01 – 500.000  0,50 0,20
500.000,01 – 600.000 0,60 0,30
600.000,01 – 700.000 0,80 0,60
700.000,01 – 800.000 0,90 0,70
800.000,01 – 900.000 1,00 0,80
900.000,01 – 1.000.000 1,05 0,90
1.000.000,01 – 2.000.000 1,10 1,00
darüber hinaus 1,15 1,00

Überbesteuerung stranguliert die Wirtschaft

Infolge geradezu wahnwitziger steuerlicher Belastungen sind in Griechenland inzwischen zigtausende private Eigentümer in den wirtschaftlichen Ruin getrieben worden und obendrein mit strafrechtlichen Sanktionen – bis hin zu langjährigen Haftstrafen – konfrontiert, da sie allgemein ohne jegliche Differenzierung als „Steuerhinterzieher“ behandelt werden.

Nicht weniger harte oder sogar noch fatalere Konsequenzen werden die neuen Bestimmungen aber auch für zahllose Unternehmen, Firmen und (sogar gemeinnützige!) Träger haben und in vielen Fällen das endgültige „Aus“ bedeuten. So ist beispielsweise vorgesehen:

  • Hinsichtlich der juristischen Personen und juristischen Körperschaften allgemein wird der Satz der zusätzlichen ENFIA von 5% auf 5,5% erhöht, während für die definierten juristischen Personen öffentlich und privaten Rechts nicht gewinnorientierten Charakters sowie auch Immobilien-Investment-Aktiengesellschaften besagter Steuersatz von 2,5% auf 3,5% erhöht wird.
  • Im Eigenbesitz befindliche und für Produktionszwecke oder die Ausübung unternehmerischer Aktivitäten jeglicher Art genutzte Immobilien sind nicht mehr von der Zusatzsteuer zur ENFIA ausgenommen und werden fortan mit einem Satz von 0,1% besteuert.

Die resultierenden zusätzlichen Belastungen werden sich natürlich unweigerlich negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Unternehmen bzw. Wirtschaft allgemein auswirken und treffen unter anderem speziell in Kombination mit der neuen sogenannten „Aufenthaltssteuer“ besonders hart die Hotelbetriebe und im weiteren Sinn den Sektor des Tourismus.

(Quellen: iefimerida.gr, dikaiologitika.gr, Medienberichte)

  1. palina
    22. Mai 2016, 10:06 | #1

    Diese Berichte sollten all EU-Bürger aufmerksam lesen. Das wird nämlich in Zukunft alle betreffen. In Griechenland wird erprobt, wie weit man gehen kann.

  2. Peppina
    22. Mai 2016, 13:19 | #2

    Halleluja. Die Reichen koennen ja bluten und es sich leisten. Aber was ist mit den Arbeitslosen, den Rentnern, denen eh wieder an der Rente geknabbert wird. Sie werden zahlungsunfaehig sein. Einfach nicht mehr bezahlen!

  3. weekend
    22. Mai 2016, 17:42 | #3

    Meist trifft es halt doch diese Leutchen, die kaum mehr einen Euro entbehren koennen und wie viele verlieren dadurch noch ihr Dach ueber dem Kopf … erschreckend wie weit die EU geht, sie wissen um das Leid in Griechenland – und es wird ohne Gnade draufgehauen. Wie viele Tote durch Krankheit, Selbstmord und seelisches Leid wird diese Krise noch kosten, da sollte mal die EU oeffentlich Stellung beziehen muessen, ob sie das wirklich verantworten koennen.

  4. BravoZulu
    22. Mai 2016, 18:02 | #4

    Die griechische Regierung weiß nicht wie sie wieder auf den sogenannten grünen Zweig kommen kann. Der oben genannte Weg führt in die Verarmung der griechischen Bürger und beraut diese ihrer Lebensleistung, sich mit jahrelanger Arbeit ein eigens Zuhause aufgebaut zu haben. Die Regierung sollte mal die richtigen Voraussetzungen für Investitionen schaffen und langfristige vertrauensvolle Maßnahmen beschließen, die es ermöglichen, dass griechische Leute den Mut haben einen Betrieb oder ein Unternehmen zu gründen.

  5. windjob
    22. Mai 2016, 18:44 | #5

    Das die Griechen eine zunehmende Aversion gegen Steuern haben, ist nachvollziehbar. Gerade an der ENFIA wird ja seit Jahren rumgepfuscht. Das geht auf keine Kuhhaut. Einer der Gründe ist aber auch die Art, wie die EU Griechenland zu solchen Gesetzen nötigt.

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