Memoranden ruinierten Haushalte in Griechenland

15. März 2016 / Aufrufe: 3.224

Während in Griechenland inzwischen jeder Zweite Schulden an das Finanzamt hat, gelten rund 88% der fälligen Verbindlichkeiten an den Fiskus als kaum mehr beitreibungsfähig.

Drastische Fakten über die sich in den Jahren der Krise aufgeblähten Schulden der Griechen umfasst der Rechenschaftsbericht des Generalsekretariats für öffentliche Einnahmen (GGDE), der Bericht zeigt, dass die Haushalte in Griechenland dramatisch unter Druck gesetzt wurden und die Beitreibung der Schulden durch den Fiskus wahrscheinlich unmöglich ist.

Laut diesem Bericht schulden 4,3 von insgesamt 8,6 Millionen Steuerpflichtigen dem Finanzamt insgesamt 86,3 Mrd. Euro, jedoch vermag der Staat nur 10,13 Mrd. Euro beizutreiben, es werden also gerade einmal 1 von 8 Euro in die staatlichen Kassen fließen.

88,3% der Verbindlichkeiten sind schwer oder gar nicht beizutreiben

In den zwei Jahren 2014 – 2015 führten die Finanzämter und Prüfzentren 1.613.122 Pfändungen in Bankguthaben und Einkommen von Schuldnern des Fiskus durch. Weiter ist anzumerken wert, dass die Verbindlichkeiten noch mehr sind, da in dem vorstehend benannten Betrag nicht auch die Verbindlichkeiten an die Zollämter berücksichtigt worden sind.

In den Jahren der Memoranden wurden die meisten griechischen Haushalte praktisch ruiniert, da mittlerweile einer von zwei Griechen Schulden an das Finanzamt hat. Gemäß den Angaben des Berichts des Generalsekretariats für öffentliche Einnahmen sind von den 86,298 Mrd. Euro des Gesamtbetrags der fälligen Verbindlichkeiten an den Fiskus allein 51,647 Mrd. Euro – was einem Anteil von ungefähr 60% (genau gesagt 59,84%) entspricht – Schulden, die in der zeitlichen Periode ab 01/01/2011 bis 01/01/2016 entstanden.

Obendrein gelten von den 86,298 Mrd. Euro des Gesamtbetrags der verbindlichen Verbindlichkeiten an den Fiskus praktisch nur 10,133 Mrd. Euro bzw. ein Anteil von 11,7% als „beitreibungsfähig“! Die übrigen 76,165 Mrd. Euro, die 88,3% der gesamten fälligen Verbindlichkeiten an den Fiskus entsprechen, sind schwerlich bis unmöglich beizutreiben.

0,1% der Schuldner schulden 77,1% aller fälligen Verbindlichkeiten

Aus den enthüllenden Fakten des Berichts des Generalsekretariats für öffentliche Eingaben über die fälligen Verbindlichkeiten an den Fiskus ergibt sich:

1) Der Gesamtbetrag der fälligen Verbindlichkeiten an den Fiskus gestaltete sich am 01/01/2016 auf 86,298 Mrd. Euro und zeigte einen Anstieg um 14,7% gegenüber dem Gesamtbetrag der am 01/01/2015 aufgelaufenen fälligen Verbindlichkeiten (75,241 Mrd. Euro).

2) Von dem fälligen Gesamtbetrag des 01/01/2016 beziehen sich 30,512 Mrd. Euro (35,4%) auf Geldstrafen in Zusammenhang mit der Verordnung über Bücher und Unterlagen, 16,689 Mrd. Euro (19,3%) auf die MwSt., 15,636 Mrd. Euro (18,1%) auf die Einkommensteuer natürlicher Personen, 8,63 Mrd. Euro (10,0%) auf Kredite und die übrigen 14,232 Mrd. Euro (17,2%) auf die übrigen Steuerkategorien.

3) Von den 4.305.153 Schuldnern fälliger Verbindlichkeiten an den Fiskus schulden 4.299.932 (die einem Anteil von 99,9% der Gesamtheit entsprechen) Beträge von bis zu 1,5 Mio. Euro und insgesamt 19,735 Mrd. Euro bzw. 22,9% der fälligen Verbindlichkeiten an den Fiskus. Die besagten Schuldner schulden also jeder Beträge von bis zu 1,5 Mio. Euro.
Der übrige Betrag der fälligen Verbindlichkeiten an den Fiskus, der sich auf 66,564 Mrd. Euro beläuft und 77,1% der gesamten fälligen Verbindlichkeiten entspricht, besteht aus Schulden von jeweils über 1,5 Mio. Euro, die gerade einmal 5.221 Schuldner belasten, welche 0,1% der Gesamtheit der Schuldner entsprechen.

  • 3.653.194 Schuldner, die 84,9% der Gesamtheit entsprechen, schulden Beträge von bis zu 3.000 Euro. Insgesamt schulden sie 1,812 Mrd. Euro, also gerade einmal 1,2% des Gesamtbetrags der fälligen Verbindlichkeiten!
  • 203.285 Schuldner, die 4,7% der Gesamtheit entsprechen, schulden Beträge von 3.000 bis 5.000 Euro. Insgesamt schulden sie 785,8 Mio. Euro bzw. 0,9% des fälligen Gesamtbetrags.
  • 194.852 Schuldner bzw. 4,5% der Gesamtheit schulden Beträge von 5.001 bis 10.000 Euro. Die Höhe ihrer Schulden erreicht insgesamt 1,362 Mrd. Euro bzw. 1,6% des Gesamtbetrags der fälligen Verbindlichkeiten.
  • 114.022 Schuldner bzw. 2,6% schulden Beträge von 10.001 bis 20.000 Euro. Insgesamt schulden sie 1,591 Mio. Euro bzw. 1,8% des fälligen Gesamtbetrags.

4) Von den zum 01/01/2016 aufgelaufenen 86,298 Mrd. Euro der fälligen Verbindlichkeiten an den Fiskus:

  • rührt ein Betrag von 34,652 Mrd. Euro (40,2%) aus der zeitlichen Periode bis zum 31/12/2010 her,
  • ein Betrag von 38,349 Mrd. Euro (44,4%) rührt aus der zeitlichen Periode 01/01/2011 bis 31/12/2014 her und
  • ein Betrag von 13,298 Mrd. Euro (15,4%) rührt aus der zeitlichen Periode 01/01/2015 bis 31/01/2016 her.

5) Der „effiziente fällige Saldo“ belief sich am 01/01/2016 auf 10,133 Mrd. Euro und stellt 11,7% des gesamten fälligen Betrags von 86,298 Mrd. Euro dar. Als „effizienter fälliger Saldo“ wird der mittlerweile noch beitreibungsfähige Teil des fälligen (Gesamt-) Betrags bestimmt:

  • Er umfasst Verbindlichkeiten nur innerhalb des Haushalts.
  • Er umfasst Summen im Betrag einer Basisschuld von bis zu 1,5 Mio. €.
  • Er umfasst keine Verbindlichkeiten von vor dem 30/11/2011.
  • Er umfasst nicht die Steuerkategorien:
    Sonstige (indirekte) Abgaben (zu Gunsten Dritter), Miet- / Pachtzahlungen, Geldstrafen auf Basis der Verordnung über Bücher und Unterlagen, Kreditschulden zu Gunsten diverser Dritter, sonstige Geldstrafen nicht steuerlicher Natur, Gebührenzahlungen. Angelastete und sonstige nicht steuerliche Beträge.
  • Ebenfalls nicht umfasst sind bankrotte Schuldner, öffentliche und kommunale Unternehmen und inaktive und vorläufige Steuer-IDs.

Gesamteinnahmen

Die Gesamteinnahmen gegen die fälligen Verbindlichkeiten beliefen sich während des Jahres 2015 auf 3,901 Mrd. Euro und verzeichneten einen Anstieg um 7,3% im Vergleich zu entsprechenden Einnahmen des vorherigen Jahres (3,636 Mrd. Euro).

Von den Gesamteinnahmen des Jahres 2015 rührt ein Betrag von 1,641 Mrd. Euro aus Einnahmen gegen fällige Verbindlichkeiten des 30/11/2014 („alte“ fällige Verbindlichkeiten) und ein Betrag von 2,261 Mrd. Euro aus Einnahmen gegen fällige Verbindlichkeiten der Periode 01/12/2014 – 30/11/2015 („neue“ fällige Verbindlichkeiten) her.

(Quelle: Imerisia)

  1. V 99%
    15. März 2016, 13:14 | #1

    Na endlich mal gute Nachrichten, wenn die Haelfte aller Steuerpflichtigen (4,3 von insgesamt 8,6 Millionen) dem Finanzamt kein Geld Schulden, zu denen ich auch zaehle. Uebrigens, sicherlich stimmt es dass die Memoranden die Situation verschlimmert haben, aber keinesfalls die Ursache der Krise darstellen.

  2. ToMaraki
    15. März 2016, 15:30 | #2

    Machen wir uns doch nichts vor! Zahlungsfaehig sind fast nur noch die im Ausland ansaessigen, die rechtzeitig ihre Immobilien- und Mieteinnahmesteuern zahlen und um sie zu zahlen, Doppelschichten schieben muessen, weil sie in GR ihr Geld investiert haben! Die Inländer koennen wohl kaum eine Schicht mehr schieben, denn Arbeit gibt es kaum noch in GR! Schoenes Europa, dass die Mittelschicht in GR einfach auslöschte!

Kommentare sind geschlossen