Die Gefahren für Griechenland und die EU

7. Mai 2016 / Aufrufe: 1.259
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Analysten der Economist prognostizieren, Griechenland werde innerhalb der kommenden fünf Jahre aus der Eurozone ausscheiden.

Die Einschätzungen bezüglich Griechenlands in dem Bericht der Economist Intelligence Unit mit Titel „Europa an seinen Grenzen“ sind Unheil verkündend. Laut der Analyse wird damit gerechnet, dass Griechenland irgendwann innerhalb der kommenden fünf Jahre aus der Eurozone ausscheiden wird.

Die Analysten des Economist versuchen, die grundsätzlichen Herausforderungen für das vereinigte Europa zu kodifizieren, welche Folgende sind: Das Immigrantenproblem, der Brexit, der Grexit, die Rolle der Zentralbanken und spezieller der EZB, die niedrige Produktivität, die Beziehungen EU – Russland und schließlich das Erscheinen des Populismus, der die europäischen Demokratien vor ernsthafte Probleme stellt. Das Hauptproblem für die EU wird auftreten, wenn sie aufgefordert sein wird, mehrere der vorstehend angeführten Herausforderungen gleichzeitig parallel zu handhaben.

Drei ernsthafte Herausforderungen für Griechenlands Regierung

Wenn das neue Stocken in den Verhandlungen Athens mit den sogenannten Institutionen ein Indiz darstellt, ist nicht auszuschließen, dass die Analysten der Economist Intelligence Unit in ihren Prognosen in Zusammenhang mit der Position Griechenlands in der Eurozone Recht bekommen werden. Wie sie anmerken, werden die Bemühung der Regierung des Alexis Tsipras, die in dem im Juli 2015 von ihm selbst unterschriebenen Memorandum No. 3 vorgesehenen Reformen voranzutreiben, zu ernsten politischen Spannungen im Inland führen. Sie zeigen sogar drei sehr ernsthafte Herausforderungen auf:

Die erste ist die Schwierigkeit, die neuen Maßnahmen umzusetzen. Die Schlussfolgerung, zu der die Autoren des Berichts gelangen, ist, dass die größte Frage keine andere als die ist, ob es irgend eine griechische Regierung gibt, welche die Reformen des dritten Memorandums umsetzen könnte. Und dies wegen der Gegenreaktion etablierter Interessen, aber auch einer Bevölkerung, die von der Austerität heimgesucht worden ist.

Die zweite Herausforderung bezieht sich auf das Thema der Konjunktur und der öffentlichen Verschuldung. „Für Griechenland wird es schwierig sein, seine Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen und einen erwähnenswerten Fortschritt zu erreichen, während es innerhalb der Eurozone verbleibt„, wird charakteristisch angemerkt. Die in dem Rettungspaket umfassten strukturellen Reformen sind „Spätzünder“ und bringen kurzfristig gesehen kein Wachstum mit sich. Gemäß den Analysten des Economist reichen jedenfalls die einfache Prolongierung der der Kredite, die Senkung der Zinssätze und die Gewährung längerer tilgungsfreier Perioden nicht aus und es wird ein reiner Verschuldungserlass zu untersuchen sein.

Die dritte Herausforderung ist die Handhabung des Euro-Skeptizismus in der griechischen öffentlichen Meinung. Die gefährliche Prognose lautet, es sei wahrscheinlich, dass die Unterstützung des Verbleibs in der Eurozone „um jeden Preis“ abnimmt, solange die Arbeitslosigkeit nicht fällt und der Aufschwung ausbleibt.

Grexit, Flüchtlingsproblem, Vereinbarung EU – Türkei

Die Prognose lautet also, dass Griechenland aus der Eurozone ausscheiden wird und einfach nur noch nicht der Zeitpunkt genau bestimmt werden kann. Theoretisch wird die Wirtschaft sich nach einem Jahr tiefer Rezession erholen – unter der Voraussetzung einer konsequenten Fiskalpolitik. Die Eurozone ist inzwischen besser vorbereitet, den wirtschaftlichen Folgen eines Grexit’s zu begegnen, jedoch werden die politischen Auswirkungen nicht vernachlässigbar sein. Und dies, weil die Perspektive der selbigen Eurozone in Frage gestellt werden wird.

Viele meinen, der Wendepunkt, der die Eurozone vor der Auflösung rettete, sei Mario Draghis Wende im Sommer 2012 gewesen, „alles Nötige“ tun zu werden, damit Schlimmeres abgewendet wird. Manche meinen, die im vergangenen März zwischen EU und Türkei getroffene Vereinbarung könnte eine entsprechende Bedeutung für die Bewältigung des Immigranten- / Flüchtlingsproblems haben.

Der Erfolg der Vereinbarung ist spezieller für Deutschland und Angela Merkel persönlich kritisch. Das Hauptproblem für Berlin war das Gefühl des Verlusts der Kontrolle und der Schlag für das gesellschaftliche Gerüst durch das unkontrollierte Eintreffen von Flüchtlingen auf deutschem Boden. Diese Vereinbarung enthält jedoch „gefährliche Kurven“, in denen sie entgleisen könnte. Erstens kann ihre Rechtmäßigkeit angezweifelt werden. Zweitens stützt ihre Umsetzung sich sehr auf den guten Willen Ankaras. Drittens bleibt unbekannt, ob Griechenland über die erforderliche Verwaltungseffizienz verfügt, um all das zu schaffen, wozu es sich selbst verpflichtet hat. In diesem letzten Punkt darf auch nicht übersehen werden, dass Griechenland parallel die Verhandlungen mit dem „Quartett“ (sprich den Vertretern seiner ausländischen Gläubiger) zu handhaben hat.

Anhaltende Ungewissheit in den Beziehungen EU – Russland

Die Beziehungen zwischen der EU und Russland werden in den nächsten Jahren von Ungewissheiten gekennzeichnet sein. Im Zentrum befindet sich natürlich die Sache mit der Ukraine. Die Europäer haben die Aufhebung der Sanktionen, die sie nach der Okkupation der Krim und den Zusammenstößen in der Ost-Ukraine verhängten, mit der Umsetzung des Abkommens Minsk II verknüpft.

Kurzfristig werden jedoch keine erschütternden Entwicklungen erwartet, spezieller nicht hinsichtlich der Schlüssel-Bestimmung, dass Moskau die völlige Wiederherstellung der Kontrolle der Grenzen der Ukraine zu Russland gestatten muss. Für die kommenden fünf Jahre wird das Ukraine-Thema jedoch zu einem „eingefrorenen Konflikt“ werden. Die Analysten der Economist Intelligence Unit erwarten eine Erneuerung der Sanktionen im Juli 2016, sehen jedoch im weiteren Verlauf deren Mäßigung voraus.

(Quelle: sofokleous10.gr)

  1. karnapas
    7. Mai 2016, 23:12 | #1

    zu 1. Grexit: Der Verbleib Griechenlands in der Eurozone bedeutet eine Katastrophe für die meisten Griechen ( für die , die finanziell weniger gut gestellt sind).
    Das Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone bedeutet auch eine Katastrophe, aber für alle alle alle (und für die Europäer, die um Macht / Einfluss und ihre Gewinne fürchten >> das sind zwar nur wenige, und sicher sind auch Griechen dabei), aber es gibt eine Signalwirkung für andere Südländer, dass ‚Scheitern‘ auch anders geht.
    zu 2. Flüchtlingsproblem: zynisch — einfach Grenzen öffnen (Fyrom, Serbien, Slowenien etc.) und Deutsche und Österreicher und Ungarn auf die „anströmende Flut“ schiessen lassen. Dann wissen alle genau , worum es geht.

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