Grexit derzeit noch wahrscheinlicher als 2015

29. April 2016 / Aufrufe: 1.988

Gikas Chardouvelis, letzter Finanzminister der Regierung Samaras, hält ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro derzeit für noch wahrscheinlicher als 2015.

Der ehemalige Finanzminister Gikas Chardouvelis der Anfang 2015 abgewählten Regierung Griechenlands unter Antonis Samaras stellte eine beunruhigende Prognose bezüglich der Entwicklungen in der Wirtschaft Griechenlands. Wie er einschätzte, sei die Wahrscheinlichkeit eines Grexit’s „jetzt leider noch viel größer als im Juli vergangenen Jahres„.

In einem an den griechischen Radiosender SKAI gegebenen Interview schätzte Herr Chardouvelis ein, auch das laufende Jahr (2016) werde für die griechische Wirtschaft mit einer Rezession enden, und verwies bezüglich besserer Tage auf das Jahr 2020.

IWF wollte kein Geld an unerwünschte Regierung zahlen

Die Forderung der Gläubiger Griechenlands nach Ergreifung vorsorglicher Maßnahmen mit einem Volumen von 3,6 Mrd. Euro kommentierend äußerte der ehemalige Finanzminister, „dies beruht vielleicht darauf, dass sie uns nicht vertrauen oder befürchten, wir könnten im Thema der Versicherungsreform ‚Micky-Maus‘-Maßnahmen ergreifen, wie Poul Thomsen sagte„.

Ich befürchte Abenteuer„, fügte Gikas Chardouvelis an und betonte auch den Umstand, dass wichtige Firmen Griechenland verlassen. Weiter meinte er, wenn die „Bewertung“ (des Fortschritts des griechischen Programms) nicht zum Abschluss komme, bestehe die Gefahr, dass von der Europäischen Zentralbank (EZB) gehaltene Anleihen in Höhe von 3 Mrd. Euro nicht ausgelöst werden (können) und die unmittelbare Folge sein werde, den griechischen Banken die sogenannte Notfall-Liquiditätshilfe (ELA) zu sperren.

Der ehemalige Minister sagte ebenfalls, „die Europäische Kommission stimmte im Dezember 2014 der (sogenannten) E-Mail Chardouvelis zu. Der Internationale Währungsfonds (IWF) war nicht einverstanden und die EZB unterstützte dies. Der IWF sah die Meinungsumfragen (in Griechenland) und stimmte (den Maßnahmen) nicht zu, weil der Fonds die zugesagten 5,2 Mrd. Euro nicht an eine unerwünschte (SYRIZA-) Regierung zahlen wollte.

Varoufakis und SYRIZA sind an allem schuld

Auf die Frage, ob (damals) der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble besagter E-Mail (sprich den darin vorgeschlagenen Maßnahmen) zustimmte oder sich hinter den IWF stellte, meinte Herr Chardouvelis, Europa sei von der Europäischen Kommission vertreten worden und der Wirtschafts- und Währungskommissar Pierre Moscovici sei (mit den von Griechenland vorgeschlagenen Maßnahmen) einverstanden gewesen. Er führte ebenfalls an, „wir als Griechenland“ haben in jener Epoche den IWF über Gebühr geschmäht. Ich erinnere mich – fügte er an -, als ich mit Herrn Schäuble sprach, sagte er mir, dass ich 2010 den IWF nicht in Europa wollte, ihn jetzt jedoch möchte, weil er der zuverlässigste „Gendarm“ sei.

Laut dem ehemaligen Minister waren die Maßnahmen der sogenannten „E-Mail Chardouvelis“ keine Maßnahmen, die den Bürger berührten. Sich auf den Dezember 2014 beziehend meinte er, in jener Periode sei die schlechteste für 2015 angestellte Prognose ein Wachstums-Rhythmus von 2,5% gewesen: „Die von uns angestellte Prognose bezüglich eines BIP von 200 Mrd. Euro im Jahr 2016 war ein realistisches Ziel, weil wir damals ein Wachstum hatten.

Abschließend führte Herr Chardouvelis an, die jetzt von dem IWF geforderten Maßnahmen mit einem Volumen von 9 Mrd. Euro habe dieser auch vor dem Referendum im Sommer 2015 gefordert und seien Resultat der Verschlechterung der Lage der Wirtschaft durch die Regierungsführung Varoufakis – SYRIZA gewesen.

(Quelle: Imerisia)

  1. Helmut
    29. April 2016, 09:14 | #1

    Die Griechenlandkrise kann man nicht nur unter wirtschaftlichen Aspekten betrachten. Deshalb ist die Aussage von Gikas Chardouvelis nur bedingt realistisch. Griechenland hat für die westliche Welt ein große strategische Bedeutung. Weder Europa noch Amerika sind daran interessiert Griechenland letztendlich Richtung Russland abtriften zu lassen, wenn Griechenland aus dem Euro ausscheiden würde.

  2. Ronald
    29. April 2016, 10:44 | #2

    Der Wahlkampf hat schon begonnen …

  3. Kleoni
    29. April 2016, 10:49 | #3

    über die Versäumnisse der Samarasregierung wird geschwiegen. Dass die „Reformen“ auf Entlassungen, Arbeitslosigkeit und Schröpfung der kleinen Leute bestand, das Klientel aber fleissig bedient wurde, die Troikakontrollen aus Abnicken der Versprechungen bestand, und die Regierung Tsipras nun alles innert 1-2 Jahren – was 40 und mehr Jahre versäumt wurde – nachholen muss, für dieses Versagen muss nun die aktuelle Regierung büssen. Und es ist immer noch das Ziel des IWF u. Hr. Schäuble, die Sirizaregierung in die Wüste zu schicken – um danach wieder auf Kosten der kleinen Leute ihr Klientel bedient zu sehen.

  4. windjob
    29. April 2016, 13:12 | #4

    Das Thema ist doch ganz einfach. Sträuble und Merkwürden wollen keine Linksregierung. Hier geht es doch überhaupt nicht um Themen. Wann versteht Herr Tsipras endlich, dass er erst mal die BRD beim internationalen Gerichtshof auf Rückzahlung der Zwangsanleihen und Reparationszahlungen verklagen muss. Vielleicht begreift der alte Mann dann endlich, um was es geht. Wohlgemerkt, ich bin Deutscher. Es geht hier um über 80 MRD Euro und das weiss Schäuble genau. Deshalb hat er auch abgelehnt, mit Varoufakis zu diskutieren.
    Vielleicht wäre es tatsächlich besser gewesen, mit einem Fachmann wie Varoufakis in einen geordneten Grexit zu gehen. Da hätte Schäuble ganz schön doof aus der Wäsche geschaut. Aber es besteht noch Hoffnung.

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