Flüchtlinge wollen aus Griechenland weg

2. April 2016 / Aufrufe: 1.116
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Praktisch keiner der derzeit in Griechenland festsitzenden Flüchtlinge möchte im Land bleiben, während 7 von 10 nach Deutschland gelangen wollen.

Die von der Kapa Research für den Bezirksverband Griechenlands (ENPE) durchgeführte Untersuchung verzeichnet interessante Angaben über die in den Auffangzentren Attikas und im Hafen von Piräus befindlichen Flüchtlinge und Immigranten.

Die Ergebnisse der Ergebung, die am 15 und 16 März 2016, also noch bevor die Grenzen an der sogenannten Balkanroute schlossen, in der Sprache der Flüchtlinge durchgeführte wurde und bei der 637 Personen antworteten, präsentierte am 31 März 2016 bei einer Pressekonferenz der Vorsitzende der ENPE und Gouverneur von Thessalien, Kostas Agorastos.

Über 60% der Flüchtlinge sind mäßig oder gar nicht gebildet

Spezieller wurde die Befragung in den Auffangzentren Elliniko, Schistos, Eleonas und im Hafen von Piräus durchgeführt. Laut den Ergebnissen sind die Flüchtlinge und Immigranten in ihrer Mehrheit Syrer (74%), Männer (73,8%), jung (72,2% sind bis 35 Jahre als) und beschränkter Bildung (61,3% völlig ohne oder mit bis zu neunjähriger Bildung). Ebenfalls sind 83% Sunniten, während 58,1% täglich beten. In ihrem Land waren 19,6% in der Industrie, 12,5% auf dem öffentlichen Sektor, 7,5% bei einer Bank oder in einem anderen privaten Unternehmen und ungefähr 10% in der Landwirtschaft / Viehzucht beschäftigt.

Hauptanlass für ihre Auswanderung war eine Gefahr, in der sich ihr Leben entweder durch Bombardierungen (65,4%) oder Bürgerkrieg (33,5%) befand, sowie ebenfalls das Terrorklima (32,7%) und die häufigen Feindseligkeiten (28,8%) in ihrer Region. Weitere sekundäre Gründe waren die Vermeidung des Wehrdienstes, die Armut und das Fehlen von Basisgütern und Infrastrukturen, aber auch die Einschränkung der persönlichen / politischen Rechte oder das Bedürfnis nach familiärer Zusammenführung.

Nur gut ein Drittel der Flüchtlinge musste vor ISIS fliehen

Laut der Untersuchung der Kapa Research für die ENPE erklärt die überwältigende Mehrheit der Flüchtlinge, irgendwann in ihre Heimat zurückkehren zu wünschen, da 9 von 10 eine mit ihnen verwandte Person zurückgelassen und die Hälfte dort Vermögenswerte haben. Interessant ist ebenfalls die Angabe, dass nur 36,3% gezwungen waren, wegen ISIS ihre Heimat zu verlassen. Dagegen gingen 56,6% wegen des Regimes / der Regierung, wegen der syrischen Befreiungs-Armee (22,4%) und aus anderen Gründen weg.

Weiter sind 7 von 10 zusammen mit einem Verwandten oder einer ihnen vertrauten Person unterwegs. Für die meisten (62,8%) hat die Reise weniger als 30 Tage gedauert, während 6 von 10 mehr als zehn Tage in einer Unterkunft eines Transitstaats – höchstwahrscheinlich in der Türkei – verbracht haben. Bevor sie aus ihren Ländern aufbrachen, holten 56,8% von Bekannten oder Verwandten, die sich bereits in einem Land der Europäischen Union niedergelassen haben, oder über das Internet und die sozialen Medien (20,2%) wichtige Informationen über die Reise und ihren Zielort ein. Das Internet scheint auch während der Dauer der Reise eine signifikante Rolle zu spielen, da die Mehrheit (53,5%) Smartphones nutzt.

Laut ihren Antworten zahlten 53,1% dafür, um nach Griechenland zu gelangen, während 20,9% eine Vergütung für ihre Verbringung (auch) innerhalb Griechenlands entrichteten. 7 von 10 Flüchtlingen (68%), die derzeit in den Auffang- / Beherbergungszentren des Großraums Attika verweilen, wollen nach Deutschland gelangen und erklären sich sehr oder reichlich zuversichtlich, dies schaffen zu werden (59,6%).

Trotz positiver Bewertungen ist Griechenland kein Zielland

Griechenland (77,6%) und Deutschland (74%) vereinen die meisten positiven Meinungen unter den Ländern auf sich, die eine Rolle im Flüchtlingsthema spielen – im Gegensatz zu der Türkei und Russland, die entsprechend nur 15,1% und 8,4% positive Äußerungen erhalten. Trotz der positiven Meinungen stellt Griechenland jedoch kein Zielland dar.

Selbst falls sie – beim ersten Versuch – die Grenzen nach Mitteleuropa nicht zu überwinden schaffen, äußern gerade einmal 12,5% der Flüchtlinge, sie würden wählen, sich dauerhaft in Griechenland einzurichten, entweder in irgend einer organisierten Einrichtung (8,6%) oder bei Verwandten / Freunden, die bereits in Griechenland leben (3,9%). Die meisten erklären, vorläufig in einer Auffangeinrichtung in der Hoffnung zu verweilen, dass die Grenzen geöffnet werden (54,4%), während auch 13,5% anführen, nach einer anderen Passage suchen zu werden, und 16,8% meinten, sie würden in ihre Heimat zurückkehren werden.

Für die Flüchtlinge ist Griechenland ein Transitland hauptsächlich wegen der Leichtigkeit, über die Grenze zu gelangen (76,3%), und wegen der vergleichsweise niedrigen Kosten (19,1%). Ebenfalls führen sie an, dass die Griechen gastfreundlich sind und ihnen helfen, die griechischen Behörden nicht so streng sind und es eine den Flüchtlingen wohl gesonnene Regierung gibt. Angesicht der gegebenen Umstände fühlen sich bei ihrem bisherigen Aufenthalt in Griechenland 40,6% gut, 24,5% mittelmäßig und 26,5% schlecht. Fast 7 von 10 beurteilen jedoch die Situation an dem Ort, wo sie vorläufig verweilen (Piräus, Elliniko, Schistos, Eleonas), als problematisch.

3 von 10 Flüchtlingen würden eventuell in Griechenland bleiben

Die in Griechenland in die Handhabung der Flüchtlingskrise involvierten Institutionen / Träger werden ausnahmslos positiv beurteilt: Küstenwacht, Polizei, Regierung, Nicht-Regierungsorganisationen, Gesundheitssystem und lokale Selbstverwaltung erhalten mit Anteilen von über 60% positive Beurteilungen.

Das grundsätzliche Problem, dem die Flüchtlinge in ihrem Kontakt zu den staatlichen Behörden begegnen, ist die Sprache (53,5%). Trotz der Tatsache, dass die Flüchtlinge in ihrer Gesamtheit sich nicht in Griechenland niederzulassen wünschen, meinen 3 von 10, sie würden sich unter gewissen Umständen vielleicht zum Bleiben entschließen, falls sie Arbeit fänden, da hier bereits eine Community aus ihrem Heimatland existiert oder sie Verwandte haben und weil sie das soziale Schutzsystem in Griechenland für gut halten.

24,1% würden, wenn sie letztendlich in Griechenland bleiben sollten, auch die Zusammenführung ihrer Familie anstreben und sie hierher einladen. Der Ort, an dem sie sich niederlassen wollen würden, sind Athen und sein Umfeld (49,7%), während 22,4% überall bleiben würden, Hauptsache, sie könnten Arbeit, Nahrung und Unterkunft sicherstellen.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

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